Ursula Eisenberg

Steckbrief

geboren am: 21.8.1945
geboren in: Mecklenburg/ Deutschland
lebt in: Berlin, Hermsdorf

Kontakt: Waldseeweg 23, 13467 Berlin

Telefon: 030-4049947

Vita

Ursula Eisenberg wurde 1945 als viertes von sieben Kindern in Spornitz/ Mecklenburg geboren. Sie durchlebte eine typische Nachkriegskindheit mit viel Orts- und Bezugsgruppenwechsel in den frühen Kinderjahren. Erst 1953 stieß sie wieder dauerhaft zu ihrer leiblichen Familie, in der sie Mühe hatte, heimisch zu werden.
Ihre Schulzeit verbrachte sie in Kassel, nicht immer zur Freude der Deutsch-Lehrerinnen: "Hat bestimmt dein großer Bruder geschrieben" - "Nein, das war gar nicht verlangt" - "So etwas macht man erst an der Universität" ... mit anderen Worten: Sie verfehlte häufig das Thema. Das sollte so bleiben. Ab 1965 studierte sie in Berlin Musik und Germanistik, ab 1968 auch: Politische Ökonomie, Marxismus / Leninismus, kritische Theorie. Praktische Übungen absolvierte sie in Wohngemeinschaften, Sit-ins, Go-ins, Demonstrationen, Platzbesetzungen.
Ihren von Kindheit an ausgeprägten Drang, alles sprachlich zu gestalten und womöglich in Reime zu setzen, unterdrückte U. E. in dieser Lebensphase weitgehend, da derartige Fähigkeiten als nicht gesellschaftlich relevant galten. Manchmal allerdings ging es mit ihr durch und sie streute einige Demo-Sprüche oder Kampflieder in die Menge, die begeistert aufgenommen wurden.
Gar nicht erfolgreich war ihr Start an einer Berliner Gesamtschule. Die Proletarier-Kinder, zu denen sie sich hingezogen fühlte, fanden, daß sie sich mehr durchsetzen sollte und ließen sich auch nicht durch eigens für sie geschriebene kleine Geschichten und umgedichtete Lieder gewinnen.
Besser ging es ihr 1975 am Pestalozzi-Fröbel-Haus (Erzieherfachschule); der Unetrricht machte ihr Spaß und animierte sie zu sprachlicher Kreativität. Sie schrieb Kinderlieder und zunehmend mehr Gedichte. Es kam zu ersten Veröffentlichungen und zu intensiver Mitarbeit in Westberliner Kleinverlagen.
Literaturzeitschriften wie "Litfass" und "Kürbiskern", Anthologie-Herausgeber großer Verlage (Rowohlt, Suhrkamp) meldeten ihr Interesse an. Das lief so nebenbei, auf Anfrage. Ursula Eisenberg schrieb aber zunehmend mehr aus eigenem Antrieb: Große Gedichte-Zyklen (oft auch gereimt und in geschlossenen Versformen) zu Themen, zu denen normalerweise keine Gedichte geschrieben werden, etwa: Einen 90-Gedichte-Zyklus über ihre Wohngemeinschaftserfahrungen. Überzeugt davon, etwas Einmaliges geschaffen zu haben, schickte sie ihr Werk an verschiedene Verlage und prophezeite ihr bereits wohlbekannte Reaktionen: "Tut uns Leid, ist in unserem Verlagsprogramm nicht vorgesehen" ... mit anderen Worten: "Thema verfehlt."
Ihre erste Ganzschrift landete 1981 in der kleinen feinen Pegasus-Reihe des Berliner-Bayern Harald Schmid - ein thematisch gebundener Gedichte-Zyklus mit vier eingestreuten Prosa-Texten: "Da kommt noch was nach." Ein Kinderbuch für Erwachsene.
1982 kam die Tochter Katharina zur Welt. Sesshafte Zeiten begannen und mit ihnen eine ausgiebige Prosa-Epoche: Kindergeschichten-Serien für die SFB-Reihe "Ohrenbär", "Und wo bleib ich" -fiktives Tagebuch über die ersten Jahre als Mutter (Rowohlt 1986) und ein erster Roman: "Tochter eines Ringers" (Fischer 1992) - ein ehemaliger Kriegsrichter wird zum radikalen Gorleben-Kämpfer und setzt seine 68er-Kinder damit unter enormen Druck. Auch mit diesem Buch verfehlte sie das Thema, denn was sie hier behandelte, sollte erst Jahre später allgemeines öffentliches Interesse erregen (Kinder von Nazi-Tätern, Aufarbeitung der 68er-Zeit). Der nächste Roman "Mauerpfeffer" (Fischer 1996) thematisiert ebenfalls die sechziger/ siebziger Jahre, dieses Mal in Konfrontation mit dem hautnah miterlebten Berliner Mauerfall. Ein drittes Buch spielt im letzten Westberliner Jahrzehnt: "Die Katze Tango" - ein Hausbesetzer-Roman. Er ist bisher unveröffentlicht.
Ursula Eisenberg hat nie aufgehört zu schreiben, leider allerdings: zu veröffentlichen. Ihr Brotberuf an der Erzieherfachschule wurde so raumgreifend, daß sie es nicht schaftte, Verlagskontakte zu halten. So entschloß sie sich endlich, eine eigene kleine Reihe herauszugeben: "Ullas bedenkliche Bändchen" UbB. Sieben gibt es bereits, drei sind in Arbeit. Ullas bedenkliche Bändchen sind einzigartig: Originell, gedankenreich, witzig, sprachlich brilliant. Es gibt inzwischen Sammler, die sich kein Büchlein entgehen lassen. Ihr Nachteil: Sie sind lediglich bei der Autorin erhältlich. Ihr Vorteil: In keinem dieser Bändchen wurde das Thema verfehlt.