Willi van Hengel

Steckbrief

geboren am: 13.5.1963
geboren in: Oberbruch
lebt in: Berlin, Weißensee

Vita

Willi van Hengel wurde zum Glück nicht an einem Freitag, sondern an einem Montag, dem 13.Mai 1963 geboren. In Oberbruch, einem kleinem Ort nahe der holländischen Grenze. Dort ging er auch in die Grund- und Realschule, bevor er 1982 in Erkelenz das Abitur machte. Nach dem Zivildienst in einer Behindertenwerkstatt, begann er in Bonn das zu studieren, das er in der Schule nicht hatte: Philosophie.
Gleich im ersten Semester hatte er abermals großes Glück, indem er auf Friedrich Nietzsche traf, der ihn Zeit seines Lebens nicht mehr loslässt. Folglich lautete der Titel seiner Magisterarbeit 1991 auch: „Dekonstruktion im Blick auf Nietzsche“. Darin verarbeitet er auch seine zweite maßgebliche Begegnung, die mit Jacques Derrida. Nach dem Scheitern seiner Dissertation – über das Ethische im Werk Nietzsches – besann er sich auf das, was er wirklich wollte: Schreiben. Schreiben als Lebensform und Lebensverwandlung. Was auch Thema seines im Jahr 2006 erschienenden Romans Lucile ist. In diesem Briefroman geht es um die Gegenüberstellung von autistischem Künstlerdasein und dem Funktionieren im Alltäglichen.
Wurde Lucile aus der Sicht einer Frau geschrieben ist, zeichnet sich der Protagonist im zweiten Roman Morbus vitalis, der 2009 im Wiesenburg Verlag erschien, als van Hengels Alter Ego aus: Wer bleibt man, wenn man liebt. 2010 zog ihn die Liebe nach Berlin an den Weißensee. Und auch ein Grenzgang der Sprache begann. Fürderhin ging es in seinen Texten, die er Wunderblöcke nennt, nicht mehr um das Verstehen eines Textes, sondern um die Suche nach einem entsprechenden Moment des Empfindens beim Sprechen und Schreiben. In gewisser Weise also auch um die Überwindung des Funktionierens in einem Text. Aber gehorchen wir nicht schon, wenn wir der Grammatik folgen?
Solche und andere Fragen treiben van Hengel von einem Wunderblock in den nächsten.












Aktuelles


Ohne Make-up.
Erklärst du mir noch mal, wie’s war, als die Dinge erst allmählich ein Gesicht bekamen. Hattst du auch so ’ne Angst vor dem Vernünfteln? Ein so belangloser Termin am nächsten Morgen liess dich die ganze Nacht nicht schlafen. Wir werden über die Einfachheit unserer Liebe staunen. Bald. Und wir werden uns immer wieder neu erfinden. Darin. Und darüber hinaus. Über den Rand fallen, immer in den neugehäuteten Kelch unserer Hände. Solange deine Finger selbst im fadesten Wind die meinen suchen, werd ich mich umlacht fühlen. Dann werd auch ich meine Angst verlernt haben. In deinem Windlicht nämlich.


Silbenspiel.
… ohne Zusammenhang, ohne die geringste Gewissheit, entweder oder, und dennoch werden wir unbekümmert sein, ich spürs, dann auch du, empör dich nicht, noch keine Silbe hat unseren Traum erobert oder zerplatzen lassen. Denn alles hat eine eigene Logik. Fass mich an. Du erinnerst dich doch jetzt schon daran, dass wir unheimlich viel lachen. Ich schleiche dir nach. Meine Maulwürfin. Aus deinen grüngraugeleckten Augenhöhlen rinnt ein kleiner Tropfen Unendliches. Und weil wir uns gleich dort getroffen haben, werden wir uns immerzu spiegeln. Und dort glücklich werden: auf dem glasklaren Rund einer Seifenblase. Wir haben uns nie heimlich getroffen. Wie Wortstaub…


Wie Wolke.
Vermiss dich nun schon zum dritten Mal. Heute. Weiss ja immer noch nicht, wie ich mich ohne Text nur als Körper an dich heranmache. Aber scheinbar giebt’s zwischen den Sonnenscheinen mehr Unberührtes als wir uns zugeben wolln. Musst du jetzt gehen. Du weisst, wie davonfliegend meine Einsamkeit wird. Zum Glück wolltest du vorhin die eine weisse Wolke nicht zerstechen.

Werk

Eigenständige Veröffentlichungen

Veröffentlichungen in Anthologien

Dem Atem nun näher

HolzheimerVerlag2009 Kneipengeschichten: Eine Anthologie

Von Idioten umzingelt: Bitterböse Geschichten über Behörden, Nachbarn, Arbeit und das alltägliche Leben

HerJo-Verlag2007-07

Jetzt erst mal ein Kölsch

Palabros de Cologne2007 Köln-Trilogie / Guten Morgen, Köln!: Neunzehn Geschichten zur schönsten Stadt der Welt: Köln am Rhein! Anthologie mit 13 tollen Tipps für´s Internet!

Und gespült zurück

Engelsdorfer Verlag2007-08 Gefüllte Artischocken. Erotische Erzählungen und Gedichte

BarLust. Erotic Short Stories & Cocktails

Storia Verlag2007 S. 55-61

Veröffentlichungen in literarischen Zeitschriften

Dialog mit sich selbst (über Nietzsche)

Sterz2009 S. 12

Erfindungsgelegenheit (S. 93)

Die Brücke e.V. Saarbrücken,2005-01-01 Die Brücke - Forum für antirassistische Politik und Kultur Heft 137 Nr. 3/XXIV Jahrgang. Juli-August-September 2005.

Herausgeberschaften

Lumières

Heinsberg2007 Literaturzeitschrift

Literaturport ID: 1459