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Über Flüche. Album II – Buchpremiere mit Robert Stripling

Mittwoch, 25. Februar 2026

19:30 UHR

Veranstaltungsort

Haus für Poesie

Knaackstr. 97
10435 Berlin
http://www.haus-fuer-poesie.org

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Eintritt: 8/5 Euro

Details

Vor drei Jahren erschien Unter Stunden. Album I von Robert Stripling (geboren 1989 in Berlin) – ein Buch, das auf zwei Bände angelegt ist und an dem der Autor zehn Jahre gearbeitet hat. Schon damals zeichnete sich ab, dass es sich um eines der großen Prosawagnisse der jüngsten Zeit handeln würde. Prosa, ja – doch hier beginnt man bereits zu zögern, denn nicht zufällig erscheinen die Alben bei kookbooks, einem der profiliertesten Lyrikverlage im deutschsprachigen Raum. Tatsächlich entzieht sich Striplings Text jeder eindeutigen Gattungszuordnung, so luzide und eigenwillig prosafern folgen seine Sätze in ihrer Musikalität allen Einfällen bis in die feinsten Verästelungen eines jeden Nebengedankens hinein.

Der Text geht einer Frage nach, die gleich zu Beginn des ersten Bandes aufgeworfen wird: „Wo bin ich, wenn nichts feststeht?“ Kurz zuvor heißt es: „Ich bin im Aufbruch, wo ich geh.“ Damit sind die zentralen Themen benannt, die – so lässt sich jetzt schon sagen – dem gesamten Werk nachhallen. Die Kritik staunte über den ersten Band und sah in dem Projekt einen „zutiefst romantischen Beitrag zur ästhetischen Verwandlung der Welt“, gar ein „Andachts-Buch der Angst“ (Michael Braun), das virtuos Fiktion, Biografie und Erzählung mischt. Der Autor wurde beschrieben als jemand, der sich auf halbem Wege zur Universalpoesie befindet – oder schon ganz dort angekommen war –, als jemand, der im Sinne Jean Pauls alles unter poetisches Wasser zu setzen vermag. Nun ist bei kookbooks Über Flüche. Album II erschienen (die „Flüche“ werden an einer Stelle als Gegenteil des Wünschens beschrieben), und die Leser:innen erhalten die hochwillkommene Gelegenheit, den Fortgang des Projekts zu verfolgen. Wieder herrscht eine Poetik der Gleichzeitigkeit vor: der Versuch, alles simultan in den Blick zu nehmen – den Sonnenschirm über dem Lotto-Tresen oder ein erloschenes Teelicht, das sich, aus dem Augenwinkel betrachtet, in eine Schnake verwandelt –, obwohl (oder gerade weil) es einmal heißt: „Alles ist allem stets hinterher.“ – eine Methode, die in Bezug auf das Werk von James Joyce einmal „The Aesthetics of Hoarding“ genannt wurde. In Album II formuliert Stripling diese so: „ich arbeite mit allem, was mich umgibt, was so rumliegt, messiehafte Papierfitzel, ausgelagerte Speichermedien & liegt natürlich nicht völlig willkürlich rum; immer wieder ›Phase für Phase‹ genügend Restvernunft, Ordnung zu schaffen; mit diesem Horten aufzuhören.“

Robert Stripling liest an diesem Abend aus dem neuen Album und wird von Paul Jandl befragt.

Veranstalter