Leselampe

Buchempfehlung der Woche

von duotincta (Berlin)

Die duotincta ist Verlag, Plattform und Gemeinschaft zugleich. Als Verlag veröffentlichen wir ausschließlich Gegenwartsliteratur. 100% Literatur! lautet das Motto.
Wir machen als unabhängiger Verlag, ohne Konzern- und Marktzwang, mit vier Publikationen jährlich ein überschaubares, anspruchsvolles und unterhaltsames Programm zugänglich, um damit die Pfade der vorherrschenden, ewiggleichen und algorithmengesteuerten Buchlandschaft mit aller Kraft, allem Enthusiasmus und mit der Unterstützung unserer Leser zu verlassen. Hierbei setzen wir auf engagierte Autoren, unabhängige Buchhändler und mündige, neugierige Leser, die jenseits der Konvention lesen möchten.

Moritz Hildt
Alles
(Roman), duotincta, Berlin 2020

Dies ist die Geschichte von Helen, meiner Frau, und von Jeremy, der eigentlich Ferdinand Mosbacher hieß, Helens erster Ehemann war, dann verschwand und für viele Jahre alle glauben gemacht hatte, er sei tot, bis er an einem regnerischen Oktobertag in unserem Café auftauchte und damit das schmucklose, beständige Leben, das Helen und ich uns gemeinsam aufgebaut hatten, durcheinanderbrachte.

Ich nehme an, es ist auch meine Geschichte.

Und doch verstehe ich meine eigene Rolle darin am wenigsten. Vielleicht geht einem das immer so, wenn man aufs eigene Leben blickt. Vielleicht könnte Jeremy mehr dazu sagen. Jeremy, der eigentlich Ferdinand hieß. Aber das ist wohl auch egal.
Jetzt, wo er tot ist.


Ein kleines Café an der Ostsee. Eine Insel, die zwar genau genommen keine ist, auf der Lukas Seeger aber mehr als zufrieden ist mit seinem ruhigen, gleichförmigen Leben. Als der totgeglaubte erste Ehemann seiner Frau aus heiterem Himmel im Café auftaucht, nehmen Ereignisse ihren Lauf, die Lukas zwingen, sich auf eine Reise zu begeben, zunächst in die Sümpfe im tiefen Süden der USA und dann in die Wildnis der roten Wüste von Utah.

Nach seinem atmosphärischen Debüt „Nach der Parade“ erzählt Hildt eine ebenso fesselnde wie erschütternde Geschichte darüber, wie gut man die Menschen, die einem besonders nahe sind, überhaupt kennen kann – und welches Maß an Wahrheit nötig ist, welches gut, und welches gefährlich. „Alles“ wurde für den Thaddäus-Troll-Preis nominiert, welcher im Herbst 2020 verliehen wird.

„Es ist erstaunlich, je mehr man dem Rätsel auf die Spur kommt, desto gelassener liest man, eingeschworen auf das Tempo und die Wahrnehmung. Denn Moritz Hildt, der schon in seinem Erstling Nach der Parade die Handlung in den Süden der USA verlegt hat, ist ein überzeugter Südstaaten-Fan, der die Luft der Südstaaten auf dem Papier ausatmet und in faszinierende Landschaftsgemälde umwandelt.“
Astrid Braun, Stuttgarter Schriftstellerhaus.

Moritz Hildt, geboren 1985 in Schorndorf, ist Schriftsteller und promovierter Philosoph. Nach mehreren längeren Aufenthalten in New Orleans und dem US-amerikanischen Süden lebt, schreibt und arbeitet er gegenwärtig in Tübingen. 2018 und 2020 erhielt er Arbeitsstipendien des Förderkreises deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg. Sein Debütroman „Nach der Parade“ erschien 2019 bei duotincta und stand ebenfalls auf der Shortlist des Thaddäus-Troll-Preises.

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