Eine der bedeutendsten literarischen Stimmen Ungarns zu Gast in Berlin: Krisztina Tóth legt die Mechanismen von Macht und Propaganda offen – und zeigt eine politisch zerrissene Gesellschaft.
Mit Krisztina Tóth, Timea Tankó und Stephan Szász
Wie viel Gesellschaftskritik verträgt eine Gesellschaft in Realität und Fiktion? Krisztina Tóths dystopischer Roman Das Auge des Affen (A majom szeme, 2022) steht in Ungarn an der Spitze der Bestsellerlisten, ist aber auf Deutsch noch unveröffentlicht – hallo Verlage! Er spielt in einem fiktiven Land, in dem nach einem Jahre zuvor tobenden Bürgerkrieg die Einheitliche Nationale Regierung gebildet wurde. Die Grenzen sind geschlossen, die Todesstrafe wieder eingeführt, die Armen in abgetrennten Gebieten eingesperrt, und Abhören und Überwachung der Bevölkerung sind alltäglich geworden. Ausschnitte aus Das Auge des Affen werden eigens für das Festival übersetzt und gelesen.
Krisztina Tóth (geb. 1967 in Budapest) ist eine renommierte ungarische Autorin von 55 Werken, die in 22 Sprachen übersetzt wurden und die Bereiche Lyrik, Belletristik, Drama und Kinderliteratur umfassen. Ihr Roman Aquarium (Akvárium) stand 2015 auf der Shortlist für den Internationalen Literaturpreis. Ihr Schreiben ist bekannt für seine präzise Form, seine Ironie und seinen schwarzen Humor. In Anerkennung ihrer Übersetzungen und ihres Engagements für die Förderung der französischen Literatur in Ungarn wurde ihr kürzlich der prestigeträchtige Orden Chevalier de l’Ordre des Arts et Lettres verliehen.
Trotz politischer Marginalisierung im eigenen Land und Verleumdungskampagnen während der „Orbán-Jahre“ hat sich ihr internationales Ansehen weiter gefestigt. Von der Kritik gefeierte Werke wie der dystopische Bestseller Eye of the Monkey (Das Auge des Affen) festigen ihren Status als wichtige, unabhängige Stimme in der europäischen Literatur.
www.tothkrisztina.com
Timea Tankó (* 1978 in Leipzig) ist eine literarische Übersetzerin, die ihre Kindheit in Ungarn und Deutschland verbrachte. Sie studierte Französisch, Spanisch und Kulturwissenschaften an der UniversitätLeipzig, von 2001 bis 2010 unterrichtete sie dort Ungarisch. Seit 2003 arbeitet sie freiberuflich als Literaturübersetzerin und Dolmetscherin aus dem Ungarischen und Französischen, u. a. von István Kemény, Antal Szerb und György Dragomán. Für ihre Übersetzung von Miklós Szentkuthys Apropos Casanova erhielt sie 2021 den Preis der Leipziger Buchmesse. 2026 war sie mit dem Roman Die Aussiedlung von András Visky erneut für den Preis nominiert, für den sie mit dem Helmut-M.-Braem-Übersetzerpreis und, gemeinsam mit dem Autor, dem Internationalen Literaturpreis ausgezeichnet wurde. Sie lebt in Berlin.
Stephan Szász (*1966 in Witzenhausen) ist Schauspieler für Theater, Film und Fernsehen. Nach einem Studium an der Hochschule für Musik und Theater Hannover spielte er an diversen Bühnen in Deutschland, u. a. am Schauspielhaus Köln, Nationaltheater Mannheim, Theater Bremen, Schaubühne Berlin, Nationaltheater Weimar sowie am Schauspielhaus Zürich. Seit vielen Jahren ist er in zahlreichen Rollen im Film und Fernsehen zu sehen. Szász unterrichtet seit 2014 an der Schauspielschule Charlottenburg, seit 2026 ist er künstlerischer Leiter des Literatur- und Musikfestivals in Ostwestfalen-Lippe Wege durch das Land. Er lebt in Berlin.
www.stephan-szasz.de
Diese Veranstaltung ist Teil von "Übersetzen & Weltretten" - dem Festival für Literaturübersetzung vom 11.-25. September in Berlin. Mehr Infos: weltretten.weltlesebuehne.de