Kurzinfo
© Suhrkamp Verlag
Andreas Maier
Sanssouci
erschienen bei:
Suhrkamp Verlag
online seit:
6. Februar 2009
gelesen von:
Harry Kühn
aufgenommen:
28. Januar 2009
Spielzeit:
12:10
Copyright:
© Suhrkamp Verlag
Inhalt
An einem heißen Sommertag wird auf dem Frankfurter Hauptfriedhof der tödlich verunglückte Regisseur Max Hornung beerdigt. Nach seinem Umzug aus Frankfurt am Main lebte er in Potsdam. Von dort sind als Trauergäste angereist: Merle Johansson, eine zwielichtige Schönheit, mit ihrem kleinen Sohn Jesus, die eigenwillig verwahrlosten Zwillinge Heike und Arnold und ein paar Fernsehleute. Der Russlanddeutsche Alexej, Novize eines russisch-orthodoxen Klosters, ist aus München gekommen. Was verband sie alle mit Hornung?
Das Potsdam von Andreas Maier verfügt, abgesehen von dem Weltkulturerbe Sanssouci, über viele Plätze und Kneipen und einen doppelten Boden, was im wörtlichen Sinn zu verstehen ist: Unter dem Park von Sanssouci verläuft ein Tunnelsystem mit zahlreichen Räumen. Einige davon wurden offenbar zum Ort für schwarze Messen und Sado-Maso-Sitzungen. Jugendliche, die sich dort herumtreiben, tricksen die Erwachsenen aus – mit bedrohlichen Folgen. Hat Hornung davon gewusst, der Westler, der die Potsdamer in seiner Fernsehserie Oststadt so porträtierte, dass ein erbitterter Streit in der Stadt entbrannte, der sich schon bald ins Possenhafte überschlug? Das erfahren wir von den Herumlungerern vor den Trinkbuden der Stadt – Champions der Bedürfnislosigkeit, auf die ein Platz im Himmel der Bergpredigt wartet. Was für sie abfällt, schnappen sie auf, um den Kosmos des Geredes zu mästen. Andreas Maier setzt einmal mehr banales Geschwätz als Mittel der Literatur großartig ein und seziert mit Sanssouci komisch und ironisch die deutsche Gegenwartsgesellschaft am Beispiel Potsdam. Maier blickt mit mikroskopischem Blick hinter die kleinstädtische Fassade und liefert eine meisterhafte Milieustudie.
Zur Person
Andreas Maier wurde 1967 in Bad Nauheim geboren und wohnt heute in Frankfurt. Er debütierte mit dem Roman Wäldchestag (2000), der mit dem Literaturförderpreis der Jürgen Ponto-Stiftung ausgezeichnet wurde. 2002 folgte Klausen, zuletzt erschien Kirillow (2005).
Er erhielt zahlreiche Stipendien und Preise, u. a. den Ernst-Willner-Preis beim Klagenfurter Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 2000 und den Clemens-Brentano-Preis (2003). 2006 war Andreas Maier Gast in der Villa Massimo in Rom. Maiers Werke liegen in zahlreichen Übersetzungen vor.

