Leselampe

2020 | KW 47

© Carlos Macedo

Buchempfehlung der Woche

von Jeferson Tenório

Jeferson Tenório, 1977 in Rio de Janeiro, Brasilien, geboren, lebt in Porto Alegre. Momentan promoviert er in Literaturtheorie an der Päpstlich Katholischen Universität von Rio Grande do Sul. Sein Debütroman O beijo na parede wurde 2013 von der Associação Gaúcha de Escritores zum Buch des Jahres gekürt. Tenórios Texte wurden fürs Theater adaptiert, seine Erzählungen ins Englische und Spanische übersetzt. 2018 erschien sein zweiter Roman Estela sem Deus, 2020 folgte O avesso da pele, der von Publikum und Kritiker·innen gleichermaßen gefeiert wurde.

James Baldwin
Ein anderes Land
(Roman); Aus dem amerikanischen Englisch von Miriam Mandelkow, dtv Verlag, München 2021.

Der berühmte Roman Ein anderes Land des US-Amerikaners James Baldwin wurde 1962 veröffentlicht, als der Kampf gegen Rassismus und um Bürgerrechte seinen Höhenpunkt erreichte. Baldwin, der in seinen Werken bekanntlich immer wieder Fragen der Rasse und Sexualität aufgreift, etwa in Giovannis Zimmer und in Beale Street Blues, entwickelt komplexe Figuren, die sich nicht in die herkömmlichen Rollen und Muster einfügen, sondern die für Schwarze bestimmten Schicksale zurückweisen. Ein anderes Land ist Baldwins dritter Roman, vielleicht der ambitionierteste. Er fängt nicht nur gekonnt die von beklemmender Ausweglosigkeit und Morbidität geprägte Atmosphäre ein, wie sie die Schwarze Bevölkerung und die armen Weißen erlebten, er offenbart auch die ganze Dekadenz New Yorks in den Dreißigerjahren. Ein Land der Möglichkeiten, das sich als kosmopolitisch verkauft, ein Symbol des amerikanischen Traums ... das aber den Harlem-Bewohner·innen verschlossen zu bleiben scheint. Den Schwarzen unzugänglich. Ein anderes, fremdes Land für diejenige, die den Normen nicht entsprechen.

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2020

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