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Brecht-Tage 2019. Probleme der Kommunikation zwischen Theater und Politik, zwischen Geschichte und Gegenwart

Donnerstag, 14. Februar 2019

20:00 UHR

© Irina Rastorgueva

Veranstaltungsort

Literaturforum im Brecht-Haus

Chausseestr. 125
10115 Berlin-Mitte
Tel.: 030 - 28 22 003
Fax.: 030 - 28 23 417
info(at)lfbrecht.de
www.lfbrecht.de

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Eintritt: 5,- € / ermäßigt: 3,- €

Details

>Brecht-Tage 2019<

Gespräch mit Videoeinspielung

Probleme der Kommunikation zwischen Theater und Politik, zwischen Geschichte und Gegenwart

 

Mit Vettka Kirillova und Fabiane Kemmann

 

Heute steht Brecht auf dem Spielplan vieler russischer Theater. Was diese Inszenierungen ausmacht, hängt mit der Frage zusammen, wie politisch das gegenwärtige Theater in Russland ist. Denn die Abkehr vom klassischen, psychologischen, dramatischen Theater wird in Russland immer noch als Abkehr vom eigentlichen theatralischen Wesen betrachtet. Ein un- oder postdramatisches Theater ist immer noch eine marginale Erscheinung. Da einige signifikante Texte von Brecht noch nicht ins Russische übersetzt worden sind, beschränkt sich die Rezeption der Brecht-Texte auf das gängige Repertoire, das in die gewohnten traditionellen Theaterformen passt. Der Schlüssel zum Verständnis der Wahrnehmung von Brechts Texten scheint in der Verdrängung des Politischen im russischen Theater zu liegen: es wird bewusst oder unbewusst aus dem brechtschen Stoff ausgeklammert. Es bleibt oft genug nur eine exotische kabarettistische Retro-Hülle übrig, oder die Inszenierung verwandelt sich in eine formalistische Attraktion mit Elementen der revolutionären Avantgarde. Es wäre interessant, den Spuren dieser Verweigerung und Verzerrung des Politischen nachzugehen, die sich auf den Umgang auch mit Brecht auswirken. Es ist möglich, dass auf Russisch bislang unbekannte, fragmentarische oder nichtdramatische Texte von Brecht den Anstoß zum diskursiven Denken im Theater geben könnten. Brecht – als unser Zeitgenosse – stellt die Forderung nach der Repolitisierung des Theaters und provoziert politisches Denken.

Brecht-Freund und Stalin-Opfer Sergej Tretjakow übersetzte Anfang der 1930er Jahre drei Stücke Bertolt Brechts ins Russische. Mit diesen „Epischen Dramen“ wurde 1934 in Moskau „Высшая мера/Die Maßnahme“ herausgegeben. Sergej Tretjakow, den Brecht seinen Lehrer nannte, übersetzte den deutschen Titel mit „Ein Höheres Maß“ beziehungsweise „Höchstmaß“ und fiel diesem 1939 selbst zum Opfer. Das Stück wurde nicht wieder aufgelegt, eine der vielleicht interessantesten Übersetzungen Brechts ging verloren. Nachdem sie 2016 in Brechts persönlicher Bibliothek gefunden wurde, fand die Uraufführung im November 2018 in Moskau als Kammerversion mit circa 100 Sängerinnen und Sängern statt. Regisseurin Fabiane Kemmann berichtet von Voraussetzungen einer Inszenierung der „Maßnahme“, Premiere und Debatten am Meyerhold-Zentrum, sie spricht über Perspektiven einer Realisierung der originalen Partitur für 300 Sänger in Moskau. Den Vortrag begleitet ein Standbild-Film zur Moskauer Uraufführung mit Fotos von Giampiero Assumma.

 

In Kooperation mit dem Goethe Institut
Präsentiert vom Kulturradio vom rbb

 

 

 

Veranstalter