Arnold Maxwill

Vita

Arnold Maxwill, geb. 1984 am Niederrhein, lebt und arbeitet in Dortmund. Studium der Philosophie, Germanistik und Kunstgeschichte. Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien, mehrere Einladungen zum Open Mike. Für seine Gedichte erhielt er u.a. den GWK-Förderpreis, Feldkircher Lyrikpreis und Lyrikpreis München. Bislang erschienen die Gedichtbände Raumsch, KW und Noir.

Würdigung

»Maulwürfe sind Einzelgänger und meist aggressiv gegen Artgenossen. Sie verbringen ihr Leben in Gängen unter der Erde und kommen nur selten an die Oberfläche. Ihre Präsenz zeigen sie an, indem sie Mulm aufwerfen.« (Michael Braun, SpritZ 229)


»Es hat mir gefallen, aber ich habe nichts verstanden.« (Anonym)


»Das ist lustig.« (Häuptling Hunger)

Werk

sonstige Werke

Geräteschuppen, unaufgeräumt


ganz umstandslos verirren.


Schreiben, das meint Schnüffeln, Wühlen, Horten. Und Bewegung.


erst einmal ist alles verfügbar. (nur ein Ideal, natürlich)


sich merken, wo das Zögern beginnt.


vor Jahren mal die Frage nach meinem Geschreibsel. (und, ja, das gefiel mir ausgesprochen gut)


auch als Lesender ist man ja im Gespräch.


Schreiben ist unbedingt auch Nichtschreiben, aufgeschobenes, angehaltenes, unterbrochenes Schreiben.


Intensität, die immer auch ins Abseitige geht, der Mühe bedarf.


Was ich will, ist mit zwei Sätzen zu sagen: Ich möchte meinen Texten gegenüber ein Töpfegucker bleiben. Wie der zweite Satz lauten soll, überlege ich mir noch.


leuchtende Pullover.


Das Gedicht darf bitte erst einmal rein, meinetwegen die Schuhe aus, dann gern aufs Sofa. Es muss sich nicht eigens vorstellen. Das Gedicht bekommt eine Schorle, einen Kakao. Und jeder voreiligen Erklärung, ausufernden Anekdote ist eh zu misstrauen.


erst in der Wiederholung öffnest du; du wirst Zeit brauchen.


Nachdem die Änderung der Änderung rückgängig gemacht wurde: den Bleistift aus der Hand.


ab und zu die Zügel schießen lassen.


In dieser Folge steht die langsame Wanderung der Socken vom Schlafzimmer ins Badezimmer im Mittelpunkt.


Das seien Brühwürfel, was ich da mache, sagt D. nach Lektüre, lachend.


wie gefährdet das Schreiben durch Abbruch, Stottern, Aufschub, Schlingern ist. (und wie sehr dieses vermeintliche Misslingen heilsam ist)


und immer wieder folgender Satz: es hat mir gut gefallen, aber ich habe (leider) nichts verstanden.


durch das Schreiben verwildert.


Das Gedicht will zeugen, nicht Transportmittel sein, nicht Zwischengeschoss.


und schon bin ich in einem anderen Zusammenhang.


der Text ist ein Tiger. (sofern er keine Zahnschmerzen hat)


nicht jeder Überschuss muss kleingekaut werden.


Verlangen nach Fächerung, Mutation.


wohl kaum etwas unzuverlässiger als das Reden über eigene Gedichte.


dass ich immer langsamer werde.


Einer kommt ins Buch und möchte gekrault werden. Das Buch, je nach Perspektive Kontrahent oder Kombattant in dieser Phase, hat aber nur ein Gedicht, zumal ein vermeintlich schwieriges, an der Hand. In der Annäherung und Absicht des einen stecken mehr halbpräzise Bedürfnisse: Es geht nicht darum, unterhalten zu werden; es sind Wünsche, die auch etwas enthalten, was sich auf Unmögliches richtet. Zugleich aber ist die wohl ebenso starke Lust, ein Gedicht zu schreiben, hier nach mehrwöchiger Praxis materialisiert; es steckt durchaus Mühe darin. Was tun?


Das Schreiben macht dich offener. Gieriger, neugieriger. Es macht zornig oder vorsichtiger, skeptisch. Es fördert Unruhe. Und Nachsicht, Zärtlichkeit.


Möglichkeitsraum, aufgeribbelte Fasern.


und immer wieder: nein, das ist kein Fehler, keine Nachlässigkeit.


Überblendungen, Ersetzungen; Permutation, Kombination.


diese Gegenden ohne Geländer.


Kunst, d.i. entscheiden (aber natürlich auch Taumel, Verstrickung etc.)


muss das Gedicht immer perfekt sein?


verzweigtes Feld, kommunizierende Röhren.


mein froher Grund: den 27. September gibt’s mehrmals im Jahr.


Was ist das Gedicht? ein Tiger? ein Turnschuh, ein Mobile? ein Feuchtbiotop mit integrierter Grillstation? Lasst uns, so dröhnen Nebenzimmer, konkreter senken: Strömungen, Konflikte. Überzeugt diese Lautfolge? ist dies die angemessene Struktur? gibt’s Nebelkerzen? welche Knieschoner verstecken sich denn hier?


Sieben, Prüfen, Warten.


Könntest du den Dachs übernehmen?


Sondierungen; sehr offene Hefte.


Du denkst Dir so Wörter aus, grinst die Musikerin mich während der Probe an.


beschädigt sein.


das Recht auf einen Baum vorm Fenster.


ich wiederhole mich: Distanz und Exploration.


finden weitere Schwebstoffe sich.


Konstellationen | Gravitationen


Adi Preißler sagt: Entscheidend is aufm Platz.


Bin ich nun Mitglied einer Turnfraktion?


das alles später nochmals genauer betrachten.


oder ist der Hase etwa im Ganzen falsch?


Den Marathon schaut sich das Gedicht vom Fenster aus an.


ach Verstehen. (als ob es abseits dieser Schneise nicht ebenfalls Pfade gäbe)


In der Küche hängt eine kleine Fotografie von Heinrich Böll, Merten im März 1985, aufgenommen wenige Monate vor seinem Tod. Erschöpfter Autor am Arbeitstisch. Was mich schon vor zwölf Jahren in diesem Bild am meisten erschrak: die zentrale Position des Telefonapparats.


jaja, natürlich Abgrenzung (das alte System mit Schal).


es wohnen Wulkower Füchse in mir.

Zuletzt durch Arnold Maxwill aktualisiert: 31.03.2022

Literaturport ID: 3097