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ca. 15 min
ca. 350 m
Pessimistisch-lustig-grimmig & grantig verspielt wendet sich diese Tour nicht den Schokoladenseiten der Metropole zu. In phonetischer Orthographie des ortstypischen Jargons und topographischem Textverlauf werden Stationen von geringer Attraktivität beschrieben. Der auktoriale Erzähler hat sich in zwei dialogisierende Personen aufgespalten.
Diese Tour gibt es auch zum Anhören:

Den Text der Tour als PDF:

Und abwinken. „Mein Berlin“, ein Schnappschuß-Album.

Wolfgang Schlüter

Fotos: Wolfgang Schlüter, außer Portraitfoto des Autors: Tobias Bohm


»
Grenzland-Jubel zwischen Schöneberg, Kreuzberg und Tempelhof. 2 Freunde schlendern heiter & beschwingt die Katzbachstraße hinunter.  Auf halbem Wege entschließen sie sich, lieber in die Monumentenstraße auszuweichen. Und das ist auch gut so. Denn hinter sich lassen sie ein Reich, über dem König Hartz IV. sein Zepter schwingt.«


Katzbachstraße,
S1 Yorckstraße


       Ecke Duden/Katzbach die drogerieblaue Fassade vom Schleckermarkt: „Tach, Helmut“ — „Gott zum Gruß, Schorse“ (und Tatze in die Pratze); „Du=dass’ja n richtijer Geschpensterladen hier: neonleer, manchma’ schtunden-lang ohne Kunden; im Hinterzimmer pötschert 1 An-gestellte über ner Tasse=Kaffe — “ : „Schtimmt; wird auch wöchentlich eenmal überfallen. Persil her! – oder’s kost’ das Leben! ’N idealet TrainingsCenter für die Krimi=nelln. Jehnwa?“ - „Andiam, andiam, mio bene.“ – Das Nebenhaus schon tiptop ausgeraubt, bon! — :
       Blinde Schaufenster-Augen, „ziemlich grauer Star, wa?“. Und überlegen: Ob grüner Star nicht doch hübscher, irgendwie frischer wäre als grauer? („Mein Schatz hat’s Grün so gern“). „Wg. Geschäftsaufgabe geschlossen. Provisionsfrei zu vermieten“. Und gleich die Kapuze tiefer ins Gesicht ziehen.


       Wo alles darniederliegt, wächst das Rettende auch? Zur Rechten auf der andern Straßenseite: das Sportfeld, hinterm hegenden Wall, von Hazel & Snowball bebuscht; darauf zum Rapport bestellt: die Schildwacht der Platanen; dahinter zum Zählappell angetreten: die Langen Kerls der Pappeln (Warum sind Fußballplätze so gern von Espen gesäumt? Weil die so lieb & bang zittern bei jedem Elf-meter? Brav tuschln, raschln & flispern vor’m Freistoß? Und die SilberBlättchen im Windstoß als VereinsFähnchen aufschwenken: Tor! (Auch an DampfbahnDämmen, einst).)
       Die Platanen stattdessen: recken & fuchteln aufgeregt die zottigen RiesenArme gen Himmel: ‚Stürme voran, edler Libero!’ (aber hübsch die stachligen Bommeln) : Eintracht Treptow spielt gegen Zwietracht Neukölln, Böen aus Gellen & Pfiffen fegen über die Straße;  ein vielkehlicht „Tor!!!“  röhrt auf und brandet an unseren Solarplexus („nee=du, an dein’n Metaffern mußte ooch noch wat feilen (: Aus Mitleid wissend, das reine Tor?)“);
       N paa grüne Wannen stehen am Straßenrand bereit; darin schlagstöckelt’s, raunt’s & murrt’s: Wagen Berta ruft Wagen Alpha, bitte kommen. „!??“ —: „zur Kühlung der Jemüta, weeßte. Falls die Taliban ma wieda ’s Feld schtürmen und den Schiedsrichter vadreschn; kommt hier öfta vor; die sind ja gerne jekränkt, wenn des Referee’s Anfiff ihrn Glaubm beleidicht“ (: Georg, fachmännisch). „Shit Niesel.“ Und rasches GrauGewölk querüber die Dächer.    


       Zur Linken die langgestreckte Front der MiezHäuser, Katzbach 28a bis 17; bulkije  Gründerzeit-Klippen, fümf Schtock hoch lotrecht gegens Trottoir gepfählt; vom Regen in die Traufenhöhe stemmt sich die Front, stampiert in Reihen fest geschlossen, verriegelt auch die Läden im Erdgeschoß, einer nach dem andern, und leer: die Fenster verstaubt, eingeschmissen oder bretter-vernagelt (Spielsalon, ‚Eintritt ab 18’); „Hier is ja allet Hartz vier; die Ladenmieten kann keena mehr zahlen, weil keena mehr wat kooft, ne“.
       Aber doch noch geöffnet: Häuslicher Pflegedienst: Seniorenmahlzeiten, Rollstuhltransporte, 24h-Betreuung; „Wollnwa uns schomal anmeldn=du?“ (Zum Rundum-dieUhr-Verwöhnen?)
       The chalky Cliffs: zu ihren Füßen die Brandung des Straßenverkehrs; der FassadenVerputz im Wechsel aus stein-, maus-, sack- & graphitgrau mit vanilljegelb, „kiekma, eene is sogar oxen=blutrot jetüncht“, apart-apart! Gleich links eine im Parterre fröhlich anthrazit geklinkert; aus der Tür tritt eine schmächtige junge Frau, die 2 mannshohe Doggen gassiführt: Diana sucht Aktäon, bitte melden! „Mensch, dit Fleisch wo die am Tach futtan, habick im janzn Monat nich!“ (Bet’, Kinder, und/ morgen kommt der Hund / morgen kommt der Oxenstjern/ wird die Kinder beten lern’). Über uns, in Abständen, die schmalen Echsen-köpfe der Bogenleuchten, an langen Plesiosaurushälsen mit GlühMäulern hungrig geneigt über Paare, Passanten.
       Der Ruch von Nieselregen auf angewärmtem PflasterStaub („schön!“), dazu Blähgestunk aus zerbrochenen Souterrainfenstern (Kohlenhandlung Klawuttke), überkrakelt von einem Spinnennetz aus ZickZackGraffiti, schwarz-/silbern-auf-grau, „bloß keene leeren Flächen übrichlassen; da kriegen die gleich ’n horror vacui=du! Muß irgendwie ’n Kind=Heiz=Trauma sein.“ (Deshalb auch Arschgeweih, Lippen- & Nabel-Piercing, Tattoo-Studios noch und nöcher? (Und grübeln. Rache der Zeichen an einer chiffrenlos gewordenen Welt? Hm, hm.))    


       Paß uff, Mensch!! Potz PengPlatz & Tonsteinescherben! Viel hätte nicht gefehlt, und der Blumentopf wäre mir auf den Kopf —— („Kommt hier alle Naselang vor, Helmut. Iss ne Art Schport, vonnen Kindern aufm Balkong; die schließen Wetten ab, obse wen treffen“. „Na du hast Nerven, Schorse!“ - „Habick, habick. Mußte ooch habm in dem Kiez.“ - „Am Worte ‚Kiez’ erkennest du den Fremdling an der Spree. ‚Fremd bin ich eingezogen,/ fremd zieh ich wieder aus’“) — Und weiter-gehen; nach Norden, auf leicht abschüssigem Terrain („Nicht atmend aufwärts brauchst du mehr zu steigen/ Die Ebne zieht von selbst dich fort,/ Dann wird sie sich mit dir unmerklich neigen,/ Und eh du’s denkst, bist du im Port“).
       Ma’ kurz umdrehn, gen Süden; die Cessna quert diagonal das Himmelssegment zur Landung in Tempelhof, zieht eine grollende Schleppe hinter sich her, die sich über die Straße breitet und dröhnend ausrollt bis ins letzte Hinterhof-Ecko (‚Tante Ju’s Rosinenbomben’).
       „Klaa nervt das, wenn so’n Fluch=Zeuch seine Lärmrosinen abwirft; trotzdem kuckick jedesma hoch, wenn eens rüberdüst; dann sarick mir, Schorse, sarick, so lange die Fliega noch Krach machen, jipptet noch Hoffnung, dette hier mal wechkommst eenes Tages.“ Und wieder kehrt-schwenkt-nord.


       Paßgenau umrundet: „Wozu der Schlenker, guter Freund?“ Der weist auf das graue Pfützchen und erklärt ungerührt: „Kriexte erst mitter Zeit ’n Blick für. Anfangs binick immer rinjelatscht. Hundstrümmerl? Nee. Hunde kann sich so’n armet Hartzvierschwein ja nich mehr leisten. Die jroßen setzense anner Rastschtätte aus, die kleenen wandern in’n Kochpott. Ick sare bloß: Wenn dir so’n Schtenz aus’m Bräunungs=Schtudio mit Gold-kettchen & Gel unter der Baseballkappe entgegenkommt: dann mach prinz=zieh=piell ’n weiten Bogen um den! Weeßick ooch nich, warum die so gern ihre Speichelbatzn aufs Flaster schpucken. Muß wohl irgend’n altet Brauch-tum mit Mieh=graz=john’s=Hintergrund sein.“ (Also immer schön Respeckt vor alienen Cultouren, gelt? Immer gesenkten Blix, Vorsichz halber; nie freiaus ins Gerade? Nie hoffnungsvoll empor, ad astra?)
       „Rechts=rhein? Jehts zum ‚Golgatha’!“ (Welches ist verdeutschet ‚Schädelstatt’). „Da kannste dir ans Kreuz der Lüste nageln lassn: Suff & Drogen; mit unbewaffnetem Auge?—: isses bloß ’n Gartenlokal, zwischen Schportplatz und Vick=tor’ja=Park, tagsüber für Spielplatz-Eltern – nach der neunten Stunde, da eine große Finsternis über dem janzn Land, für epilierte Schädl; dort finden oft Razz’jen statt.“    


       Knirsch! Mensch, was’nn das?! „Scherben; von’m Pils. Früher hättste auf ’ne Kippe jetretn. Seit keener mehr rauchn darf, loofense stattdessen mitter Flasche inner Hand rum und schmeißense dann einfach irgendwo hin. Icke: muß teechlich die Schplitter aus’n Schuhsohlen polken=du! Is ooch keen Zuckerschlecken.“ (: geseufzt; ich glaub’s ihm. Ob ich hier würde wohnen wollen? Nee; wohl doch lieber nicht.) „Mann, Helmut! Wat haust’nn dir selbst anne Birne?“ — „Liebster Schorse, du wirst vermutlich soeben zum erstenmal in deinem Leben Zeuge, wie sich jemand einen Gedanken aus dem Kopf schlägt.“ – Und trübsinniger fürder:
       Denn wieder gähnt ein aufgegebener Laden. („Wegen Geschäftsaufgabe geschlossen. Zu vermieten.“) Und daneben gleich wieder einer. Und noch einer.  „Wenn hier noch wat rammelt, dann die mit Rolljalousien & Fallgittern verrammelten Jeschäfte.“ Har, Har. „Icke? -: wohn hier im zweeten Gartenhaus links, II. Etahsche.“ „Garten klingt doch schön: so nach WiesenWildnis, ObstbaumSchatten, Oleander & Bougainvillea.“ - „Hat sich wat! Der ehemal’je Gewerbehof mit Betong ausjegossn; nüscht wie Kinder-karrn & Müllcontainer; und gegenüber die Hof-Irre, die’s Fenster uffreißt und kreischt: ‚Ich bring euch alle um, ihr Schweine, hört endlich auf, ich ruf die Bullen!’ Jiptet in jedem Hof, so eene, gloob’ick. Würste ja ooch plemplem, wenn im Somma alle Fenster offenschtehn un’ denn der Rap raushämmert bis der Arzt kommt, bummta, bummta, bummta, und dazu die lieplichen Düfte ausser Knoop= Lauch=Frittöse — “ und abwinken; und erstmal resigniert schweigen. Aber nicht lange, denn:
       „Nachbarliches Miteinander? Urbane Durchmischung? Mensch hör bloß uff, Helmut! Dit is doch hier der reinste Darwin-Dschungel. Der Lauteste is der Schtärkste, und der überlebt, weiler die andern einschüchtert, indemer seine Schtehreoanlage losläßt als wärs sein Pitbull. Der Stille, Freundliche, Höfliche? Jeht vorde Hunde. Kannste mir gloobm. Anfangs, wie ick hier einjezogen war: habick noch alle nett gegrüßt im Treppenhaus: Da ham die mich anjekuckt — soo, vonner Seite, wie ick dir jetze, ne? — als wärick nich janz dicht. Anner Supermarktkasse habick ‚Herzlichen Dank’ jesahcht! : Du=da sind die richtich aggressiv jewordn! Jetz, wenn mir wer begehchnet, anner Biotonne oder so, zieh ick den Kopp zwischen de Schultern und knurr’ & brummdödel’ nur noch irjendwat Feppschtieslijes — und kieke an!: jetz sindse plötzlich alle nett; jetz binick einer von ihn’n: jenau so’ne muffije Arschbacke; perfeckt ass=similiert.“ Und wieder abwinken; und noch einmal innehalten; „wir schtehn betroffen, / des Lebens Fackel wollten wir entzünden.“
       (Hat aber auch sein Gutes:  Alle sind gleich; keiner neidet dem Andern das GucciTäschchen. Weil keiner eins hat, April-April! „N richtich tollet Lumpm=Koll=leck= tief, wa? Rot Front, Helmut!“ – „Rot Front, Schorse!“)


       „Hier dit is n janz Netter :“  im Fah=Ratt=Schopp der schwarzlockicht=verschmitzte Hirte inmitten seiner Herde von roten und blauen Drahteseln, silbernen Stahlgazellen mit schwarzem AntilopenGehörn, aufgebockten AluGiraffen, friedlich äsenden Berg- Bicycletten. Im Vorbeigehn geflüstert: „ Der einzje höflich=freundliche Mensch UND der einzje West= Europäer aufer janzn Schtraße (Schpanier, gloob’ick). Conclusio?—:“; und abwinken; hab’s schon verstanden. Aber Georg murrt noch een’ druff: „Wenn’s hier wenigstens n paa Franzosen und Engländer gäb: könnt man’s aushalten.“ - „Die assimilieren sich doch auch in Nullkommanichts, poor Saint George.“ - „Schtimmt ooch wieda. Also vajißet.“
       Antiquariate?—: „Die Schtraße weiter runter is eens; jeht aber nie eener raus oder rin. Der Trend zum Zweit-buch is hier noch nich so vabreitet. Bergmannkiez? Mensch da sieh dir bloß vor, Helmut! Allet fest in talibanischer Hand. Eenmal habick ’n Buch von Schehk-spier ’nem Händler zum Ankauf anjebootn. Der tacksiert mich so hinter sein’m Bart unterm Turban — so, von schräg unten, vaschtehste, als schliff’er schon hinterm Rücken sein Tapetenmesser — als wärer eben erst aus’m Ausbildungslager heimjekehrt, und sahcht mir dann, nee, so gottloses Zeux von Ungläubigen nimmter nich.
       Nem andern: habick Klopp=Schtocks Oden inner Erstausgabe anjeboten, ’n signiertes Handecksemplahr des Dichters, mit sein’n eigenen Korrecktouren, da schtaunste, wa? Der Trödler: wirft een’ Blick auf det kleene Ocktahf-bändchen und sacht: Nee, is ja schon alt, dit kooft keener mehr. Latschick also weiter zum nächsten und frag: HamSe zufällich Klopschtock-Erstausgaben? Sacht der: Na klaa, hier: uralte Auflage von 1916, Feldpostausgabe mit Eichenlaub & Goldschnitt, frisch entrümpelt bei Oma Krawuttke, edle Kostbarkeit, eine unbezahlbare Prezjose, mein Herr! Rarissime! Firzich Mille! Fragick nach dem Kunstdruck da hinten mit der betenden Zigeunerin im Plass=tick=Rahmen; sahcht der: Ist Porträt von Fräulein aus Hocharistokratie, uraltes Ölgemälde von italienischem Renaissancemeister, sehen Sie nur, in venezianischem Barockrahmen aus purem Gold —“
       Und resigniert abwinken; „Nee=du; allet Gangster Gauner Hallunken & Hohlköppe. Obs in Schalottenburch besser is?“ Er: zweifelt grimmiger fürbaß; ich: fußstapfe ihm folgend. „Hier jetzt links, Schorse?“    


       Einmündung Monumentenstraße: „Also ick würde mal so sagen, Helmut: Wennwa jetz übern Zebra=schtreifen weiter geradeaus die Katze runterjehn, denn lockt dich zur Rechten der Vicktoriapark und zur Linken ’n Bäcker mit den elastischsten Schaumschtoffpuffern, die in Berlin je für ‚Brötchen’ ausjegebm wurden; der Laden nennt sich ‚Haberschrot’: klingt irj’ndwie anheimelnd=alternatief, ne? N paa von dem seinen Schrippen habick heut noch unter mein’n Schtehreo-Bocksen schtehn: zwecks Trittschallabsorption.“ (Und ich nickte nur kopf-schüttelnd (: Ist sowas physiologisch möglich?); die Berliner backen ja wirklich wie die Gebrüder Kraftmeier & Feist:  Streuselschnecken groß wie Wagenräder, monströs glasiert & überzuckert; aus jeder Mehlschwitze bölkt’s: ‚Sodbrennen wird garantiert! Otherwise money back!’; und beim Gülmir?-: iss’s ooch nich besser: fettriefend, öl-gesättigt, süß wie Sodom & Gomorrha; nee=nee, wenn ich da an Garvey’s Rhubarb Pie denke — (Kunstschtück: Westeuropa! (Also besser nicht dran denken; vorüber, ihr Schäfchen, vorüber — ))).


       Aber der Parkweg zur Rechten lockt wirklich allerliebst: „Dort, liebster Helmut, setzt sich die Monumentenschtraße jenseits der Katze fort und schteigt unter schattichten Wipfeln immer schteiler an bis zu Schinkels Sieges-monument auf’m Kreuzberch; du=da müssenwa n’ anderma ruff, brauchste ’ne Ausrüstung für“ (Pickel & Seil? GraffitiSpray? Schutzhelm gegen Bierflaschen-Steinschlag?): „n’ tollet Runnt=panno=rama haste vom Gipfel, zwa nich auf St. Paul’s & Tower Bridge, auf Eiffelturm & Sacre-Cœur oder Engelsburg & Colosseum, aber an klaren Tagen is die Degussa=Filiale am Horizont schön auszumachen;
       Und denn setzte dich zu Füßen des neo=gothischen, graffitibeschmierten, darunter magenta=grünen Sieges-denkmals auf die Flaschenscherbm; packst dein Vesperbier aus; und ergötzest dich im Sommer an den Bongo= Trommlern, die da alle Nächte durch sich uff’n Kriechsfad perkussioniern“ - „Ich dachte, die trommeln ‚für den Frieden’ (und nur in der Toskana)?“ - „Nee=du, dit hörste im janzn Kiez – auf Siebenmeilenschtiefln zurück ins Neolithikum, wa? – und morgens, beim Erwachn, gloobste, du hättst im Traum Affn & Pappageien schreien jehört und betastest ungläubich dein Jesicht: ob’s die Autonom’n nich inner Nacht ooch mit ZickZackZeichen zutettowiert ham wie bei den Maori auf Neuseeland.“  

       *

       Aber der Park selber ist doch herrlich? Und sehnsuchtsvoll hinübergeblickt zu den Kronen der ehrwürdig solitären Kastanien, Eichen & Blutbuchen. Georg, widerwillig konzedierend: „Ochgotte, naja. ’N büschen lütt, nech? Jut, im Mai und Oktober: Wennde da an jewissen Punktn aus beschtimmtn Blickwinkeln linst: kannste, für een’n Moment, im Estate von Hawthornden Castle dich wähnen. Aber jehste 1 Schritt weiter: schieben sich gleich wieder de Miez=Fassaden ins feinschtaub= jeschliffne Bildfeld, und die Illusjohn is futsch. Dazu ringsherum det ew’je Dröhnen vom Laster=Vakehr; und sonst?
       Die Wege: alle asfaltiert, weil’t flegeleichter is. Im Winter: Is eh kein Laub mehr am stachlichten Geäst. Allet ratze=kahl wie mein Portmonneh. Schnee: wird sofort zu Rodel=Eis glasiert, auf demde dir alle Knochen brichst. Im September: bedröhnt n Karussellfest den janzn Kiez mit Bummta, bummta, bummta, und der Rasen sieht hinterher aus wie die Pripjet=Sümfe. Den Sommer über: liegen hier die Leute Handtuch-an-Handtuch und lassen sich nackich röstn: Ein Anblick, an dem die Taliban sich handkräftig ergötzen, um sich danach gleich wieda zu empören darüber, daß die Sittenlosigkeit der Ungläubigen ihre Religjohn beleidicht.
       Und Fliegenschwärme über den überfüllten Papierkörben, aus denen die Pizzareste & Abfälle vom Grillpicknick quellen, ‚Helft unserer bedrohten Insecktn=Fauna’! Die Kaskade runter zur Großbeeren-schtraße? Im Regelfall ohne Wasser (‚Wir müssen alle den Gürtel enger schnallen’). Rauscht nur, wenn et zuvor schtark gerehchnet hat. Dann haste unten n schtag-nierenden Pfuhl, putrid=grünschillernd, auf dem die Plaste & Elaste, die sonst in des Bergstroms trocknen Rinnen ruht, immerhin flottieren darf. Haste die Schkulptuhr ma jesehn, die da vor dem Pfuhl aufm Rasen unten schteht? Du=dit is echtes Rixdorfer Barock! ’N Triton, der ne Najade verjewalticht; Huldigungs=Statue von Bernini für König Hartz IV.;  hat schon unzähljen Kreuzberger Eltern zum 1. Aufklährungsunterricht verholfen.
       Nee=du: Links und nach Westen heißt die Devise; wie für jeden intelligentn Menschen.“ — Aber das’ss doch —— da soll mich doch — !!? (Und beschtürzt innehalten:)

       *

       Nightmare on Elm Street?
Die abgestumpfte Ecke der Fassade Katzbach/Monumenten: „Warst du da schon mal drin, Schorse?“ - „Iss mein Schtammlokal. Weeßick bis heute nich, warum det ‚Alptraum’ heißt. Jut, so schtehtet numal in Sippz’jer=Jahre=Lettern über der Glasfront, und de Tür hamse wohl aufm Rummel abmontiert vonner Geisterbahn; aba sonst? Is janz normal=triste: Da darf jeder anschtändje Hartzer seinen ALG-Alk verzehrn; nebman kannste snookern & jukeboxn; im Sommer sitzte im Freien an’m Tischchen und prostest mit deim Pils denjenigen zu, die gegenüber, auf der andern Schtraßen-seite, vor ihrer Eckkneipe sitzen und dir mit ihrm Pils zuprosten. Iss echt nett=da, Helmut!“ — Und skeptisch; weitertrotten.
       Bis zur Einmündung Eylauer Straße kurz sich senkend, dann wieder ansteigend die beidseits von Bäumen schattierte Straße; links ein Geschäft für „High-Fidelity“ einst, jetzt „Wegen Geschäftsaufgabe zu vermieten“, jaja ’ck weeß schon, „keine Maklercourtage; ohne Provision“, gefolgt von einer bräunlich geklinkerten Eck-kneipe, ‚Zur letzten Hoffnung’ oder ‚Zum gemütlichen Harnstein’?, 50m weiter die Kita ‚Zum rotzfrechen Gör’, dann ’n paa kreischbunte Riesenplakate an Bretterwänden, endlich:
       Ins Freie treten: tief durchatmen: und den Odem anhalten! ——: isses die Möglichkeit?!:
       „Tja da schtaunste, wa, Helmut?“  Und den Blick am sachten Aufstieg der Brücke panoramatisch schweifen lassen: über 270°, aber hallo! Und am Felsenabgrund uns zu Füßen: Westward ho! Hic Rhodus, hic salta!


       Unter der weitgewölbten Himmelskuppel (schiefergraues Geschiebe von Cumuli) fern gegenüber, am Schöneberger Gestade das Eschengrüppchen, 1 Kirchtürmlein spitzlt hindurch, rechts die 200m-Front der HäuserKlippen; „manchma’ im=po=sannte Sonnenuntergänge=du; ex occidente lux: violettschwarze Wolkentürme, mit Schtreifn von Blattgold gesäumt; und mittendrin’ne Explosjohn von zitronengelb, orange, apricot; da gloobste, die Brücke führt di=reckt in die Sonne rin und am Ende von ihr is’n Topf Gold verbuddelt. Wer den ausgrübe!“ (: Georg, seufzend). „Hier atlantische Tiefs, Schturm & Jewitter=du: das’ss grand’johs!“
       Das Urstromtal der Gleisbetten:  Und eben rasselte ein ocker-roter S-Bahn-Python tief unter uns hinunter zum Südbahnhof, während auf parallelen Schienen die weiße ICE-Kobra in Richtung Hbf hinauf schlirrte; „den kannste von hier aus nich sehn; aba dafür den Fernsehturm am Alex (‚Uns bleibt ein Erdenrest, / und wär er von Asbest’).“ Daneben festgehängt am Nordhimmel der Heißluftballon: „Berliner Morgenpost“: Muß denn alles mit Zeichen bedeckt sein? Muß auf jeder freien Fläche irgendetwas schreien, brüllen, werben, krakeelen & reklamen? Darunter die eingedetschte Zirkuskuppel?-: „:
       Isses Sony-Center am Potz=damer Platz. Grauenvolle Architecktour, wennde da rumloofst, klinkerkalt, zugich, unwirtlich. Macht sich aba schick in Foto=Bild=Bänden (‚im Duoton-Druck’), weeßte, in’n Büchern, die imma beim Zahnarzt uff’m Glastisch liegen.“ Und, weil er meine ungläubigen Blicke gewahrt, noch eins draufgesetzt: „Nee=du, Prinz=Tscharls hat schon recht. Der iss gaanich so doof, wie ihr immer denkt, trotz der abschteh’nden Ohren. Kunstschtück: Westeuropäer. (Außerdem schpielter Schello. Dit sahcht ja ooch wat.)“ — Und noch ungläubiger starren. Und zweifeln.
       Aber drollig die Champignonköpfe der Zementpoller auf beiden Gehsteigen der Brücke. „Da siehste oft ’n Halbwüx’jen seiner Freundin die Muskeln vorführn, die er sich im Fitt=näss=Center anjeschwitzt hat: indemer mit zwee Fingern so’n tonnenschweret Ding anhebt und uffde Schtraße schiebt. Eindruxvoll, muß ich zugebm.“ – Aber wofür sind die da, Schorse? – „Zur Suizid-Prävention. Damit nich’n Autofahrer, aus Liebeskummer, oder weil er auf Hartz vier jesetzt is, Gas gipt und die Karre mit Karacho übern Bordsteig und durchs Geländer auf die Gleise fliegen läßt; der Sachschaden könnte ein beträchtlicher sein.“
       Auf dem Scheitelpunkt der Monumenten-Brücke: „Siehste, wat habick dir jesahcht? De Sonne kommt durch: und wir mitten rin! Wie im Schlußbild von’m Western. Tief durchatmen, Helmut! Vor dir liegt Europa. Hinter dir Asjen.“ (Und Kreisblende. (Zu.))


Autorenlexikon
Wolfgang Schlüter wurde am 11.12.1948 in Königslutter geboren, machte 1967 am Johanneum Lüneburg Abitur, studierte nach dem Militärdienst seit dem Som ...