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Klaus-Jürgen Liedtke: Nachkrieg + Volker Koepp: Wiederkehr

Samstag, 07. Dezember 2019

19:00 UHR

Veranstaltungsort

Warnitzer Lesungen

Lindenallee 27
17291 Warnitz
info(at)warnitzerlesungen.de
www.warnitzerlesungen.de

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Eintritt: frei

Details

Nachkrieg und die Trümmer von Ostpreußen. Roman aus Dokumenten

Krieg, Flucht, Vertreibung, Ostpreußen und Westdeutschland – „Nachkrieg“ ist ein anderes „Echolot“ deutscher Geschichte. „Nachkrieg“ ist ein Roman, der sich aus den Resten einer untergegangenen Welt, eines Dorfes, einer Landschaft zusammensetzt, gefunden von einem Stimmensammler auf verschlungenen Spuren, einem Protokollanten des Vergangenen. Aus Tagebuchaufzeichnungen zweier Onkel, die bei Kriegsende umkamen, aus Briefen, Erzählungen, Reisenotizen und essayistischen Reflexionen setzt Klaus-Jürgen Liedtke dieses detailgenaue Panorama zusammen.

„Der erste Satz dieses bemerkenswert unordentlichen Buches: ‚Ich komme aus diesen Trümmern.‘ Es sind nicht nur die Trümmer Ostpreußens … Es sind die Trümmer der Erinnerung und Erzählungen, die zwar einen ‚Chor der Stimmen‘ bilden, nie aber einen harmonischen, gleichklingenden. Die Trümmermusik, die bleibt, so zitiert dieses Buch die Dichterin Herta Müller, ist ‚eine Musik der Trostlosigkeit, die Halt gibt auf schmalstem Grat‘. … Ob es für ihn so etwas wie Heimat überhaupt gebe, wird Liedtke einmal gefragt: ‚Ich denke, eher nicht. Aber so etwas wie Identität, wie Zugehörigkeit.‘ Diese jedoch gibt es nicht als Besitz, sondern in Trümmern.“ (Berliner Zeitung)

Es ist ein Buch über „die ‚Ortlosigkeit“ einer globalen Welt, und es weiß dabei um den schmalen politischen Grat, auf den es sich begibt. (…) Allein die Namen der Ortschaften (Kermuschienen, Riesenkirch, Beynuhnen) erzeugen einen Sog, wie bei Johannes Bobrowski, auch einem Ostpreußen. Und mit den erzählten Personen (Fritz von Farenheid, Otto Krüger, Alfred und Helmut Steinke) geht man als Leser zusehends eine eigene Verwandtschaft ein. Die Literatur als Heimat, davon handelt dieses Buch.“ (Frankfurter Rundschau)

Wiederkehr
(Dokumentarfilm/ 2017/ 70 Minuten)

Vor 45 Jahren drehte Volker Koepp „Grüße aus Sarmatien“, inspiriert vom ersten Gedichtband Johannes Bobrowskis, „Sarmatische Zeit“ (1961). Seitdem ist der Regisseur immer wieder in jene Landschaft zurückgekehrt. Sarmatien, antikes Reich zwischen Weichsel, Wolga, Ostsee und Schwarzem Meer, aber auch das Traumland des Dichters Bobrowski, „in dem alle Völker und Religionen Platz fänden, hätte nicht die Geschichte alles eins ums andere Mal umgepflügt“. Einst die Mitte Europas, nun aus unserem Blick nahezu verschwunden.
Vor zwei Jahren, zum 100. Geburtstag Bobrowskis, der 1965 in Ostberlin starb, hat sich Koepp erneut auf dessen biografische Spuren begeben. Er ist nach Tilsit gereist, ins heute russische Sowjetsk, wo der Dichter 1917 geboren wurde, weiter nach Königsberg/Kaliningrad, wo Bobrowski das Gymnasium besuchte, und in den litauischen Teil des Memel-Deltas, das den jugendlichen Schriftsteller inspirierte wie kein anderer Ort. Koepp hat sich mit Menschen getroffen, die ihm ihre eigenen Lebensgeschichten erzählen, und mit Kennern von Bobrowskis Werk. Immer wieder streut er zudem Erinnerungen aus seinen früheren Filmen ein. „Wiederkehr“ wird so zum jüngsten Teil einer großen filmischen Suchbewegung, die sich immer wieder aktualisiert – und zum berührenden Zeugnis von Koepps lebenslanger Verbundenheit mit Bobrowksis Lyrik.

 

KLAUS-JÜRGEN LIEDTKE, geboren 1950 in Enge/Südtondern (Schleswig), studierte Skandinavistik, Germanistik und Amerikanistik in Kiel, Uppsala, Berlin und Turku, lebt seit 1974 als freier Schriftsteller und Übersetzer aus dem Schwedischen in Berlin. 2005 wurde er mit dem Paul-Celan-Preis und 2008 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

VOLKER KOEPP feierte in diesem Juni seinen 75. Geburtstag. In Stettin (Szczecin) geboren, wuchs er in Berlin auf, studierte in Dresden Maschinenbau und anschließend von 1965 bis 1969 Regie an der Deutschen Hochschule für Filmkunst in Potsdam-Babelsberg. 1970-90 arbeitete er im DEFA-Studio für Dokumentarfilme. Kontinuierlich bis heute zeigen Volker Koepps Filme Menschen in ‚ihrer‘ Landschaft und umkreisen den Begriff Heimat. Sie führen ihn in die Prignitz, ins Erzgebirge, ins Oderbruch, in die Uckermark und an das Baltische Meer. Volker Koepp lebt in Berlin und in der Uckermark.

Veranstalter