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Prousts Erben – Großprojekte autobiographischer Prosa III / Chronisten des Alltags

Donnerstag, 30. November 2017

20:00 UHR

Marcel Proust

Veranstaltungsort

Literaturhaus Berlin

Fasanenstr. 23
10719 Berlin
Tel.: 030-887286-0
literaturhaus(at)literaturhaus-berlin.de
www.literaturhaus-berlin.de

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Eintritt: 5.- / 3.- EURO

Details

Matthias Kniep spricht über J.J. Voskuil, Lothar Müller über K. O. Knausgård und Michael Rutschky über Gerhard Henschel. Moderation: Nadja Küchenmeister
Maarten Koning, der Held in J.J. Voskuils monumentaler Romanreihe "Das Büro", arbeitet als wissenschaftlicher Beamter in einem Institut für Volkskunde. Der Leser erfährt nicht nur Wissenswertes über Wichtelmännchen und Brummtöpfe, er begegnet auch fragwürdigen Kollegen, nimmt an ergebnislosen Sitzungen teil und begibt sich auf ausgedehnte Dienstreisen. In den Niederlanden wurde diese kühne und aufregende Romanreihe ein goßer Erfolg. Mit seinen knappen Schreibtischdialogen, lakonischen Schilderungen von Arbeitsabläufen und einem bitterbösen Gespür für die komischen Aspekte des Bürolebens trifft J.J. Voskuil den Nerv unserer arbeitswütigen Zeit.
Der norwegische Schriftsteller Karl Ove Knausgård hat sich vorgenommen, nicht weniger als sein Leben zu erzählen: von den großen Gedanken über Kunst und Literatur bis zu Erektionsstörungen, Alkoholabstürzen und langweiligen Kindergeburtstagsfeiern. Dabei soll die Form der Erzählung nicht länger im Weg stehen, schließlich kennt das Leben ja auch keine Form. Oder vielleicht doch? Lässt sich das Leben erzählen, wie es ist, oder bleibt es nicht doch immer nur das, was wir uns davon erzählen? Schonungslos geht Knausgård mit den realen Personen seines Lebens, aber auch mit sich selbst um. Nicht zuletzt deshalb wurde er mit seiner sechsbändigen Romanreihe zum international gefeierten Literaturstar.
Mit dem Briefroman "Die Liebenden" setzte Gerhard Henschel seinen Eltern ein berührendes Denkmal. Doch Halt! Handelte es sich nicht eigentlich um Martin Schlossers Eltern, der, seit dem 2004 erschienen "Kindheitsroman", in bislang sieben Büchern vom Kind zum jungen Mann herangewachsen ist? Was wird aus einem, der eine vermeintlich ereignislose Kindheit im emsländischen Meppen vorzuweisen hat? Fortan wird die literarische Welt bevölkert von den Dingen und Personen, die Martins Leben ausmachen, und immer auch ein wenig unseres. Wir lesen mit ihm noch einmal die Bücher, die er las, hören die Platten, die er hörte, sehen unzählige Fernsehserien und Fußballspiele, ziehen mit ihm nach Bielefeld und Berlin und verlieben uns. In seiner Erzählweise verneigt sich Henschel vor dem großen Walter Kempowski, ohne ihn dabei zu kopieren, er sammelt und collagiert und erzählt eindringlich und unaufgeregt von dem, was Leben war, was Leben ist.

Veranstalter