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SelbstVERSuche special: Die Poesie des Plötzlichen

Samstag, 28. September 2019

11:00 UHR

Mathias Traxler (c) Robert Golinski

Veranstaltungsort

Haus für Poesie

Knaackstr. 97
10435 Berlin
http://www.haus-fuer-poesie.org

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Eintritt: 50/40€

Details

Zweitägiger Intensivworkshop zur Improvisation im Lyrikvortrag mit Mathias Traxler Autor, Berlin
Vorkenntnisse sind nicht erforderlich

Heutzutage dominiert im literarischen Betrieb eine Praxis, in der sich das Lesen meist in mehr oder weniger sorgfältig geübter Textwiedergabe erschöpft. Dabei wäre es in Rückbesinnung und Hinwen-dung zu den oralen Traditionen der Lyrik für Dichter und Dichterinnen eine wichtige Grundlage, sich der Bedeutung klanglicher und inhaltlicher Impulse im eigenen Vortrag bewusster zu werden, den Sinn für die musikalischen Mittel der eigenen Dichtung zu schärfen, die Suggestionen des poetischen Materials zu entdecken, das poetische Spiel zu erweitern und Vertrauen in die eigene Stimme zu entwickeln.

Nicht jeder Ton einer Improvisation entsteht spontan. Improvisierende Musiker bedienen sich immer wieder verschiedener Tonfolgen, die in ihre Improvisationen eingebracht werden und die dem Spieler Zeit und Raum geben, an bestimmten Stellen tatsächlich Neues zu entdecken bzw. zu erfinden. Die Vokabeln der Improvisation sind die sogenannten Licks, vorab einstudierte Tonfolgen. Zusammen mit „erimprovisiertem“ Material und Zitaten sind sie als Techniken auch für das eigene poetische Schreiben und Sprechen interessant.

Der Dichter und Übersetzer Mathias Traxler führt in diesem Workshop ins Thema ein, beantwortet Fragen und bietet in gemeinsamen Leseexperimenten die Gelegenheit, Ausdruck zu finden für Freiheiten und Grenzen der Freiheit in der Improvisation und den Moment zum Verweilen zu bringen.

Am ersten Tag (28.9. | 11–16.00 Uhr) dieses zweitägigen Intensiv-Workshops geht es darum, textmusikalische und inhaltliche Freiräume neu- und wiederzugewinnen und erste Heranführungen an Techniken der Klanggestaltung und Improvisation während des Lesens zu vollziehen. Wie schafft man es, beim Lesen effektive, plausible Gefühlsklänge und Gedankenvorgänge zu erzeugen, wie Schwung, Überraschung und Spannungsbögen? Wie zieht man Linien im Text, wie lässt man Texte wiederum wild und zerklüftet wirken, und wie schafft man es, nichts Bestimmtes zu tun, sondern den Zauber und das Abgründige des Augenblicks wirken zu lassen? Ein Schlüssel könnte das Nichtsprechen sein: Ist Stille immer Stille? Wie lässt sich Körpersprache entwickeln, die bereits Klang erkennen lässt?

Am zweiten Tag (29.9. | 11–16.00 Uhr) werden die erarbeiteten Techniken sowohl an den im Workshop ausgehändigten, als auch an eigenen, Texten weiter konkret, in Hinsicht auf Varianz und Virtuosität, erprobt und ausgebaut. Wie überwindet man die Automatismen der Improvisation, der Statik und das ängstliche Verharren in Klischees? Wie gelingt es, den Formwillen zu überwinden, so dass neue, freie Formen entstehen können? Mit variationsreichen Übungen wird der Übergang von Lesen zum improvisatorischen Sprechen erprobt; souverän, liebevoll, mutig, wild, übermütig, überbordend.

Veranstalter