Uwe Jahn

© Boris von Brauchitsch

Steckbrief

follow url geboren am: 18.9.1964
geboren in: Lüchow / Niedersachsen / Bundesrepublik Deutschland
lebt in: Berlin, Schöneberg

Vita

Uwe Jahn wurde 1964 im Wendland geboren. Sein journalistisches Handwerk lernte er als Regionalreporter in Brandenburg; heute lebt er in Berlin und arbeitet als Hörfunkredakteur für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. In den frühen neunziger Jahren beschäftigte er sich intensiv mit Zeitzeuginnen des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück für Radiofeatures im ORB und im Deutschlandfunk. Als Reporter reiste er sieben Jahre lang durch Brandenburg und erlebte in unzähligen Gesprächen mit Bürgern der untergegangenen DDR seine ganz persönliche Deutschstunde. 1995 gab Jahn die Autobiografie des Kölner Kunstsammlers Hermann Götting heraus ("Die Figur dazu hab ich", edition diá). 1997 erschien ein Text von ihm im Stadtführer "Homopolis" (Jackwerth Verlag). Außerdem publizierte Jahn in mehreren Anthologien beim Deutschen Taschenbuch Verlag, so 1999 in "Deutschland mein Land", ebenfalls 1999 in "Schluss mit dem Jahrtausend" und 2004 in "Alles Gute kommt von oben?". In den letzten Jahren hat er Glossen, Erzählungen und Essays in der Wochenzeitung 'Freitag' und in der Zeitschrift 'Männer' veröffentlicht. Im Herbst 2008 ist sein Erzählungsband "Weit raus" im Männerschwarm Verlag erschienen.

Aktuelles

"Weit raus", Männerschwarm Verlag 2008


Die Erzählungen im Telegrammstil


Weit raus

Sommer an der Ostsee. Schwimm nicht so weit raus, sagt

Monika. Sie ist Sönkes Mutter, eine exzentrische Malerin, die

bessere Zeiten gesehen hat. Ihr Sohn und sein Freund Thomas

suchen Erholung auf dem mütterlichem Anwesen. Sönke will für

Mutter und Liebhaber sorgen. Er hat Migräneanfälle, Monika

eine schöpferische Krise, Thomas fürchtet die Einsamkeit und

den Tod. Die Spannung entlädt sich mit einem gewaltigen

Gewitter. Danach scheint alles so friedlich. Sönke schwimmt.

Weit raus.


Nordlicht

Kurz nach Weihnachten. Martin leidet. Sitzen gelassen und

tränenblind. Sein Busenfreund hat das Jammern satt und

schickt ihn nach Norwegen. Zu einem Männerpaar. Arne mag

den Besuch aus Deutschland nicht so, Ove dagegen sehr.

Draußen fällt Schnee. Während Martins Starre sich zu lösen

beginnt, denkt Ove daran zu verschwinden, ehe seine Gefühle

für Arne es tun. Die Männer fahren Ski, sehen Polarlichter und

unternehmen nächtliche Fahrten im Pferdeschlitten. Eigentlich

ganz romantisch.


Halbwahrheiten über Joachim

Draußen geht der Sommer zur Neige als der Ich-Erzähler und

Joachim sich durch einen Zufall wiedersehen. Auf der Bank vor

dem Haus sitzen zwei alte Männer und fürchten den Winter. Der

Erzähler versucht immer noch herauszufinden, woran seine

Freundschaft zu Joachim gescheitert ist. Sie versuchen eine

Wiederannäherung. Die beiden Alten frösteln und gehen rein.


Augustliebe

Liebe auf den ersten Blick. Prompt läuft ein Vogel mit dem Kopf

voran den Baum herunter. Mitten in einem starken August,

voller Wehmut, Sehnsucht und Gier. Auch der Schmerz ist ein

Gefühl, er macht uns wach und – wenns gut läuft – stärker.

Zum Beispiel für einen Winter allein.


Henri hat Aids

Dieser Satz plumpst in einen Märznachmittag auf dem Land.

Henris Geschichte lässt die Eltern kalt, Lars, ihr Sohn, wünscht

sich zurück in die Stadt und er will einen Freund haben. Beides.

Schnell.



Socken anziehen

Es gibt Menschen, die wollen einfach nur allein sein. Hat die

Garbo gesagt. Steffen, der Held der Geschichte, hat seine

eigene Methode. Er verschwindet für Minuten aus der Welt.

Verliert sich in Gedanken oder im Nichts, man weiß es nicht

genau. Morgens, wenn er Socken anzieht. Sein Freund kommt

ihm auf die Schliche.


Hellblauweiß

Stell Dir vor: Dein bester Freund wird gefunden. Tot und

besudelt in einem fremden Bett. Keiner weiß, wie er dort

hingekommen ist. Und was das Schlimmste ist: Du auch nicht.


Der blaue Teppich

Es gibt so Erkenntnisse, auf die Peter auch verzichten könnte.

Zum Beispiel, dass er im Schatten seines Freundes steht. Oder

dass der Mann, mit dem er gerade schläft, ihn gar nicht meint.

Das alles an einem Abend mit Ehekrach und Partylärm – und

eben einem dritten Mann. Gutgewachsen übrigens, was ihm

auch nicht nützt. Am Schluss liegt ein toter Mann im Hof und

der blaue Teppich im Wohnzimmer. Alles klar?


Via oscura

Es gibt Männer, die haben einen feuchten, schweren Blick und

wenn sie dann noch seufzen, hat das etwas sehr

Beunruhigendes. Christian begegnet so einem Mann. Immer

wieder. Er lässt es auf einen Seitensprung ankommen und das

geht anders aus als er dachte. Die Geschichte spielt in einem

ligurischen Bergdorf. Haben Sie schon mal irgendwo einen

gleichgeschlechtlichen Heiratsantrag gelesen? Na dann wird es

vielleicht Zeit.

 

Werk

Eigenständige Veröffentlichungen

Veröffentlichungen in Anthologien