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Gedicht und Körper. Die unseligen Könige der Maladen

Dienstag, 11. Dezember 2018

19:00 UHR

Gestaltung (c) studio stg

Veranstaltungsort

Haus für Poesie

Knaackstr. 97
10435 Berlin
http://www.haus-fuer-poesie.org

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Eintritt: 6/4€ Karten an der Abendkasse

Details

Lesung & Gespräch mit Paul-Henri Campbell, Autor, Montabaur | Martina Hefter, Autorin, Leipzig | Moderation: Tobias Lehmkuhl, Kritiker, Berlin

Der dritte Abend der Reihe Gedicht und Körper widmet sich der Krankheit im Gedicht. Wie lebt es sich als Kranker in einer Gesellschaft, die das Leben vom Standpunkt des Gesunden aus betrachtet? Dieser Frage gehen zwei der bemerkenswertesten Lyrikbände der jüngsten Zeit nach.

Paul-Henri Campbell schreibt in nach den narkosen (Verlag Das Wunderhorn 2017) über seine angeborene Herzinsuffizienz. Diese Krankheit ab ovo nennt er eine „Schändung ohne Urheber“, gegen die er mit seinen Gedichten revoltiert. Es ist die Literatur eines Gebissenen. Im buchstäblichen Sinne nach innen geht der Weg dieser Dichtung. Campbell betritt „subkutanes interkostales Terrain“, entblößt das kranke Herz „im köcher der zwölf rippen“. Beschworen werden die Atmosphäre im Aufwachsaal, die postoperativen Nächte und das Geräusch der Maschinen neben dem Bett, die die Vitalparameter messen.

Die Dichterin Martina Hefter ist auf andere Art eine Gebissene. In ihrem Band Es könnte auch schön werden (kookbooks 2018) schreibt sie über das Dahinsiechen ihrer Schwiegermutter (im Buch verschliffen zu „Schwermutter“) in einem von Teufeln bevölkerten Altersheim. „Das Zimmer, das Bett, das Atmen, das Aufhören“, das sind die Realien eines Textes, den Hefter als Lehrstück bezeichnet. Gleichzeitig ist es ein Gedicht über die Übung zu sterben, über das Aufspüren „winziger Durchschlupfe zum Totenreich“ und darüber, was es bedeutet, ein guter Mensch sein zu wollen.

Zu dieser Veranstaltung bietet das Haus für Poesie eine Lyrikwerkstatt an. Die Lyrikwerkstatt SelbstVERSuche Aufgeschürfte Knie und zerschrammte Herzen. Zeigt her eure Wunden! findet am 12.12. von 17–20 Uhr im Haus für Poesie statt. Der Workshop richtet sich an alle von 18–99 und wird geleitet von der Dichterin Martina Hefter.

 

 

 

 

Veranstalter