Das Münsterland-Touren wurden durch die Kunststiftung NRW, die LWL-Kulturstiftung und die Kulturstiftung der Westfälischen Provinzial Versicherung ermöglicht.

Eva Maaser

Steinfurt

Sarah Koska
~ 7 Std. ~ 31 km Was ist Steinfurt? Ein Rundgang durch Burgsteinfurt und Borghorst

Nach der Vertreibung aus Schlesien kam die Familie ins Münsterland.

Vom Kreis Borken verschlug es die Autorin dann irgendwann in die Stadt Steinfurt, deren zwei “Ortsteile” hier erkundet werden. Vom zauberhaften Bagno-Park wird ein gestriges und heutiges Bild entworfen.

Als Hör-Tour

Gelesen von Nina West
Laufzeit: 31:06

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Eva Maaser

»Steinfurt«

Fotos: Sarah Koska


Erstmals wurde ich auf einer Tour von Münster zum Wochenmarkt in Enschede in den Niederlanden mit dem http://sexlive-camsex.com/porn-chat/livejasmin-couples Phantom Steinfurt konfrontiert. An Fisch, Kohlrabi und Käse denkend, bemerkte ich im Vorüberfahren die üblichen Schilder, die auf umliegende Orte hinwiesen. Auf einem davon tauchte überraschenderweise der Name Steinfurt auf. Es gab den Kreis Steinfurt, das wusste ich, aber einen Ort? Nie davon gehört.
Ich fuhr durch couple webcam free Borghorst, kam wenig später durch go Burgsteinfurt – auf Schilder achtete ich nicht mehr, denn die beiden Städtchen kannte ich von vielen Durchfahrten Richtung Holland, dann schien Steinfurt auf einmal hinter mir zu liegen. Hatte ich mich zu stark auf nieuwe Matjes konzentriert und Steinfurt übersehen? Wahrscheinlich.
Der Name tauchte auf neuen Land- und Straßenkarten in Verbindung mit Burgsteinfurt und Borghorst auf, auf den alten fehlte er. Ich dachte an Potemkinsche Dörfer.
Knapp dreißig Jahre ist es jetzt her, dass ich nach Burgsteinfurt gezogen bin. Eine Weile hatte es noch gedauert, bis ich trotz eindeutiger Indizien, die für das Gegenteil sprachen, nicht mehr an der Existenz Steinfurts zweifelte.

Hollicher Mühle
Hollich 148a
48565 Steinfurt
April - Oktober: Sa 14 - 17 Uhr
Sonder-/Gruppenführungen nach Vereinbarung
(mit oder ohne Mahlbetrieb)
Kontakt: Hollich 146
Johann Nefigmann
Tel.: 02551 - 1 49 20 oder 0160-4715659









Niedermühle

An der Niedermühle
Mühlenstr. 15
48565 Steinfurt

Sie kann während der Sommermonate (April bis September) an jedem dritten  Samstag im Monat von 15 bis 16.30 Uhr besichtigt werden, Der Eintritt ist frei. Weitere Führungen, auch von Schulklassen, können nach Vereinbarung organisiert werden.


Café Schlossmühle

Burgstr. 17
48565 Steinfurt

Webseite

Jede natürlich gewachsene Stadt hat ein Zentrum, das mehr oder weniger im geografischen Mittelpunkt liegt. Wenn ich den geografischen Mittelpunkt von Steinfurt aufsuche, stehe ich unter einer zugigen grauen Betonbrücke, mitten auf der alten Bundesstraße 54 im Nirgendwo. Am Rand der Straße parken ein paar Autos, in einiger Entfernung lugt ein altes Haus aus graugelben Backsteinen aus dem Grün. Ringsum erstreckt sich Wald, unterbrochen von Weiden, mal mit, mal ohne Vieh, ein gerade noch akzeptabler Platz für Fuchs und Hase, um sich „Gute Nacht“ zu sagen. Eine Etage höher, auf der Brücke der neuen Bundesstraße, der B54n, ist die Luft besser – falls gerade kein Lastwagen vorbeidonnert, Dieselgestank verbreitend – und vielleicht hat man von hier aus eine verheißungsvolle Sicht auf Kirchtürme; aus dem Norden müssten die Burgsteinfurter, aus dem Süden die Borghorster grüßen, aber vermutlich sind sie alle zu weit weg.

Durch Burgsteinfurt fließt die Aa – die Steinfurter Aa. Ich stelle mir vor, dass erst einmal nur dieser Fluss mit einer seichten Stelle da war, an der man ihn leicht überqueren konnte, dann kam jemand auf die Idee, Zoll für die Überquerung zu nehmen und baute sich eine Hütte am Ufer. Vielleicht gefiel ihm auch nur die Gegend, die sachte Hügel aufwies, auf die man Windmühlen setzen konnte (die Hollicher Mühle), und in die Senken Höfe, die sich mit den Jahrhunderten in nette Anwesen mit vielen Dächern verwandelten. Und der nächste Bach – es gibt hier viele Bäche – ließ sich so umleiten, dass er das ganze Hofensemble umfloss und vor Eindringlingen schützte, die eventuell aus der Richtung von Borghorst kommen mochten, das schon zweihundert Jahre früher als Burgsteinfurt eine urkundlich nachweisbare Existenz führte.

Bei schönem Wetter steige ich aufs Fahrrad und begleite, im Norden beginnend, die Steinfurter Aa. Ich arbeite mich in die Pedale tretend gegen die Fließrichtung voran, in Gedanken nicht bei Steinfurt, sondern nur beim Fluss. Selbst bei strahlendem Frühlingssonnenschein erscheint er dunkel, trübe und ruhig. Nur fünf Meter breit, ähnelt er mehr einem Bach, ein schmaler Spiegel für dünne noch halbkahle Bäume, dürres Gras und einen Hauch von Verlassenheit. Kaum hundert Meter weiter bietet er ein erstes wildes Wassertheater, wild schäumend um aufgetürmte Felsbrocken im Flussbett, dann ein Crescendo, wenn das Wasser metertief über das Wehr an der Niedermühle stürzt. Das Gemäuer der Mühle lugt durch einen Vorhang von Gesträuch; von hier, wo ich anhalte, sieht sie seltsam verwunschen aus. Zweihundert Meter weiter – vielleicht sind es auch nur einhundertfünfzig – stehen Bäume mit ihren dicken Wurzeln im Wasser, Krickenten ziehen vorbei und riefeln das Wasser in butterweiche Wellen. Ich radele weiter, steige wieder ab und schiebe, denn ich schätze die Langsamkeit, das versunkene Verweilen, dass mir der Fluss mit seiner Gemächlichkeit angenehm leicht macht.
An stillen Tages höre ich es, bevor ich es sehe: das Wasserrauschen am zweiten Wehr, das an der Schlossmühle. Im dunstigen Gegenlicht eines späten Nachmittags erscheint das Schloss als schwache Silhouette, man muss es nicht ernst nehmen, kann es sich für später aufheben und nur die Kulisse auf sich wirken lassen, die an Märchen wie Dornröschen erinnert.
Kehre ich dem Schloss den Rücken zu, breitet sich jenseits einer großen sattgrünen Rasenfläche „Il Bagno“ vor mir aus.
Vier Reihen junger Kastanien und Linden bilden die neue Große Allee, die direkt ins Herz des Bagno führt.

Bagnopark
Hollich 156
48565 Steinfurt
Ganzjährig zugänglich

Konzertgalerie

An der Hohen Schule 14
48565 Steinfurt

Webseite

Il Bango

„Il Bagno“ ist heute hauptsächlich ein Wald. Und früher? Ein fast unbegehbarer Sumpfwald, gut für finstere Gestalten, Molche und Fledermäuse. Aber dann fiel das Licht des Ehrgeizes, gepaart mit ungebremstem Optimismus in die Einöde und lenkte Arbeiterscharen mit Sägen und großen Schaufeln in den Wald. Das viele Wasser wurde in einem See gesammelt, genauer gesagt in einem Seenpanorama mit Inseln, phantastischen Inselgärtchen und Hügelchen auf den Inselchen, ja sogar Bauwerke, die von Anfang an ... ja was? Hat jemals Rapunzel aus dem Fenster im Insel-Turm geblickt? Wohl anzunehmen.
Durch den Bagno-Wald schlängelt sich noch immer die Steinfurter Aa, hat flache Kuhlen gebildet und sich ein Bett mit steilen Ufern gegraben. Ein modriger, gar nicht unangenehmer Duft nach Verrottung, nach mürbem, totem Holz steigt auf. Aus braunem, vorjährigem Laub wachsen filzige Brombeerdickichte und leuchtend grüne Moosinseln hervor. Frische Baumstümpfe zeugen von gefällten Giganten – urtümlichen Eichen und Buchen. Wenn man Glück hat, hat sich der letzte Sturm an einer ausgetobt. Da liegt der Riese nun mit geknicktem und gesplittertem Stamm jämmerlich danieder. Der Anblick jagt mir einen wilden Schauder über den Rücken.
Bei sonnigem Wetter, vor allem sonntagnachmittags ist „Il Bagno“ vollkommen überlaufen. Da ziehen die Menschen in artigen Rudeln über die Wege. Vor zweihundert Jahren war „Il Bagno“ ja ein barocker Lustgarten, heute ist es ein Bürgerpark, mehr oder weniger bedrängt und eingeengt von einem Golfplatz, den nur die Golfer betreten dürfen. Der Golfrasen leuchtet selbst im zeitigen Frühjahr postkartengrün, das Gras im öffentlichen Bereich wirkt dagegen gelb und wie von widrigen Winden gebeutelt. Ludwig XIV, der Sonnenkönig, verfügte, dass der Schlossgarten von Versailles von jedermann betreten werden durfte.
Am Zaun um den Golfplatz ist zu lesen: „Golfbälle sind Clubeigentum. Mitnahme ist Diebstahl“.

Kennengelernt hatte ich die Reste der einst feudalen Pracht von „Il Bagno“ auf einer Besichtigungstour mit meiner Mutter, deren Vorliebe für die gehobene Kultur damals ein mehr oder weniger schwaches Echo in ihren vier wilden Kindern hervorrief. Unser Bus hielt auf einem Parkplatz, der wie eine große gerodete Stelle im Wald wirkte – keine Pflasterung und Asphaltierung wie heute, nur nackte Erde – wir stiegen aus und folgten einem nur spärlich ausgetretenen Pfad zum See mit seinen verschilften und verschlammten Ufern. Vor der Reise hatte mir meine Mutter viel von der einstigen Pracht erzählt, aber leider deckte sich all das kaum mit dem, was sich meinen Blicken darbot. Umherspähend war ich verunsichert und enttäuscht. Musste ich diesen See großartig finden? Aus dem See ragten Inseln, von Gestrüpp überwuchert, auf einer davon erhob sich eine traurige kleine turmartige Ruine und mich überkam das unsägliche Gefühl des Verlusts, den ich schon immer zu tragen hatte.
Wir waren im Münsterland nicht zuhause, unsere wahre Heimat war hinter einem eisernen Vorhang für uns unerreichbar und unwiederbringlich verloren gegangen. Weit im Osten lag das schlesische Paradies mit fast feudalem Landgut, das nun zu Polen gehörte. Meine ganze Kindheit hindurch hatte ich den herzzerreißend wehmütigen Erinnerungen meiner Mutter gelauscht und mir vorgestellt, dass mir ein Leben entgangen war, das exakt dem glich, was mir der Film „Ferien auf Immenhof“ vorgaukelte. Das war das wahre Leben, dass wir Kinder wochenlang nachspielten. In Ermangelung der Ponys ritten wir auf Ackergäulen und Kühen und trieben sie über die Weiden, bis sie uns abwarfen.
Und etwas hatte ich aus den Erzählungen meiner Mutter fürs Leben gelernt: Mich hier im Westen auf ewig fremd zu fühlen. Da passt es doch nur zu gut, dass ich nun in Steinfurt wohne, in diesem Phantomort, hervorgegangen aus der Gemeindereform von 1974, als man dachte, es sei möglich, mittels ein paar Unterschriften aus zwei Orten (Burgsteinfurt und Borghorst) einen zu machen. Mit diesen Unterschriften war das Phantom Steinfurt geboren.

In einem Phantom zu leben, stimmt mich heute heiter. Wohlgemut schaue ich mich um. Der See bildet einen glatten Spiegel, laut trötend jagen sich Kanadagänse knapp über der Wasseroberfläche dahin, Enten quaken dazwischen, aus dem Wald klingen die melodischen Stimmen der kleinen Vögel herüber, sie liefern die Oberstimmen in diesem Frühlingschor; die mächtigen Stämme der alten Bäume mit ihren ausladenden Kronen bewirken eine Akustik, die der einer Kathedrale nicht nachsteht. Selbst der kleinste Sänger wird hier zum Opernstar.
Die einstige barocke Pracht des Bagno konzentriert sich heute in der anmutigen Konzertgalerie (erbaut 1773/74), die wie eine Perlauster ihre eigentliche Kostbarkeit im Innern hütet. Hinter türkisfarbenen Klappläden verborgen schlingen sich stuckweiße Rokokoornamente über die Decke, Kristalllüster entzünden kleine Feuerbrände auf goldenen Ranken. Kostbare antike Spiegel gäben das Draußen – wären nur die Läden geöffnet – wunderbar verwandelt wieder und würfen das Bild nochmal zurück im verspielten Sinn des 18. Jahrhunderts. Ich glaube nicht, dass mir dieses Gebäude damals aufgefallen ist. Der Konzertsaal hat lange Jahre ein tristes Dasein als Kornspeicher und Lagerhalle für Gerümpel geführt, bevor jemandem dämmerte, dass die vom Zahn der Zeit angefressene Schönheit einen nicht mit Geld zu beziffernden Wert hat. Geld ist dann schon geflossen, viel Geld, um all die Vernachlässigung rückgängig zu machen.
Die nun hübsch gepflegten Pfade rund um den See mit seinen Inseln und herrlich komplizierten Brücken sind heute gespickt mit Tafeln, die die früheren Lustbarkeiten dokumentieren. Dazu gehörte die Tonne des Diogenes, ein chinesischer Salon, eine prächtige Moschee, Wasserkaskaden, die aus beträchtlicher Höhe in ein Schiff plätscherten und … ein Badetempel, in dem es sich der damalige Schlossherr mit seinen erlauchten Damen bei leiser Musik im wohltemperierten Wasser wohlsein ließ. Gab es damals Badekostüme? Schwer zu glauben. Das 18. Jahrhundert war dem Baden zutiefst abgeneigt, wer badete, lautete die allgemeine Überzeugung, zeigte grenzenlosen Leichtsinn, große Dummheit, wenn nicht gar Hybris und spielte mit seinem Leben wie einst Dädalus, der meinte, mit ein paar zusammengeklebten Federn fliegen zu können. Da musste ein richtiges Badehaus mit einem hüfttiefen kleinen Schwimmbecken so außergewöhnlich gewesen sein, dass sich der Name Il Bagno (italienisch für „das Bad“) bis heute für das ganze Parkgelände gehalten hat.
Aber den Park lasse ich nun hinter mir, und radele zurück über die Große Allee auf Burgsteinfurt zu.



Schloss Steinfurt
Burgstrasse 16
48565 Steinfurt / Burgsteinfurt

Das Schloss befindet sich heute noch im Besitz der Familie zu Bentheim und Steinfurt und wird als Wohnsitz genutzt. Eine Innenbesichtigung, wie auch die Besichtigung des Unter- und Oberhofes sind nicht mehr möglich.



Rathaus
Emsdettener Str. 40
48565 Steinfurt

Huck-Beifang-Haus
Hahnenstr. 8
48565 Steinfurt-Burgsteinfurt



Stadtweinhaus (Stadtbücherei)
Markt 19
48565 Steinfurt



Hohe Schule (heute Volkshochschule und Musikschule)
An der Hohen Schule
Steinfurt

Große Kirche
Friedhof 41
48565 Steinfurt

Kreislehrgarten Steinfurt

Wemhöferstiege 33
48565 Steinfurt

Öffnungszeiten:
Der Kreislehrgarten ist ganzjährig von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang geöffnet. Einzig der Obstgarten ist während der Erntezeit geschlossen.
Obstverkauf:
Der Obstverkauf findet von August bis Dezember während der Dienstzeiten statt.

Webseite

Burgsteinfurt

Jede Stadt braucht ein ansehnliches Entree, damit sich der Besucher willkommen fühlt und willens ist, der Verführung, die der Ort für ihn bereithalten mag, zu erliegen. Es wird nicht allzu viele Orte geben, deren Entree malerischer als das von Burgsteinfurt daherkommt. Am besten halte ich erst einmal an und lasse das Panorama auf mich wirken. Die Schlossmühle rechts könnte direkt aus Dinkelsbühl oder Rotenburg an der Tauber importiert worden sein. Das Schloss enthebt sich in seiner malerischen Grandezza jeglicher Beschreibung und über dieser Pracht grüßen die Türme von Rathaus und Hoher Schule.
Burgsteinfurt, sollte man wissen, war jahrhundertelang die Residenzstadt eines Reichsgrafengeschlechts, das über eine anscheinend recht wohlhabende Grafschaft gebot, sonst hätte sich das damalige Oberhaupt die Lustbarkeiten des Bagno nicht leisten können. Erst 1806 war Schluss mit der souveränen Herrschaft, zum Trost wurden die Reichsgrafen zu Bentheim und Steinfurt zu Fürsten erhoben. Ist das nicht wunderbar romantisch? Im Schloss, das vom Bagno aus so trutzig, alt, ehrwürdig, um nicht zu sagen märchenhaft wirkt, wohnt noch immer ein echter Fürst!
Die stattlichen Häuser am Markt, an der Wasserstraße und in der vorderen Kirchstraße sind alle in den Glanzzeiten der Grafen errichtet worden, das Rathaus ahmt angeblich das Münsteraner nach – nur eine Nummer kleiner, zierlicher, behaglicher, so beherrscht es hier den Markt. Das gotische Rathaus ist heute Kulisse, da tagt kein Rat mehr, auch das Huck-Beifang-Haus mit seiner beeindruckenden Renaissance-Fassade ist Kulisse und war es schon immer (und ist heute Sitz des Kunstvereins, der es für Ausstellungen nutzt), es hat nie zu Wohnzwecken gedient, sondern nur als unübersehbares Zeichen von Reichtum. Alles ist großes Theater im Kleinen.
Da macht es Sinn, sich dem wirklich Kleinen und Bescheidenen zuzuwenden: Straßen wie der Bütkamp und die hintere Kirchstraße oder die Citadelle (dort lag die Keimzelle der Stadt), die vom Markt ihren Ausgang nehmen. Sie sind von Ackerbürgerhäusern gesäumt, in denen schon lange keine Ackerbürger mehr hausen, die hinten im Hof eine Kuh, ein Schwein oder wenigstens ein paar Hühner halten. Aber das ist nicht ganz richtig. Noch vor ein paar Jahren wurde ich mit meinem Auto in der Kirchstraße gelegentlich von einem kleinen, fast schon museumswürdigen Trecker aufgehalten, auf dem ein altes Ehepaar saß, das mit einem Anhänger wie selbstverständlich die noch sonnenwarme, duftende Heuernte einbrachte. Ich habe sie schon lange nicht mehr gesehen, diese letzten Ackerbürger Burgsteinfurts, aber dem Vernehmen nach sollen sie noch immer ihre Hühner halten.
Burgsteinfurt gilt von alters her als Stadt der wohlhabenden Beamten und dieser Beamtenstatus erhob es über Borghorst, denn in Borghorst lebte das Volk der Arbeiter, auf das die gräflichen Beamten herabblickten.
Heute sind die meisten dieser kleinen Häuser in Burgsteinfurt pittoresk herausgeputzt und dadurch der einstigen Bedeutung enthoben. Dennoch empfehle ich jedem, der herkommt, genussvoll durch die kleinen Seitengassen von Markt und Wasserstraße zu schlendern und mit offenen Augen wahrzunehmen, was aus dem Kleinen und Bescheidenen geworden ist: Zum Glück ist nicht alles aufgehübscht, hier und da bröckelt noch der Putz.

In Schlesien bin ich inzwischen zweimal gewesen. Das Merkwürdigste war, dass es dieses sagenhafte Landgut, dieses verlorene, halb feudale Familienerbe, das mir so lange als Klotz auf der Seele lag, tatsächlich gab. Alles war unbestreitbar da: Das Haus, die riesigen Viehställe, der Stumpf der uralten Femelinde - oder war es eine Eiche? Erst war ich glücklich, dann erleichtert. Und auf einmal war der Mythos entzaubert. Man kann auch die eigene Unbehaustheit – meine schleppte ich ja von Geburt an mit mir herum – als Mythos enttarnen.
Und das Schönste: Die Landschaft rund um den Ort Frankenstein in Schlesien ist hügelig und parkartig und stimmt versonnen – ganz wie das Münsterland.

Nun wird es aber Zeit, nach Borghorst zu radeln, ich bin noch in der Kirchstraße und gar nicht weit gekommen. Da rechts befindet sich ein Haus mit maroden Fenstern, bröckeligen aufgerissenen Wänden und malerisch eingesunkenem Dach im Koma, während an seiner Flanke ein Garten in Töpfen erblüht. Wie wunderbar! Noch ehe ich mich versehe, treibt es mich gleich links um die Ecke in den Katthagen, meine Reifen schlingern über altes, sehr altes Kopfsteinpflaster. Ich halte erst an, als ich ein Auto erblicke, ausgestellt als Objekt kunstvollen Verfalls vor einem wunderbar düsteren alten Haus. Zweifellos hat mich der Bagno-Graf durch seine Ruine im See zu diesem Abstecher zu Burgsteinfurter Ruinen inspiriert. Als Kind habe ich nicht begriffen, wie man eine Ruine erbauen kann! Heute weiß ich: Für Romantik muss man alt genug sein.
Jetzt lasse ich mich ein wenig treiben, radele gemächlich zurück auf den Marktplatz und bis zum Stadtweinhaus mit seiner barocken Fassade, wo nun die Stadtbücherei residiert, und trete ein, um rasch einen Kaffee zu trinken. Man kann hier im Oberstock in alten und frischen Zeitungen blättern oder über die Stadtgeschichte brüten, Bücher dazu gibt es genug. Dienstag- und freitagvormittags findet direkt vor dem Haus der Markt statt. Ein kleiner Markt, viel kleiner als in Münster, aber ich möchte ihn nicht missen. Natürlich wird nicht nur mit Gemüse, Obst, Käse, Wurst und Fisch gehandelt, der Markt bietet auch eine Nachrichtenbörse und Gerüchteküche, aufopferungsvollen fairen Handel an Sonderständen, und biologisch Wertvolles und nicht so Wertvolles.

Gestärkt steige ich wieder aufs Fahrrad, biege links ab, und gleich danach rechts, radele weiter, bis die Hohe Schule vor mir auftaucht und gleich gegenüber das Stadtmuseum. Der Bagno-Graf lenkt mich noch immer. Das schönste im Stadtmuseum ist neben der alten Bibel und dem bunt bemalten Reichshumpen das Modell der barocken Bagnoanlage, zusammen mit den alten Stichen an den Wänden, die die vielen Lustbarkeiten zeigen. Und hier überfällt mich die Erkenntnis, dass dieses Bagno wegweisend für Disney-Land in Florida gewirkt haben musste: So schön, so abwechslungsreich, so unterhaltsam!
Stadtgeschichte hat schon ihren Reiz, nicht nur für Einheimische, nein, noch mehr für die Fremden, die die alten Zeiten, zusammengeschoben in wenigen Räumen, wie unter einem Brennglas studieren können. Dabei wird uns listig vorgeführt, wie die Geschichte uns alle zu Marionetten macht, die an unsichtbaren Fäden geführt werden.
Nach dem Abstecher ins Museum radele ich durch die Türkei (Ja, das Sträßchen heißt wirklich so!) zurück in die Kirchstraße, es ist ja nicht weit bis dahin. Kurz bevor sie in die größere Straße nach Horstmar einmündet, ragt rechts von mir die Große Kirche auf: mächtig, trutzig und überaus heiter; mitten im Grün gelegen, flankiert von riesigen Walnussbäumen, eine kleine Idylle, eine selige Insel des Friedens, die den Unkundigen nicht ahnen lässt, was für Kämpfe jahrhundertelang um sie entbrannt waren im wahnwitzigen Streit der Religionen. Der Lettner ist sehenswert, er ist einer der ältesten im Münsterland.

Jetzt aber nach Borghorst! Nur vorher noch schnell in den Kreislehrgarten. Er ist mir in dreißig Jahren sehr, sehr ans Herz gewachsen, dieser Garten, der sich bescheiden „Lehrgarten“ nennt, nicht botanischer Garten, obwohl sich auch hier beinahe an jedem Blümchen ein Schildchen findet. Allerdings bemerken die Schlaumeier unter uns, dass einige Schildchen schon länger in der Erde stecken als die Blümchen, auf die sie verweisen. Die gibt es längst nicht mehr, nicht an dieser Stelle.
Lustgarten wäre die zutreffendste Bezeichnung für den Kreislehrgarten. Im Frühjahr ist er am schönsten, wenn tausende von Zwiebelblumen blühen, jede Woche andere, jede Woche eine Überraschung, und man bangt um die Magnolien, ob sie der Frost dieses Jahr verschont. Oder ist es doch im Sommer schöner, wenn sich Ramblerrosen die Bäume hinaufranken und Blütenschäume über die Zweige legen, während die Frösche in den zwei Teichen lauthals quaken? Und dann der Duft, der atemberaubende Duft des Sommers! Da werden Träume vom Süden wach, wenn die Minzen mit Thymian, Lavendel und Rosmarin große Duftorgel spielen und die Rosen abgeschlagen daneben stehen.
Im Herbst reifen die Birnen und Äpfel in Augenhöhe und Handnähe (Boskop) und man darf sie doch nicht pflücken! Im Winter beruhigt sich alles, die Beete verschwinden unterm Laub, Stille kehrt ein, und an frostigen Tagen spinnt ein bisschen Eis ein Kristallnetz zwischen abgestorbene Halme.



Heinrich-Neuy-Bauhaus-Museum
Kirchplatz 5
48565 Steinfurt
Website

Öffnungszeiten
Mittwoch - Freitag: 11.00 - 17.00 Uhr
Sonntag: 11.00 - 17.00 Uhr und nach Vereinbarung


Borghorster Heimatmuseum
Münsterstr. 7
48565 Steinfurt
Website

Besichtigungen jeden 2. Sonntag im Monat von 15:00 Uhr bis 17:30 Uhr, Sowie für Gruppen nach Vereinbarung geöffnet. Der Eintritt ist frei. Diverse Veranstaltungen (Veranstaltungskalender)

Ehemaliges Stiftsdamenhaus
Kirchplatz 5
48565 Steinfurt

St. Nikodemus
Kirchplatz
48565 Steinfurt

Websäle

Borghorst

Jetzt aber endlich, endlich nach Borghorst! Aber auf welchem Weg?
Variante eins: Ich könnte quer durchs Bagno radeln und weiter über den Buchenberg, beide zusammen bilden sozusagen die Pufferzone zwischen den Städtchen. Der Buchenwald am Buchenberg ist die ungezähmte Seite des Bagno. Hier verläuft sich der, der sich nicht auskennt, stundenlang. Hier ist Fledermausgebiet. Die unheimlichen Tierchen hausen im Verborgenen im feuchten Gemäuer eines alten Eiskellers unter einem kleinen Hügel und treiben natürlich nur nachts ihr Unwesen: In der Dämmerung schwirren sie zu Hunderten hinaus und besuchen ihre Verwandten, die Quartier in der Ruine im Bagnosee bezogen haben. Sollte man sich vor ihnen fürchten? Unbedingt!
Im Herbst sieht man hier gelegentlich tief gebückt durchs Unterholz schleichende menschliche Gestalten. Sollte man Angst vor ihnen haben? Vielleicht.
In alten Wäldern wie dem am Buchenberg habe ich mich als Kind oft herumgetrieben, ich habe ja eine ganz ländliche Kindheit hinter mir und die Erinnerung wird wach, sobald ich in einen ordentlich urwüchsigen Wald eintauche. Ja, ich weiß, was die scheuen Gestalten hier suchen: Jeder von ihnen hat bestimmt seine geheimen Stellen, an denen die besten Maronen wachsen. Und dann die Aussicht! Sobald man den Waldsaum erreicht hat, eröffnen sich wunderbare Sichten ins Münsterländer Bauernland, auf alte Höfe und Wiesen, auf denen tatsächlich noch Vieh steht. Und die typischen Kopfweiden? Die sucht man hier vergeblich. Als Kinder haben wir in hohlen alten Kopfweiden wüst gehaust, von dort aus untereinander Krieg geführt, uns versöhnt, Feuer gelegt, Kartoffeln gebraten und nicht gewusst, dass wir es mit einem Naturdenkmal zu tun hatten. Es gibt sie hier und dort noch im Münsterland, die Kopfweiden, sorgsam gepflegt von extra dafür gegründeten Fördervereinen.
Variante zwei: Wer speziell auf Landschaft und Natur aus ist, sollte vielleicht besser über die Radbahn von Burgsteinfurt nach Borghorst radeln, auch wenn die Bahn eher an Borghorst vorbei als direkt dorthin führt, man muss halt an der richtigen Stelle abbiegen. Die Radbahn führt über eine alte Bahntrasse und wenn ich ihr folge, radele ich sozusagen mitten durch einen landschaftlichen Hinterhof: Der Weg schneidet beinahe schnurgerade durch Wälder, führt knapp an Wiesen vorbei; Tümpel tauchen auf, ungepflegte Bäche, halb verborgen im Unterholz, der Weißdorn knispelt, alter Hopfen rankt über ganze Buschreihen, im Bauerngarten blühen in sauberen Reihen schon die Osterglocken.

Endlich in Borghorst angekommen! Borghorst hat zwei Museen, während Burgsteinfurt ja nur eins aufzuweisen hat. Das Borghorster Heimatmuseum hat ein Café, das die Besucher wegen der hausgemachten Kuchen sehr schätzen, das Burgsteinfurter Stadtmuseum hat keins.
Kann das ein Grund für Animositäten sein? Möglicherweise. Städtefeindschaften gibt es ja viele, Städtefreundschaften auch, wobei die befreundete Stadt sich in aller Regel weit entfernt befindet, die befeindete dagegen ganz in der Nähe, das beflügelt die Feindschaft, sie lässt sich so viel effektiver pflegen. Gelegentlich sind Feindschaften auch viel nützlicher als die Freundschaften. Graf Arnold IV, der einstige souveräne Herr über die hiesige Grafschaft, hat aus purer Abneigung gegenüber der Münsterschen höheren Lehranstalt, der von Jesuiten okkupierten Lateinschule Paulinum, in Burgsteinfurt eine evangelische Hohe Schule gegründet. Aus der ist viel später das Gymnasium Arnoldinum erwachsen. Hätte Graf Arnold, wenn er wie seine Vorfahren katholisch geblieben wäre, eine eigene Hohe Schule gegründet, auf der die Söhne der Stadt Theologie (nur evangelische!), Jura, Medizin und Philosophie und etwas Sternenkunde studieren konnten? An dem schönen Gebäude mit seinen bemerkenswerten, von barocken Hauben gekrönten zwei Türmen bin ich ja vorhin vorbeigeradelt, seit einigen Jahren residiert die Volkshochschule darin.

Früher habe ich mir gewünscht, in der Großstadt zu leben, am liebsten in München. Jetzt bin ich jedes Jahr ein- oder zweimal für einen Kurzbesuch dort und kann mir nicht mehr vorstellen, in dieser riesigen Stadt zu wohnen. In Berlin auch nicht. Nicht mal in Amsterdam, obwohl Amsterdam wegen der Grachten schon sehr verlockend wäre.
Vielleicht ist es eine Sache des Temperaments, ob man es schätzt, in einer Traube von wenigstens fünfzig Menschen mehr oder weniger genervt zu versuchen, einen Blick auf Raffaels berühmte Madonna in der Dresdner Gemäldegalerie zu werfen und festzustellen, dass die Farben noch eine Nuance anders sind als auf den einhundertdreiundvierzig Abbildungen, die man bereits kennt, oder ob man es vorzieht, dass einem das ganze Museum, in dem man gerade kontemplativ gestimmt herumwandelt, beinahe allein gehört – wenigstens für eine Stunde.
Wer das Heinrich-Neuy-Bauhaus-Museum in Borghorst betritt, muss nicht in Gedanken an die Liste von Sehenswürdigkeiten, die es später noch abzuarbeiten gibt, durch die Ausstellung hetzen. Zeit sollte man schon mitbringen, die innere Ruhe stellt sich dann ganz von allein ein.
Von vorn präsentiert sich der Bau hübsch schlicht, an der Rückfront hat der Bauhausstil nachgewirkt: viel, viel Glas, das den Blick in den Garten eröffnet und auf den großen Baum, der den Garten beherrscht. Man kann das in aller Stille genießen, dieses Wechselspiel von Natur und Kunst. Und innen an den Wänden gibt es das zu sehen, was nicht schon tausend Abbildungen wiedergegeben haben.
Nach der Bauhausmoderne (inklusive einer aufmunternden Tasse Kaffee im Museumscafé) will ich die paar Meter zum Heimathaus radeln und zwischen alten Töpfen und Pfannen und gehäkelten Deckchen der Nostalgie frönen und Kommentaren lauschen, die sich wiederholen. Der am häufigsten gehörte Satz dürfte (in einigen Variationen) folgender sein: „Meine Oma hat genau das gleiche Geschirr (Tischtuch, Sofa), ich wusste gar nicht, dass man so was in ein Museum stellen kann.“
Anschließend würde ich gern im Museumscafé Kaffee trinken. All den klein- und gutbürgerlichen Kram aus vergangenen Zeiten noch gut vor Augen, würde ich über die Stadt-Geschichte nachdenken und vor allem die große Feindschaft. Lag der Grund des jahrhundertealten Zwistes zwischen zwei Nachbarörtchen tatsächlich nur darin begründet, dass die einen ausschließlich mit Blech- und die anderen mit Silberlöffeln aßen?

Aber da gibt es noch die Geschichte des Stifts, eines adeligen Damenstifts in Borghorst (vermutlich im 13. Jh. gegründet), das unter die Herrschaft der steinfurt-bentheimschen Grafen geriet, die als Vögte über das Stift gesetzt wurden. Ich hätte nachlesen sollen, was darüber im Stadtmuseum auf Tafeln festgehalten ist. Übrig geblieben ist vom Stift ein schöner Garten, der einen Rundgang wert ist. Und vorher sollte ich, direkt gegenüber vom Heinrich-Neuy-Bauhausmuseum, einen Blick in St. Nikodemus werfen. Ursprünglich war die Kirche die Kapelle des Damenstifts. Hinter der Kirche reifen im Oktober Walnüsse.

Seit ich erkannt habe, dass in einer kleinen Stadt auch der Zugereiste bald teilnimmt am allgemeinen Theater, der wahrhaften Problem- und Lustbühne des Lebens, hat die Großstadt für mich an Reiz entschieden eingebüßt. Um nach dreißig Jahren dazu zu gehören, fehlt mir nur noch der innere Widerhaken der alten Feindschaft. Aber mit dem muss man wohl geboren sein.

Und was nun? Links die Straße vom Neuy-Museum einige Meter weiter und um die Ecke herum liegen beeindruckende alten Websäle, vor denen die Brennnesseln gut gedeihen. Diese Websäle – heute nur noch Ruinen – zeugen von dem einstigen Reichtum Borghorsts, den die Textilindustrie dem Ort im 19. und 20. Jahrhundert beschert hat und der bestimmt Neid bei den Burgsteinfurtern hervorgerufen hat, bevor die Konkurrenz in Fernost den Niedergang eingeleitet hat.
Ach, dieses wohl geliebte Steinfurt! Verwaltungstechnische Zwangsgeburt aus Burgsteinfurt und Borghorst, die sich bis heute nicht wirklich zu einer Stadt vereint fühlen.

Haus Loreto (Kloster)

Haltern 72A
48612 Horstmar - Leer

Webseite

Nur die Landschaft ringsum bildet eine Klammer. Vom Seller Esch, dem hügeligen, huckeligen Norden mit großen Höfen unter großen Bäumen und dem hellen Auge des Seller Sees, nach Westen, wo im Sommer im tiefen, verwunschenen Kiefernwald der Kieferngrundsee mit seinem sandigen Ufer als Badesee lockt oder als Mückenbrutstätte eher Gefahr signalisiert und der Kiefernduft die Sinne berauscht, oder die sumpfigen Drostentannen hinter Loreto (ehrwürdig anmutendes Haus für pensionierte Nonnen mit eigenem Friedhof) meilenlange Wege bieten, auf denen man sich zuverlässig verlaufen kann. Hier wechselt Mischwald aus Kiefern und Birken mit Tannenschonungen ab. Schon nach wenigen Metern tiefer in den Wald hinein, hört man Spechte klopfen, der ganze Wald dröhnt davon. Gegen Horstmar, schon auf Borghorst zu, gibt es wieder Hügel, die man mit dem Fahrrad hinaufkeucht, falls der Elektroantrieb fehlt, und Wälder, in denen man den Bärlauch büschelweise findet und gleich daneben die Maiglöckchen. Wohl dem – und seinem Leben – der die Pflanzen zu unterscheiden vermag! Ach, überhaupt die Natur! So schön, so gefährlich, in jedem Wald wachsen im Herbst die Knollenblätterpilze in üppiger Fülle.

Wer Steinfurt genießen will, sollte sich ein paar Tage Zeit nehmen. Es gibt genügend kleine Hotels und Pensionen mit solidem ländlichem Charme und moderaten Preisen, das Touristeninformationsbüro am Markt ist bei Auswahl und Buchung gern behilflich (02551/1383). Wer nur einen Tag Zeit hat, sollte morgens in Burgsteinfurt beginnen, die Altstadt erkunden, mit dem Auto zum Bagno-Parkplatz (an der alten B 54 stadtauswärts den Hinweisschildern folgen) fahren, den See umrunden, in der Bagno-Gaststätte eventuell zu Mittag essen (mit Blick auf den See) und den Nachmittag in den Museen (so sie geöffnet sind) und netten Einkaufsgassen in Borghorst verbringen.Wer mehr Zeit erübrigen kann, sollte sich kleine Touren in Borghorst, Burgsteinfurt und in die Umgebung überlegen – dafür bietet meine Ortserkundung ja eine Menge Anregungen.