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Vernissage "Ein Sprung und der Hummer"

Montag, 16. September 2019

20:00 UHR

Veranstaltungsort

Lettrétage e.V.

Mehringdamm 61
10961 Berlin
Tel.: 030 692 45 38
info(at)lettretage.de
http://lettretage.de/

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Eintritt: gegen Spende

Details

Eine interdisziplinäre Ausstellung über Sport und Gender im Kontext des Nationalsozialismus der 30er Jahre mit Zoltán Lesi, Ricardo Portilho und Georg Leß

Fiktion und Realität verschmelzen in den widersprüchlichen Aussagen über den weiblichen Hochsprungwettbewerb der 1936er Olympischen Spiele. Sportlerinnen, Richter, Trainer und Journalisten erzählen ihre Versionen. Dora Ratjen steht im Mittelpunkt des Geschehens. Sie konnte am Olympia nur teilnehmen, weil Gretel Bergmann aus antisemitischen Gründen daran gehindert wurde.

Die Subjektivität ist wichtiger als die Wahrheit, da auch Sextests wichtiger sind als der Hochsprung selbst. Es gibt keine klare Geschichte über Dora oder Heinrich Ratjen. Sie könnte ein Opfer der medizinischen Behandlung oder, wie es im Polizeibericht steht, mit “zweideutigen” Genitalien geboren worden sein. Aber kann man der nationalsozialistischen Sicherheitspolizei glauben?

Die Dokumente der 30er Jahre über Intersexualität und Sport, Fake News, Polizeiberichte und Hummer finden in surrealistischen Kisten einen gemeinsamen Raum. Die Ausstellung und das Buch ‘In Frauenkleidung’ von Zoltán Lesi ist eine Fortsetzung seiner Arbeit mit Ricardo Portilho, der 'Sprung' Fanzine, und gibt eine detailliertere Darstellung des Themas.

Die Ausstellung ist vom 16. bis zum 28. September besuchbar. Die Bilder kann man während der Abendveranstaltungen der Lettrétage anschauen oder nach vorheriger telefonischer Anmeldung unter +49 (0)30 692 45 38.

Zoltán Lesi (geb. 1982 in Ungarn) veröffentlichte zwei Gedichtbände: "Daphnis ketskéi" (2009) und "Tauchen" (2014) sowie das Kinderbuch "Karton und Matild" (2017). Seine Gedichte wurden ins Deutsche, Englische, Serbische und Polnische übertragen. Zoltán Lesi übersetzt deutschsprachige Literatur und ermöglicht den Literaturaustausch zwischen österreichischen und ungarischen Autoren. Er ist Redakteur der Weltliteratur Buchserie des Jelenkor Verlages, Mitglied der ungarischen Schriftstellergesellschaft für junge Autoren sowie Stipendiat der Akademie Schloss.

Ricardo Portilho (geb. 1979 in Brasilien) studierte Sozialkommunikation und Grafikdesign an der Universidade Federal de Minas Gerais in Belo Horizonte, Brasilien, und am Sandberg Instituut in Amsterdam. In seinen Forschungsprojekten nimmt er die Sprache des Grafikdesigns als Ausgangspunkt, um mit der Realität umzugehen und Arbeiten zu produzieren, die in verschiedenen Medien und Kontexten Gestalt annehmen können. Seine Werke wurden unter anderem 2014 bei "Cidade Gráfica", Itaú Cultural in São Paulo, Brasilien, und 2013 im Rahmen der "10. Brazil Graphic Design Biennale" ausgestellt, sowie 2008 in der Anthologie "Masters of Rietveld" veröffentlicht.

Georg Leß, geboren 1981 in Arnsberg, lebt in Berlin. 2014 GWK-Förderpreis für Literatur, 2016 Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen für junge Künstlerinnen und Künstler. Einzelveröffentlichungen: "Schlachtgewicht. Gedichte" (parasitenpresse 2013) und "die Hohlhandmusikalität. Gedichte" (kookbooks 2019).

Veranstalter