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Mehr Meer - Eine lyrische Reise entlang der Gewässer Taiwans

Donnerstag, 23. April 2026

19:30 UHR

Veranstaltungsort

Kultursaal der Taipeh Vertretung

Markgrafenstr. 35
10117 Berlin

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Eintritt: frei

Details

Mit Gedichten von Tsai Wan-Shuen, Ling Yü und Alice Grünfelder

Taiwan ist umgeben vom Meer, liegt inmitten 166 weiterer Inseln – jede mit einer eigenen Geschichte, jede besungen, beschworen, missbraucht.

Die Lyrikerin Tsai Wan-Shuen ist in Penghu aufgewachsen und hinterfragt in ihren Gedichten den Umgang der Menschen mit der Natur. Das Meer ist eine Naturgewalt, man muss es zähmen, denn es bedroht die eigene Existenz. "Von den älteren Bewohnern käme niemand auf den Gedanken, aus reiner Sinnenfreude zum Beispiel seinen Fuß ins Meerwasser zu halten, im Wasser zu planschen, zu schwimmen gar aus purer Lust." In ihrem Gedicht Mutterinsel beschreibt sie das raue Inselleben. Inselromantik liegt ihr fern. Die Menschen sind froh, fortgehen zu können in die Stadt, um den Fischgeruch ein für allemal abzustreifen, auch wenn die Gehälter in den Fabriken niedrig sind.

Ling Yü, die wohl renommierteste Lyrikerin Taiwans, lebt in Yilan. Das Meer ist ihr Horizont, das Ufer die Linie im Auge, die Felsen am Strand wie Erinnerungen an etwas Fernes. Doch wie blau ist das Wasser, lichtblau, tragischblau, sehnsüchtiges Blau, fragt sie in ihrem Lyrikband Töchter.

Taiwan ist auch durchzogen von unzähligen Flüssen, Lebensadern der Insel. Einer davon ist der mehr als 80 Kilometer lange Keelung-Fluss, der geplagt und begradigt wurde. An ihm entlang ging Alice Grünfelder in den Sommermonaten 2025. Angesichts der Betonmauern, Dämme und Wehre entstand das «Klagelied eines Flusses».

Durch die lyrischen Stimmen aus und über Taiwan entdeckten wir die Gewässer Taiwans – wie sie so noch nie beschrieben und gesehen wurden.

Alice Grünfelder übersetzt seit 2020 Lyrik aus Taiwan. Für die Lyriksammlung "Im Meer aufwachen" von Tsai Wan-Shuen erhielt sie 2025 den Anerkennungspreis des Kantons Zürich: "Dieses «Aus-einem-Guss» beeindruckt an Alice Grünfelders Übersetzung. Es gelingt ihr, die motivische Geschlossenheit eines genuinen lyrischen Sprechens ins Deutsche herüberzuretten. Dieses letztere Verb drängt sich auf, da gerade jener Rhythmus zerbrechlich anmutet vor dem entgrenzten Fluten des Meeres."

Veranstalter