Leselampe

2018 | KW 8

© Privat

Buchempfehlung der Woche

von Anna Ospelt
Anna Ospelt, geboren 1987 in Vaduz, lebt in Basel, wo sie literarisch und journalistisch schreibt und übersetzt. Seit 2010 veröffentlicht sie in diversen Literaturzeitschriften und Anthologien. 2015 erschien ihre Monografie "Sammelglück" (Bucher).

Susanne Partsch
Paul Klee – Poet der Farben, Meister der Linien
Taschen 2017

Nachdem meine Liebe zu Paul Klee in der Ausstellung „KLEE – die abstrakte Dimension“ in der Fondation Beyeler diesen Herbst erblüht war, wollte ich auch nach Ausstellungsende im Klee bleiben. Also las ich letzte Woche „Paul Klee – Poet der Farben, Meister der Linien“ von Susanna Partsch. Auf einer sonnigen Insel und genauso gespannt wie einen Krimi!
Die für kunsthistorische Laien angenehm verfasste Einführung zu Klee zeichnet chronologisch seinen künstlerischen Lebenslauf nach. Vom der Literatur und Musik, Lebensfragen und Liebesdingen sehr zugeneigten Kunst-Studenten,
„Kurz, ich sollte ein Mensch werden vor allem, die Kunst würde dann daraus folgern.“ (Tgb. 66)
vom Zeichner zum Maler,
„Die Farbe hat mich. Ich brauche nicht nach ihr zu haschen. Sie hat mich für immer, ich weiss das. Das ist der glücklichen Stunde Sinn. Ich und die Farbe sind eins. Ich bin Maler.“ (Tgb. 9260)
hin zur Abstraktion,
„Abstract? als Maler Abstract sein heisst nicht etwa gleich ein Abstrahieren von natürlichen gegenständlichen Vergleichsmöglichkeiten, sondern beruht, von diesen Vergleichsmöglichkeiten unabhängig, auf dem Herauslösen bildnerisch reiner Beziehungen… Bildnerisch reine Beziehungen. Hell zu Dunkel, Farbe zu Hell und Dunkel, Farbe zu Farbe, lang zu kurz, breit zu schmal, scharf zu stumpf, links zu rechts – oben unten – hinten vorn, Kreis zu Quadrat zu Dreieck.“ (Klee zitiert nach: Jürgen Glaesmer, Paul Klee. Die farbigen Werke im Kunstmuseum Bern, 1976, S. 33)
Klees weitere berufliche Stationen, seine politischen und künstlerischen Haltungen werden dabei anhand von Tagebucheinträgen, Reden und Briefen illustriert, von der Autorin in einen Kontext gebettet und kritisch kommentiert, womit kein undifferenziertes Klee-Bild entsteht. Eine feine Einführung für Neugierige.
Ps.: Auch nach (oder aber trotz) dieser Vertiefung weiterhin verkleet, habe ich nun Alke Stachlers poetische Reaktionen zu Klee, wie auch einen Band mit Paul Klees eigenen, zu Lebzeiten unveröffentlichten Gedichten (Arche, 1960) zur Lektüre bereitliegen.

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