Nach "Vaters Kiste", einem eindrucksvollen kurzen Buch über Abstammung und Erben, fährt der Schweizer Lukas Bärfuss in der Beschäftigung mit den Themen Prägungen und Chancen fort.
Die Mutter des Autors war eine Frau ohne Bildung und ohne Perspektiven, dafür mit einem unstillbaren Freiheitsverlangen. Es gab keinen Mann, es gab Männer. Und an Geld herrschte immer Mangel, an Zärtlichkeit erst recht. Das Kind sah die Mutter als Fessel, sie hatte sich dieses Leben nicht ausgesucht. Eine Rabenmutter, so nannte sie sich selbst; ihr Sohn landete auf der Straße. Sie hatte nur die Waffe der Ohnmächtigen, das böse Maul. Und im Alter blieb ihr kein anderer Ausweg als die Armutsmigration in die Dominikanische Republik, aus einem der wohlhabendsten Länder der Welt, in dem der Lebensabend unerschwinglich für sie war.
Der Sohn musste sich früh in der Kunst üben, seine Mutter zu überleben. Und heute stellt erdie Frage, wo in einem elenden Leben die persönliche Verantwortung aufhört und die einer ganzen Gesellschaft beginnt.
Beginn: 19 Uhr
Eintritt: 12€
Moderation: Felix Palent
Mit freundlicher Unterstützung durch Pro Helvetia, Schweizer Kulturstiftung