Alexander Peer

Vita

Vom Schreien zum Schreiben
Ich weiß nicht, warum Babys schreien. Vielleicht wissen sie schon alles über das Leben? Am Anfang ist also der Schrei. Noch lange vor dem Wort. Aber ein Leben lang schreien, das hält niemand durch. Deshalb folgt nach dem Schreien oft das Verstummen. Oder auch das Verstummen angesichts dessen, was dieser junge Mensch so alles miterlebt. Schreien und Verstummen bleiben vermutlich die starken Pole, zwischen denen wir pendeln. Meist nur durch Katastrophen oder in besonderen Glücksmomenten gelingt es uns wieder, dieses unverfälschte Schreien oder diese selige Stummheit.
Ich hatte als jugendlicher Mensch zwei magnetische Kräfte, die beide in Diensten der Literatur standen und immer noch stehen und die mich magisch-magnetisch anzogen. Einerseits das Misstrauen, das Misstrauen gegenüber der Sprache generell, gegenüber Lebenskonzepten, gegenüber überbordenden Ideologien, gegenüber Konventionen. Andererseits das Vertrauen, das Vertrauen auf eine Sprache, die jene Räume öffnet, die wir verschlossen in uns haben und die wir gerne mehr bewohnen möchten oder von dessen Existenz wir gar nichts wissen. Das Vertrauen auf Begegnungen zwischen Menschen, auf ein nährendes Fließen zwischen Ideen und Gefühlen, das Vertrauen auf ein erfüllendes Betrachten so vieler Details. Das Denken, das Schreiben, das Fühlen, das Engagieren als Verbündete in einem anarchisch-vernünftigen Literaturkomplott, an welchem teilzunehmen ich schon viele ermuntert habe.

Ich biete Bilder an, mit jedem Buch biete ich eine Fülle an Bildern an, mit „Land unter ihnen“ eine Bilderreise der Kulturgeschichte und der Parabel über eine andere Begegnung von Kulturen, mit „Bis dass der Tod uns meidet“ eine beglückend-fordernde Reise durch die Labyrinthe des Empfindens und Betrachtens, inmitten der Größe und dem Abgrund der Philosophie. Diese Bücher leisten ganze Fotoserien des Lebens, mag jeder seine Welt, sein Abenteuer, seine Enttäuschung und seinen Triumph darin wiedererkennen, denn literarische Texte tragen so verschiedene Anreize in sich, das ich über die Wirkung keinerlei Haftung übernehmen darf.  
Vielleicht leben wir in einer Art Tauschhandel, dem wir uns nicht entziehen können? Viele wollen das jedoch nicht wahrhaben, sie halten noch zu sehr an der quantitativen Bewertung fest, sie glauben an die re-ligio des Geldes. Als würde darin eine größere Wahrheit gespeichert sein.
Dabei braucht gerade der öffentliche Raum viel Platz für einen Erfahrungshandel ohne monetäre Abstufung. Literatur leistet keinen geringen Anteil an diesem Erfahrungshandel.
Ich wünschte, es gäbe mehr von diesem Basar, diesem Tresen, an den wir lehnen können, wann immer wir einen Erfahrungshandel anzetteln wollen.

Alexander Peer, 13. September 2016



Die Novelle "Land unter ihnen" erzählt von der Eroberung Mexikos durch H. Cortés, historische Fakten sind dabei mit frei erfundenen Details elegant verwebt. Dem Konquistador steht ein fiktiver Antagonist gegenüber, der eine Art Parabel über eine andere Vision kultureller Begegnung lebendig werden lässt. 
Mit dem Romandebüt "Bis dass der Tod uns meidet" gelingt Peer ein Text, der in großer Dichte zwischen Erzählen und Betrachten pendelt und somit einen kleinen Streifzug durch die Philosophie bietet. Einfach ausgedrückt konzentriert sich der Konflikt dieses Romans voller Beziehungsverweisen auf den Kampf von Fühlen und Denken und wie beide einander durchdringen und wie sie sich im Weg stehen. Auch eine Dekonstruktion von Geschlechteridentität leistet dieses Buch, das zudem behutsam von den feinen Zwischentönen der Intimität erzählt.
"Ostseeatem" wiederum ist ein Kompendium von atmosphärisch dichten Texten, die das Baltikum literarisch durchdringen, melancholisch-ironisch und genauem Blick für Details.
"Der Klang der stummen Verhältnisse" ist sein Debüt als Lyriker. Ergänzt werden diese Arbeiten durch Tuschezeichnungen von Moussa Kone.

Von 1991 bis 1995 studierte Alexander Peer Germanistik / Philosophie / Publizistik in Wien und absolvierte anschließend einen Kursus zur Medienpädagogik am Medienzentrum der Stadt Wien.

Seit 2004 ist Peer ausschließlich als freier Autor und Journalist tätig. Davor u.a. im Verlagswesen, Theater und für PR- und Werbe-Agenturen in verschiedenen Funktionen (Texten, Konzipieren, Organisieren und Bewerben) tätig. Ausflüge in den Bereich Comics haben seine Arbeit ergänzt.
Erste journalistische Arbeiten sind bereits 1994 erschienen. Er publizierte bis dato u.a. in: Standard, Profil, Die Presse, Wiener Zeitung, a3 Verlag, Wüstenrot Magazin, Diskurs, medianet, Extradienst, Gewinn, Sportzeitung, Wiener Zeitung. Etliche Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften in Deutschland, Schweiz und Österreich (Ostragehege, entwuerfe, SALZ u.a.). Zahlreiche Beträge in Anthologien in D, A, CH und Liechtenstein. Mehrmals pro Jahr bietet er Schreib-Werkstätten an.

Seit 2001 gab er mehr als 120 Lesungen und zwar in Österreich, Deutschland, England, Griechenland, Kroatien, Litauen, Lettland, Estland, Mazedonien, Mexiko, Schweiz, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien und Italien, vereinzelt existieren dazu audio-visuelle Mitschnitte. Beiträge im Rundfunk.

Stipendien für seine Arbeit hat er seit 1996 erhalten. Darunter mehrere Arbeits- und Reisestipendien für diverse literarische Projekte seitens des Landes Salzburg, der Salzburger Kulturfonds und des österreichischen Bundeskanzleramtes. 
Auswahl einiger Einladungen als writer-in-residence:
2005 und 2008 war er Stipendiat in den Studios International der Denkmalschmiede Höfgen.
2007 erhielt er ein Aufenthaltsstipendium in der Fundacion Valparaiso in Mojácar (ESP).
2009 im Ventspils House
2010 Gutsschreiber am Röderhof
2011 Stadtschreiber in Schwaz in Tirol
2012 in der Villa Sträuli in Winterthur
2013 in Château de Lavigny
2017 im Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf

Würdigung

2000 - Poetry Slam 2000, veranstaltet u.a. vom Droschl Verlag (2. Preis)
2000 - Literatursalon „going public“, veranstaltet u.a. vom Café Stein und Zeitschrift „wespennest“ (1. Preis)
2001 - Prosapreis „Brixen/Hall“, veranstaltet vom Kreis Südtiroler Autorinnen und Autoren im Südtiroler Künstlerbund (3. Preis)
2009 - Endrunde Schloss Wartholz/Reichenau
2011 - Stadtschreiber in Schwaz in Tirol
2016 - ÖZV-Journalistenpreis 2016 in der Kategorie „Wissenschaft, Technik und Forschung“

Aktuelles

Seit 5.10.2017 im Buchhandel:


Der Klang der stummen Verhältnisse
Lyrik und Zeichnung von Alexander Peer und Moussa Kone
Hier wird Kulturgeschichte am menschlichen Körper festgemacht; in den fünf Kapiteln Kopf, Herz, Bauch, Geschlecht und Hand schafft Alexander Peer mit präziser Wortwahl und feinem Humor Sprachbilder für Unsagbares. Dabei nimmt er die Position des philosophischen Beobachters und Kommentators ein, der nicht mit Selbstkritik spart. So werden stumme Verhältnisse zur Sprache gebracht und stimulieren zu neuen Perspektiven.
Es entsteht ein Kompendium von poetisch dichten bis subversiv anarchischen Texten.
Alexander Peers Gedichte und Moussa Kones Tuschezeichnungen ergänzen einander; der fragmentierte Körper wird zur Projektionsfläche, immer wieder nähern sie sich den großen Fragen und suchen nach nichts weniger als dem Sinn des Lebens.


Der Klang der stummen Verhältnisse.
Lyrik von Alexander Peer und Zeichnung von Moussa Kone
Limbus 2017. Preis: 13,- Euro Seitenzahl: 96
ISBN: 978-3-99039-114-3


Lesungen:
23. Oktober 2017 - Nicolaihaus Berlin, Beginn 19 Uhr
29. November 2017 - Kunstraum Damani Wien, Beginn 19 Uhr
10. Dezember 2017 - Galerie am Lieglweg Neulengbach, Matinée - Beginn 11 Uhr


2013 erschien Peers Debütroman "Bis dass der Tod uns meidet".

Nietzsche und Beziehungsdilemma!
Was könnte besser passen und sich gleichzeitig mehr ausschließen, als die pathetisch-ironische Philosophie des großen Unzeitgemäßen und die verwegenen Erwartungen sowie trübenden Niederungen, die sich ereignen, wenn zwei aufeinander treffen? Der Erzähler Franz schlittert in eine fiktional-reale Dreiecksbeziehung, als die Beziehung zu Rebecca zu erodieren beginnt: Immer mehr steigert sich Franz in einen Monolog mit dem maßgeblichen Diagnostiker und Überwinder des Nihilismus hinein und driftet zwischen Selbstauflösung und Bestimmung. Nietzsche als Brennpunkt von Rastlosigkeit. „Je verlotterter das Leben, umso ergiebiger das Denken“, könnte das Motto von Franz sein, einem sich an seinem Übervater wundreibenden modernen Menschen, der seine Identität findet, indem er sich verliert.
Mitschnitt der Lesung anlässlich der BuchWien 2013
Gespräch mit Manfred Müller, Wolfgang Müller-Funk und mir im Anschluss an die Lesungen in der Österreichischen Gesellschaft für Literatur am 3. Dezember 2013.
Besprechungen und Textauszüge auf meiner website www.peerfact.at.

Werk

Eigenständige Veröffentlichungen

Veröffentlichungen in Anthologien

Points of Passage. Kunst, Literatur, Tanz und Film im Stift Melk.

Stift Melk2014 Essay

Reise nach Ljubljana: Junge Literatur aus Österreich

Limbus Verlag2011-03 Anthologie

Gegenwartsliteratur in der Schlossgärtnerei Wartholz II

KRAL2009-02-18 Prosa

Wie es eben so ist, ohne Harfe

Edition Eizenbergerhof, Salzburg2005 Lyrik

Schönheit und Vergänglichkeit: Ein Kunst Lesebuch

Edition Sammlung Essl2011-10-03 Anthologie - Kunstbuch

Jede andere Seite: 46 Kubinesken

plattform Verlag, Wien2009-06-23 Kurz-Prosa

Austern im Schnee und andere Sommergeschichten: Eine literarische Landkarte von Lech und Zürs

Bucher GmbH & Co. Druck Verlag Netzwerk, Hohenems2008-09-12 Prosa

Veröffentlichungen in literarischen Zeitschriften

Entwürfe: Lebenslauf

Kontrast, Zürich (CH)2009-10-06 Prosa

Herausgeberschaften

Edition Art & Science2007-08-24

Über Werk / Autor

Der Liebesroman im 21. Jahrhundert (Film - Medium - Diskurs)

Königshausen u. Neumann2017-12-01 Literaturwissenschaft

Multimedia

Zuletzt durch Alexander Peer aktualisiert: 12.10.2017

Literaturport ID: 1451