Theo Breuer

Steckbrief

geboren am: 30.3.1956
geboren in: Bürvenich/Rheinland
lebt in: Sistig im Nationalpark Eifel

Vita


Theo Breuer, * 1956 in Bürvenich, studiert nach dem Abitur in Zülpich von 1974 bis 1980 Anglistik und Germanistik an der Universität zu Köln, arbeitet literaturprojektorientiert bis 2007 an weiterführenden Schulen in Steinfeld, Wuppertal und Köln. Von 1975 bis 2000 unternimmt er zahlreiche, z.T. ausgedehnte Reisen nach England. Seit 1984 lebt er im Nationalpark Eifel. Breuer verfaßt/montiert in erster Linie Gedichte, Essays und visuelle Poe­sie. Gedichtbücher erscheinen seit 1988, zuletzt Das gewonnene Alphabet (2012) und Scherben saufen (2019), in denen Mrs Columbo, Bensch, Kraus und Peer Quer vierkleeblättrig jagende Suchstabierrollen spielen. Theo Breuer hat mehrere essayistische Monographien zur Literatur im deutschen Sprachraum vorgelegt, darunter Aus dem Hinterland. Lyrik nach 2000 (2005), Zischender Zustand ∙ Mayröcker Time (2017) und Winterbienen imUrftland (2019). Seit dem 20. Dezember 2013 installiert er in Petersburger Hängung zeitgenössische Gemäldegedichte aus dem deutschen Sprachraum ins Rote Haus im Park. --- teil seiner ganzenlebensarbeit ist ja wohl auch, durchübersteigerte ordnung subversive unordnung und verwischung der grenzen zu schaffen (Crauss.)

Aktuelles

Du spürst es nicht, kannst die bis in Fingerbeere, Haarspitze, Pore emp­fundene und am liebsten wortlose ›Be­geisterung‹ für die dialo­gisch polyphonen »sprachlichen Gebilde, die in sich stehen«, wie Gadamer es ins Wort faßt, nicht nach­emp­finden? »Hier spricht die Sprache« · Roland Bar­thes. Und Bensch blickt mich, ein wenig rat­los, an, Kraus mit kühlen Augen, in denen ich die »Unlesbarkeit dieser / Welt« (P.C.) zu erkennen ver­meine. Bin ich also alleingelassen? Oh, nein. Ich lausche Hélène Gri­maud, wie sie, zauberhaft luft­malerisch, Mozarts Klavierkonzert Nr. 19 spielt, und die Augen gehen hin zu dem von Gedicht­büchern einge­rahm­ten Trip­tychon, das, rechts vom Schreibtisch, den Blick immer wieder, ma­gisch, anzieht. ›Vollen­det‹ ist diese kleine »petersburger hängun’« (Thomas Kling), seit A. J. Weigoni (dem ich zudem Gri­maud ver­danke), mir den post­kartenklei­nen apfelsinengelbfarbenen Akt von Haimo Hieronymus schenkte, den ich, im Zusammenspiel mit R. A. Westphals grauem »Schama­nen«, der, naturgemäß, pfeiferau­chend, trommelschlagend im Weltenbaum hockt, und Gunter Lo­renz tieftrau­rigschwar­zem »Stein­kreuz Schmer­zensmann« unmittelbar als Drei­klang erlebe, der mich seitdem, in hellbraunen Rahmen, rund um die Uhr begleitet. – – – »Mach die Augen zu, hör diese Stille«, sagt meine Begleiterin, als wir, an einem Tag im Februar, gegen 14 Uhr, aus dem Wald heraustreten, »ich steh auf den Treppen des Windes« (Rolf Bossert), aber nein, aus­nahms­weise ruht ›das himmlische Kind‹ einmal, und der Blick fließt über viele Kilome­ter hin zum weiten Hori­zont, hinweg über die sanf­ten, weiterhin weißen Weidenhügel, »redefined by the snow and, at the same time, perfected, made abstract, like the world in a blueprint« (J.B.), wo kalthellgrellblauer Himmel und schneebedeckte Erde in meinen Augen zusammenfinden, »a brilliant circle of light« (J.B.), dasz ich blin­zeln musz, heute morgen schreibt Christel Fallen­stein : »Hier liegt auf allem auch schon eine dicke Schnee­schicht – und die Schneeflocken rieseln und tanzen und wirbeln manchmal sogar auf­wärts – Wien hat viel Wind – sogar in diesem völlig um­bauten Innen­hof, in dem mein einziger, nun fast weißer Baum steht«, und ich schließe, augen­blicklang, die Augen und höre das Summen der Stille, für einen Moment zieht sich der Gedanke an Reise durch die Nacht, das ich am Morgen bestellt habe, zu­rück, wir stehen still; schon gehen wir wieder – »Dreifach ist der Schritt der Zeit, / Zögernd kommt die Zukunft hergezogen, / Pfeil­schnell ist das Jetzt entflogen, / Ewig still steht die Vergangenheit« (Friedrich Schiller) –, auf dem­selben Weg, den wir gekommen sind, nach Hause, auf die große Runde verzich­ten wir heute, zu sehr zieht es, was ist ›es‹ (ist es die Zukunft?), mich zurück nach Hause, wo Burn­sides ›sinister‹ »Glister«, das ich seit dem Vor­abend lese, mich ungeduldig erwartet, schweigend gehen wir ne­ben­einander, da fällt mir Tonino Guerra vor die Füße : »Diesen Winter saß ich stun­denlang am Fenster und schaute zu, wie der Schnee fällt«, und indem ich dem fortwährenden Knirschen der kleinen Schritte von Mrs C. und der größeren Schritte von mir lausche, denke ich zum erstenmal, und hätte ich dieses mein Schreiben nicht, Wort für Wort im Rhythmus meiner Schritte vor mich hin­murmelnd, den Ge­danken (wie viele Gedanke denke ich dutzende, hunderte, tau­sende Mal?) : Wir zerstampfen die ›Gegenwart‹, lassen sie, Schritt für Schritt, als ›Vergangenheit‹ hinter uns liegen, ren­nen, blind­lings, in die ›Zukunft‹. Und frage mich hernach, mit Augustinus : »Was also ist die Zeit? Wenn niemand mich danach fragt, weiß ich’s, will ich’s aber einem Fra­genden erklären, weiß ich’s nicht.« In Sophie Reyers Gedicht steht »die ge­zirpte zeit«, und im Garten fliegt, kein Som­merlaub in Sicht, ein Spat­zenschwarm, mitSchneeindenAugen, auf.


(Aus: Zischender Zustand ∙ Mayröcker Time)

Werk

Eigenständige Veröffentlichungen

Veröffentlichungen in Anthologien

Freudenalphabet. Eine Anthologie kommunizierender Poesie

Edition Art Science A-St. Wolfgang2017Lyrik

Moderne deutsche Naturlyrik. Interpretationen

Reclam Verlag Stuttgart2016Essay

HAB DEN DER DIE DAS : Friederike Mayröcker zum 90. Geburtstag

Edition Art Science St. Wolfgang2014Lyrik

Gespräch über Bäume: Moderne deutsche Naturlyrik

Reclam Verlag Stuttgart2013Lyrik

Jahrbuch der Lyrik 2011

Deutsche Verlags-Anstalt München2011Lyrik

Der deutsche Lyrikkalender. Jeder Tag ein Gedicht

Alhambra Publishing B-Bertem2008-2014Lyrik

Der große Conrady. Das Buch deutscher Gedichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart

Artemis & Winkler Düsseldorf2008Lyrik

Kurze Weile. Gedichte in wenigen Zeilen

Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz2003Lyrik

Poetische Sprachspiele: Vom Mittelalter bis zur Gegenwart

Reclam Verlag Stuttgart2002Lyrik

Slam! poetry

Killroy Media Asperg1997Lyrik, Prosa

Wortnetze II. Neue Gedichte deutschsprachiger Autoren

Autoreninitiative Köln1990Lyrik

Dem Meister des langen Atems : Paulus Böhmer zu Ehren

Edition Faust Frankfurt am Main2016

50 Gedichte zum Leben

Das fröhliche Wohnzimmer - Edition Wien2014Lyrik

Stadtlandfluss: 111 Dichterinnen und Dichter aus Nordrhein-Westfalen

Lilienfeld Verlag Düsseldorf2014Lyrik

Haiku hier und heute

Deutscher Taschenbuch Verlag München2012Lyrik

Paragramme

edition ch Wien2011Lyrik

Versnetze. Deutschsprachige Lyrik der Gegenwart

Verlag Ralf Liebe Weilerswist2008 - 2019Lyrik

In höchsten Höhen

Aufbau-Verlag Berlin2005Lyrik

Poesie Agenda

orte Verlag/CH-Schwellbrunn2002-2018Lyrik

Kaltland Beat. Neue deutsche Szene

Ithaka Verlag Stuttgart1999Essay, Lyrik, Prosa

Chimären

Hybriden Verlag Berlin1994Lyrik, Graphik / Künstlerbuch

Einträge im Register der Literaturzeitschriften

Veröffentlichungen in literarischen Zeitschriften

die horen

Wallstein Verlag GöttingenZeitschrift für Literatur, Kunst und Kritik

Konzepte

Neu-UlmZeitschrift für Literatur

Lichtungen

Literaturkreis Lichtungen GrazZeitschrift für Literatur, Kunst und Zeitkritik

Matrix

Pop Verlag LudwigsburgZeitschrift für Literatur und Kunst

Ort der Augen

Dr. Ziethen Verlag OscherslebenBlätter für Literatur

Ostragehege

Literarische Arena DresdenZeitschrift für Literatur und Kunst

Signum

DresdenZeitschrift für Literatur und Kritik

UNI/vers(;)

Halle an der SaaleKünstlerzeitschrift für visuelle Poesie

Freibord

Edition Freibord WienZeitschrift für Literatur und Kunst

Kritische Ausgabe

BonnZeitschrift für Germanistik & Literatur

manuskripte

manuskripte - Literaturverein GrazZeitschrift für Literatur

Muschelhaufen

ViersenJahresschrift für Literatur und Grafik

orte

orte-Verlag CH-RüteggSchweizer Literaturzeitschrift

Poet

Poetenladen LeipzigLiteraturmagazin

Triëdere

WienPeriodikum für Theorie und Kunst

Zeichen & Wunder

Frankfurt am MainZeitschrift für Kultur

Übersetzungen

Admiel Kosman, Aus dem Zwischen des Hohelieds (Aus dem Hebräischen übertragen von Edith Lutz in Zusammenarbeit mit Theo Breuer und Udi Levy)

Pop Verlag Ludwigsburg2019hebräische Lyrik

Richard Burns, Tree / Baum

Edition YE Sistig/Eifel1989englische Lyrik

Richard Burns, Schwarzes Licht

Bunte Raben Verlag Lintig-Meckelstedt1996englische Lyrik

Herausgeberschaften

Hans Bender, Hinter die dunkle Tür. Vierzeiler 2013-2015

POP-Verlag/Ludwigsburg2019Lyrik

Matrix 28. Atmendes Alphabet für Friederike Mayröcker

Pop Verlag Ludwigsburg2012Zeitschrift für Literatur und Kunst

NordWestSüdOst. Gedichte von Zeitgenossen

Edition YE Sistig/Eifel2003Lyrik-Anthologie

Wortrakete. Visuelle Poesie

edition bauwagen Itzehoe2002Anthologie / Künstlerbuch mit internationaler visueller Poesie

Lyrikreihe edition bauwagen: Einzeltitel von Axel Kutsch, Andreas Noga, Frank Milautzcki, Jan Volker Röhnert, Heike Smets, Gerd Sonntag, Jürgen Völkert-Marten, Maximilian Zander

edition bauwagen Itzehoe1999-2007Lyrik / Künstlerbuch

YE N° 1 - YE N° 13

Edition YE Sistig/Eifel1993-2008Kunstschachtel mit Lyrik und Graphik

Matrix 36. Axel Kutsch spannt Versnetze übers Wortland

Pop-Verlag Ludwigsburg2014Zeitschrift für Literatur und Kunst

Matrix 29. Jeder auf seine Art für Hans Bender

Pop Verlag Ludwigsburg2012Zeitschrift für Literatur und Kunst

Lyrikreihe Edition YE: Einzeltitel von Margot Beierwaltes, Joseph Buhl, Marianne Glaßer, Frank Milautzcki, Andreas Noga, Antje Paehler, Maximilian Zander

Edition YE Sistig/Eifel2002-2006Lyrik

Wörter sind Wind in Wolken, VorBild, 2002, Ein Dach aus Laub, Gegen die Schwerkraft der Sinne, In ein anderes Blau, Vulkan Obsidian

edition bauwagen Itzehoe2000-2006Anthologie / Künstlerbuch mit lyrischen Autographen

Faltblatt N° 1 - Faltblatt N° 9

Edition YE Sistig/Eifel1994-2004Lyrikzeitschrift

Lyrik aus der Schreibwerkstatt N° 1 - N° 15

Köln1991-2004Lyrik / Anthologie

Zuletzt durch Theo Breuer aktualisiert: 12.07.2019

Literaturport ID: 1815