Hier finden Sie einen Literatur-Veranstaltungskalender und ein Veranstalterverzeichnis für Berlin und Brandenburg.

Kategorienflucht

Freitag, 18. Januar 2019

20:00 UHR

Veranstaltungsort

ORi Berlin

Friedelstr. 8
12047 Berlin
lesebuehne(at)ori-berlin.de
www.ori-berlin.de

Kartenansicht

Details

Svenja Leiber, Nina Bußmann und Lann Hornscheidt lesen aus eigenen Texten und diskutieren

Sind Kategorien unumgehbar? Welche Kategorien schaffen ein
Zugehörigkeits- und Identitätsgefühl? Wann sind Kategorien machtdurchtränkt und ausschließend? Oder sind sie es immer?

In Svenja Leibers "Staub" (Suhrkamp 2018) reist Jonas Blaum, ein suchtkranker Arzt, getrieben von der Frage „Kann ich anders werden?“ zu einem Freund nach Amman – und zugleich in die eigene Geschichte. In Zeitsprüngen erzählt er sein Leben, in den 80er Jahren in Riad, später in Berlin, immer um einen Schmerzpunkt kreisend: sein früh verstorbenes Geschwister. Erst als ihm klar wird, dass dessen Tod vielleicht etwas war, was Blaum als „Kategorienflucht“ bezeichnet, öffnet sich auch für ihn selbst die Möglichkeit, vielleicht die eigene Neuerfindung anzutreten, und zwar auf dem Weg der Sprache.

In "Der Mantel der Erde ist heiß und teilweise geschmolzen" von Nina Bußmann (Suhrkamp 2017) steht die Exotik eines Landes einem vielleicht nicht weniger exotischen Kontinent gegenüber: dem Ich. Nelly, eine Freundin der Erzählerin, kehrt nach einem Flug über der Karibik nicht mehr zurück. Der Roman berichtet von den Nachforschungen nach der Verschollenen, von der weiter und weiter fortschreitenden Eroberung eines fremden Terrains, bis es fast zum eigenen Leben gehört. Aus Frankfurt reist die Ich-Erzählerin nach Nicaragua und betreibt ihre Spurensuche bei Bekannten der Verschollenen, in ihren nicaraguanischen Wohnungen und an den Stationen einer lange schon dauernden Freundschaft. Es gibt in den vielen Geschichten, die über Nelly zu erzählen sind, Indizien, aber gibt es Beweise?

In 'zu Lieben. Lieben als politisches Handeln' (w_orten & meer, 2018) stellt Lann Hornscheidt u.a. die Frage, inwiefern Vorstellungen von Liebe in der Gesellschaft abhängig und enggeführt sind durch diskriminierende Logiken von z.B. Geschlecht. Wo genau verläuft die Grenze zwischen Freund*innenschaften und Liebesbeziehungen? Wann werden Menschen zu 'Familie' und welche Instanzen bestimmen darüber? Warum ist Sexualität ein Ausdruck von Liebe und in welchen Formen ist Sexualität überhaupt denkbar? Dies alles sind unterschiedliche Fragen, die über Kategorien und ihre Wirkmächtigkeit nachdenken und denen in dem Buch teilweise neue Konzepte (und Kategorien?) gegenübergestellt werden.

In dem trialogischen Lesungsgespräch wollen wir uns der Frage von Kategorien, Macht, Identität und Gewalt annähern, ausgehend von eigenen Texten und dem echten Leben.

Veranstalter