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»sieh nur wie unsere zähne sich gleichen« – Das Patriarchat zerschreiben

Freitag, 23. September 2022

20:00 UHR

Veranstaltungsort

Lettrétage e.V. im ACUD Studio

Veteranenstraße 21
10119 Berlin
Tel.: 030 692 45 38
info(at)lettretage.de
http://lettretage.de/

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Details

Längst feiern wir das berauschende Fest erschlaffender Narrative. Das Patriarchat, es torkelt. Doch hartnäckig wirkt es in den Köpfen, in den Herzen fort. Vor allem in Krisenzeiten tendieren wir zu traditionellen Lebensmodellen. Muskelmänner, Macher und Helden drängen sich in die erste Reihe, wollen gesehen und gehört werden. Leider ist das Patriarchat keine Primel. Weder Kopf noch Eichel lassen sich einfach abschlagen. Es braucht Fingerspitzengefühl und scharfe Zähne. Sensibles Schreiben kann die patriarchalen Strukturen unserer Sprache entschleiern und erschüttern. Die Autor*innen des Abends fragen in ihren Texten nach anderen Narrativen, Mythen und Praktiken des Miteinanders; sie schreiben am Ende des Patriarchats mit.

In Form eines inneren Monologs experimentiert Lena Tietgen in ihrer Kurzgeschichte VOR DEN TRÄNEN mit den kulturell überformten Emotionen eines cisheterosexuellen Mannes. Alexander Graeff liest neue, von Donna Haraways tentakulärem Denken inspirierte Gedichte, in denen er verschiedene SF-Gegenmythen zur maskulinen Heldenreise durchspielt. Eva Brunner liest aus ihrem Lyrikband ACHTUNG, DIE NAHT Texte, in denen Fruchtbarkeitsmotive und Momente weiblichen Begehrens aufblitzen. In ihren Gedichten erforscht Elke Cremer wiederum (Liebes-)Begegnungen, die sich aus herkömmlichen Mustern von Dominanz und Hierarchien lösen und neue, noch unerkannte Möglichkeiten ebenbürtiger Beziehungen aufscheinen lassen.

Moderation: Aylin Ünal

Lena Tietgen beschäftigt sich in ihren Texten mit Traum und Trauma als gestalterische Kraft gesellschaftlichen Ausmaßes. Sie studierte Erziehungswissenschaft, Philosophie und Literatur in Hamburg. Nach Stationen im Rechtswesen, der Metallografie, Pädagogik und im Journalismus, arbeitet sie heute als freie Autorin in Berlin. Seit 2018 tritt sie regelmäßig bei Lesungen auf und erhielt 2020 für ihren literarischen Blog ZwischenZeilen das Berliner Sonderstipendium.

Alexander Graeff ist Schriftsteller, Philosoph und Literaturvermittler. Graeff schreibt Lyrik, Prosa und Essay, u. a. für die Frankfurter Rundschau. Er ist Leiter des Programmbereichs Literatur im Berliner Kunst- und Kulturzentrum Brotfabrik sowie Initiator der Lesereihe Schreiben gegen die Norm(en)?. Seit Jahren engagiert er sich kultur- und queerpolitisch. Letzte Veröffentlichung ist der Lyrikband DIE REDUKTION DER PFIRSICHSAUCEN IM KÖSTLICHEN EREIGNISHORIZONT (Verlagshaus Berlin, 2019).

Eva Brunner, *1980 in Siegen, lebt als freie Autorin und Angestellte der Berliner Kreativagentur Henkelhiedlin Uppsala/Schweden. Sie promovierte über Confessional Poetry und Narrative Identität und veröffentlichte 2019 ihren Debütband ACHTUNG, DIE NAHT (parasitenpresse). Zuletzt erschien gemeinsam mit Elke Cremer das Lyrikheft DIE MANDARINENORAKEL (Hg. GE59) und ein Beitrag in der manuskripte 235. Sie schreibt regelmäßig für die Initiative Other Writers Need to Concentrate über Elternschaft.

Elke Cremer lebt als freischaffende Autorin in Berlin. Sie erhielt das Literatur-Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg und den Lyrikförderpreis der GEDOK Heidelberg. Elke Cremer veröffentlicht in Zeitschriften, Anthologien und online. Nach den Lyrikheften LINIEN AUS BIENEN und DIE MANDARINENORAKEL (gemeinsam mit Eva Brunner) erschien 2022 ihr Lyrikdebütband AUFRISS OHNE HÄUSER im KLAK Verlag Berlin. Sie ist Initiatorin der Lesereihe Literarische Symbiosen, gefördert vom Deutschen Literaturfonds, Neustart Kultur.

Aylin Ünal ist Autorin und Webentwicklerin. In ihrer literarischen Arbeit interessiert sie sich besonders für starke Protagonistinnen, die nach Freiheit und Unabhängigkeit streben. Ihre Kurzprosa veröffentlicht sie seit mehreren Jahren regelmäßig in Literaturzeitschriften und Anthologien sowie im Rahmen von Literaturwettbewerben. Derzeit schreibt sie an ihrem Debütroman.

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