Hans Müncheberg

Steckbrief

geboren am: 9.8.1929
geboren in: Templin / Brandenburg
lebt in: Schöneiche

Kontakt: Kantstr. 19, 15566 Schöneiche

Telefon: 030 / 649 61 87

Vita

Als Sohn eines Friseurmeisters 1929 in Templin/Uckermark geboren, besuchte Hans Müncheberg zunächst die heimische "Bürgerschule". Trotz anfänglicher Bedenken seiner Mutter übergab man ihn im Frühjahr 1940 der "Nationalpolitischen Erziehungsanstalt" (Napola) in Potsdam.
1945 befahl man auch ihn, zusammen mit anderen Vierzehn- und Fünfzehnjährigen während der letzten Kriegswochen zu einem sinnlosen und verlustreichen Kampfeinsatz um und in Berlin. Beim letzten Ausbruchsversuch aus der "Festung Berlin" am 2. Mai 1945 wurde er in Staaken schwer verwundet.
Einer Kette glücklicher Umstände verdankte er die Heimkehr nach Templin. Er verdingte sich als Landarbeiter, durfte ab 1946 wieder eine Oberschule besuchen und konnte 1948 das Abitur machen.
Auf seine Bewerbung um ein Studium der Naturwissenschaften an der Humboldt-Universität Berlin erhielt er eine pauschale Ablehnung. Bei einer Nachfrage erfuhr er, durch eine Direktive des Alliierten Kontrollrates seien alle Zöglinge nazistischer Eliteschulen auf Lebenszeit vom Studium ausgeschlossen.
Nach einem Arbeitseinsatz im Formstahl- und Walzwerk Riesa erreichte ihn zum Jahreswechsel 1948/49 die Mitteilung, er sei nun doch zum Studium in Berlin zugelassen - allerdings nicht an der naturwissenschaftlichen, sondern trotz seiner inkriminierten Vergangenheit an der pädagogischen Fakultät.

Wichtig für seinen späteren Weg wie für seine materielle Situation als elternloser Stipendien-Empfänger war es, daß er während seines Studiums Kontakt zur "Arbeitsgemeinschaft sozialistischer Schriftsteller und Journalisten fand und aufgefordert wurde, im "Schriftstelleraktiv des Berliner Rundfunks" an der Autorenarbeit für die Sendereihe der "Dorf- und Betriebsabende" teilzunehmen.
Ohne Studienverlängerung machte er im Sommer 1951 sein Examen und wurde von der Berufslenkungskommission für eine kulturpolitische Tätigkeit freigestellt.

Vom Herbst 1951 an bereitete er sich im Lektorat des DEFA-Spielfilmstudios auf eine Tätigkeit als Dramaturg vor. Als Ende 1952 ein Kinderfilmstudio gegründet werden sollte, bat er daran mitwirken zu können. Man meinte jedoch, als ehemaliger Napola-Zögling und als Parteiloser wäre er ein unverbesserlicher Faschist geblieben und hätte in der DDR nichts mehr zu suchen.

Nachdem er bei der DEFA gekündigt hatte, bewarb er sich noch vor dem Beginn des "Offiziellen Versuchsprogramms" beim Fernsehzentrum (FZ) in Berlin-Adlershof, sollte unverzüglich engagiert werden - geriet jedoch unerwartet in Arbeitslosigkeit. Ende Februar 1953 verhalf ihm seine frühere Mitarbeit beim Berliner Rundfunk doch dazu, als der zweite Dramaturg des FZ eingestellt zu werden.
Neben dramaturgischer Tätigkeit begann er bereits 1953 auch als Fernsehspielautor zu arbeiten. Bei der Adaption der Kurzgeschichte "Der verschenkte Leutnant" von Friedrich Wolf erhielt er von dem erfahrenen Dramatiker wertvolle Anregungen für seine weitere Autorenarbeit.

1956 baute er die Abteilung für Gegenwartsdramatik auf und leitete sie bis 1959. Der Deutsche Fernsehfunk war inzwischen zu einem Massenmedium herangewachsen. Nun wurde Hans Müncheberg vor die Frage gestellt, Mitglied der SED zu werden. Er verweigerte diesen Schritt und demissionierte zwangsläufig von seiner Position als Abteilungsleiter.

In den folgenden Jahren blieb er dem Fernsehen in der DDR als Dramaturg und Autor/Szenarist verbunden. Er überstand auch eine Spanne von neun Jahren, in der er nach einer "Vorlauf-Observierung" durch die Staatssicherheit als unzuverlässig eingestuft und als Autor vom Bildschirm verbannt blieb. Erst als Anna Seghers ihn als Szenarist für die Adaption ihrer Erzählung "Agathe Schweigert" akzeptierte und dann sogar wünschte, er solle auch die Erzählung "Das Schilfrohr" für das Fernsehen erschließen, war der Bann gebrochen.

Der allzu frühe Tod einiger Kollegen der ersten Fernsehjahre ließ die Befürchtung entstehen, daß die Pionierarbeit des ersten Jahrzehnts, in dem es noch keine der heute üblichen Aufzeichnungstechniken gab, undokumentiert in Vergessenheit geraten könnte.
Unter dem Dach des Verbandes der Film- und Fernsehschaffenden der DDR (VFF), anfangs vom Kulturfonds der DDR finanziell unterstützt, baute Hans Müncheberg 1981 eine Arbeitsgruppe "Geschichte der Fernsehkunst" auf und leitete sie bis 1986.
In dieser Zeit führte öffentlich geübte Kritik an der Programmkonzeption des DDR-Fernsehens zu einer erneuten beruflichen Ausgrezung bei weiterbestehendem Arbeitsrechtsverhältnis.

1989/90 wurde Hans Müncheberg zum Interimschef des VFF gewählt und leitete den internen Erneuerungsprozeß.

Da er sich seit Jahren für die Wahrung der Urheberrechte der Film- und Fernsehautoren in der DDR engagiert hatte, wurde er nach dem Übertritt aus dem Schriftstellerverband der DDR (SV) in den Verband deutscher Schriftsteller in der IG Medien (VS), 1991 durch den Schriftstellerkongreß in Travemüde zum ostdeutschen Vertreter im EWC (European Wrighters Congress) gewählt.

1991 nutzte Hans Müncheberg die letzten Monate des Deutschen Fernsehfunks, um die seit 1986 blockierte fernsehgeschichtliche Arbeit fortzusetzen, verbunden mit dem Versuch, die beispiellose Abwicklung eines Fernsehsenders mit zwei Vollprogrammen zu dokumentieren.

1994 in den Bundesvorstand des VS gewählt, blieb das Bemühen um eine urheberrechtliche Gleichstellung der Medienautoren aus den neuen Bundesländern sein besonderes Anliegen, auch wenn nach ersten Erfolgen weitere Schritte verhindert wurden.
1998 bis 2000 folgte der ehrenamtliche Vorsitz des VS-Vorstands für das Land Berlin.

Das vor einer drohenden Vernichtung bewahrte einstige VFF-Archiv zur Frühgeschichte der Fernsehkunst in der DDR wurde auf Bitten des Rechtsnachfolgers bei ihm untergebracht. Im Jahr 2000 übernahm er die durch intensive Erschließungsarbeiten wertvoller gewordene Sammlung, die nun als "Archiv Müncheberg GbR" für eine medienhistorische Nutzung zur Verfügung steht.

Würdigung

1960 Erich-Weinert-Medaille
1964 Ernst-Moritz-Arndt-Medaille
1973 Kunstpreis des FDGB (Freier Deutscher Gewerkschaftsbund)
1984 Heinrich-Greif-Preis

diverse Silberne und Goldene Lorbeeren des Deutschen Fernsehfunks

Aktuelles

Lesungen aus dem autobiographischen Roman "Gelobt sei, was hart macht", waren auch an Schulen sehr erfolgreich, da es heute kaum noch bekannt ist, wie man auf eine NS-Eliteschule kam, wie man dort lebte und wie man als "Kindersoldat" überlebte.


Bei Lesungen aus dem Erinnerungsbuch "Blaues Wunder aus Adlershof", können auf Wunsch auch Videovorführungen zu den einzelnen Programmbereichen des Deutschen Fernsehfunks gezeigt werden.

Werk

Eigenständige Veröffentlichungen

Veröffentlichungen in Anthologien

Die Fernsehuhr und ihr Ticken, in "Patzer und Spratzer"

NORA-Verlagsgemeinschaft2002 Anekdoten/Episoden

Der Krieg ist noch nicht aus, in "Wendeliteratur - Literatur der Wende"

edition VS Berlin1997 Erzählung

Schwarze Kanalgeschichten, In: Mit uns zieht die neue Zeit...

VISTAS-Verlag1993 Anekdoten

Daß die Kraft von Wort und Bild der Volkserziehung diene..., In:Flimmerkiste

Gerstenberg Verlag1999 historischer Abriß mit Anekdoten

Klima-Flüchtlinge, In: Mit uns zieht die neue Zeit...

VISTAS-Verlag1993 Anekdoten

Zur Geschichte der Fernsehdramatik in der DDR, In: Mit uns zieht die neue Zeit...

VISTAS-Verlag1993 historische Abhandlung

Veröffentlichungen in literarischen Zeitschriften

Das Fernsehspiel, in Neue Deutsche Literatur

Aufbau-Verlag Berlin1957 drei

Herausgeberschaften

Experiment Fernsehen

Reihe "Podium und Werkstatt" des VFF1984 Zeitzeugenberichte

sonstige Werke

Fernsehspiele bzw. -filme für das Fernsehzentrum Berlin / Deutscher Fernsehfunk / Fernsehen der DDR:
"Der Brief" 1954
"Die Todeswolke" 1954
"Der verschenkte Leutnant" (nach Friedrich Wolf) 1955
"Der Tod von La Morgaine" 1955
"Wer kennt Schütze Dahms?" (n. Stoff v. Waldner) 1956
"Intrigen" 1957
"Ich bin schuldig" (zus. mit Wolfgang Luderer) 1957
"Baccarat" (n. Originalstoff von Leonhard Frank 1957
"Radarstation" 1958
"Projekt Merkur" 1960
"Aufruhr im Kollegium" 1960
"Geheime Fäden" 1962
"Lucie und der Angler von Paris" (n.Fried.Wolf) 1963
===============
"Die große Reise der Angathe Schweigert"
(nach Anna Seghers, zus.m.A.Kunert) 1972
"Das Schilfrohr" (frei nach Anna Seghers) 1974
"Eine Frau am Telefon" (Fernseh-Monodram) 1977
"Ich will nach Hause" 1980
"Das Hörspiel" (nach Jurij Brezan) 1981
"Alleinstehend" 1983
"Richter in eigener Sache" 1986


Für den DDR-Rundfunk:
"Fernruf", Hörspiel 1980

Multimedia

Literaturport ID: 692