Florian Neuner, geboren 1987 in Stuttgart, lebt in Wien. Im Oktober 2026 erscheint sein Lyrik-Debüt am rande ihrer welt in der edition keiper.
2018 Zertifikat am Studio Literatur und Theater der Universität Tübingen bei Dagmar Leupold. 2022 Finalist beim Wiener Werkstattpreis in der Kategorie Publikumspreis. 2018 und 2024 Longlist des Deutschen Kurzgeschichtenwettbewerbs. Zahlreiche Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien, zuletzt im STANDARD, Jahrbuch für Lyrik 2024/25 (Schöffling), erostepost, Die Rampe, außer.dem, Lichtungen, Am Erker, Mosaik, zeitschrift der schule für dichtung in wien.
2018: Longlist des Deutschen Kurzgeschichtenwettbewerbs mit "Warum Selene nicht Großmutter wurde"
2022: 3. Platz beim Publikumspreis des Wiener Werkstattpreises
2024: Longlist des Deutschen Kurzgeschichtenwettbewerbs mit "Lenz"
am rande ihrer welt. keiper lyrik 37 erscheint am 01. Oktober 2026
https://www.editionkeiper.at/shop/produkt/florian-neuner-lyrik-erinnerung-demenz-sprache/
Florian Neuner ist, wenn man so will, ein Debütant mit Erfahrung. Ein Jahrzehnt lang hat er Publiktionen in Zeitschriften und Anthologien vorgelegt, darunter auch im renommierten Jahrbuch der Lyrik, und in seinen Gedichten einen unaufdringlichen, aber markanten eigenen Stil entwickelt, der reich an eigenstän-digen, klischee- und pathosfreien Bildern und frischen sprachlichen Brüchen ist und das poetische »zweitdasein der wahrheit«, so eine Formulierung Neuners, gründlich auslotet. In seinem nun vorliegen-den ersten Lyrikband konfrontiert sich der Dichter mit der Demenzerkrankung seiner Mutter – nicht mo-nothematisch, aber doch mit nachdrücklicher Bezugnahme auf damit verbundene Fragen des Erinnerns und Vergessens, Abschieds und Verlusts sowie der Zerbrechlichkeit des eigenen Selbst, die nicht zuletzt auch für die Sprechinstanz im Gedicht gilt. Die Mutter, die ihm die Sprache und nicht nur diese mitgege-ben hat, entgleitet in die andere Wahrheit einer Sprachlosigkeit, ein wenig ähnlich vielleicht, wie auch das Gedicht selbst die Ränder des Verstehens mitunter überschreitet und »eine starke Neigung zum Ver-stummen« (Paul Celan) zeigt. So ist nicht nur das Gedicht aufbruch nach utoPIA, ähnlich wie seinerzeit Ernst Jandls Buchtitel Laut und Luise, eine direkte Reminiszenz an den Namen der Mutter, sondern der Grenzgang der Poesie als solcher kann – auch dort, wo sie sich anderen Themen und Personen zuwendet – als Metapher für das Entgleiten in eine andere, in herkömmlicher Sprache nicht mehr fassbare Welt gelesen werden.