Tom Pohlmann wurde 1962 in Altenburg geboren. Er besuchte von 1968 bis 1978 eine Polytechnische Oberschule in Meuselwitz (Thüringen) und absolvierte zwischen 1978 und 1981 eine Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenmonteur mit Abitur. Nach dem Grundwehrdienst in Halle/Saale studierte er ab 1983 Deutsch und Geschichte an der Pädagogischen Hochschule Leipzig. Aufgrund einer Reihe von Haltungen, die dem zivilen Ungehorsam zuzurechnen sind, wurde 1987 gegen ihn die Exmatrikulation angeordnet. Die formale Wiedergutmachung erfolgte 1997 auf Grundlage des SED- Unrechtsbereinigungsgesetzes. Zwischen 1987 und 1992 verdiente er seinen Lebensunterhalt u. a. als Transportarbeiter auf dem Güterbahnhof Karl-Marx-Stadt, später als Briefträger, Hausmeister und Heizer. 1992 durchlief er eine Ausbildung zum Medienpraktiker beim unabhängigen Fernsehsender Kanal X, zog zurück nach Leipzig, die Stadt ist seither sein Hauptwohnsitz. Zwischenzeitlich war er bis 1995 als Cutter im Medienstudio Harz in Bad Suderode (Harz) angestellt und pendelte zwischen Gernrode (Harz) und Leipzig. 1995 begann er ein Studium am Literaturinstitut Leipzig und schloss den Studiengang 1998 mit einem Diplom für Schriftsteller ab. Seit 1994 veröffentlicht er literarische Texte. Zum Kern seiner literarischen Produktion gehören neben dem Gedicht Prosatexte und Essays. 1999 arbeitete er als Redakteur und Fotograf für zwei soziale Projekte. Ein Aufenthaltsstipendium in New York an der Jahrhundertwende wurde für ihn zur Initialzündung einer umfassenden künstlerischen Neuorientierung. 2001 war er als Museologe und Archivar am Aufbau eines Museums beteiligt. Im Anschluss hielt er sich in Paris auf. Von 2004 bis 2006 lebte er zunächst in Wedel (Schleswig-Holstein), später in Hamburg, absolvierte an der AEP Hamburg eine Spezialisierung zum Mediengestalter für den Printbereich. Nach einem Aufenthalt in Kopenhagen arbeitete er zwischen 2006 und 2008 an der Auswahl, Herausgabe und Gestaltung der Anthologie “Beim Verlassen des Untergrunds”. Die Anthologie war Auftakt zu einer Buchreihe und dokumentiert die Lebenswege von zwanzig Schriftstellern, Fotografen und bildenden Künstlern zwischen Mauerfall und Jahrhundertwende. Im Anschluss erstellte er für einen Leipziger Verein die Konzeption für eine Buchreihe. Zwischen 2015 und 2017 belegte er einen Studiengang im Bereich Kunsttherapie bei campus naturalis in Leipzig. Zu seinem Werk gehören experimentelle Filme (Drehbuch, Regie, Schnitt, tw. Kamera), fotografische Arbeiten und journalistische Texte. Viele poetische Entwürfe fanden Eingang in Gruppenprojekte. Seit 2015 tritt er hauptsächlich als Autor von Lyrik, poetischer Prosa und Essays in Erscheinung.
- 1995 Arbeitsstipendium des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst
- 1995 Teilnahme am Deutsch-Polnischen Poesiefestival (1995 Leipzig, 1997 Lublin)
- 1997 Stipendiat im Autoren-Förderungsprogramm der Stiftung Niedersachsen
- 1999 Aufenthaltsstipendium als writer in residence am Deutschen Haus der New York University, verliehen vom Deutschen Literaturfonds
[29.06.2026] Um den ursprünglich zweiten Gedichtband (oder dessen Verbleib) war bisher die eine oder andere Spekulation in Umlauf. Mit dem Buch hatte das wenig zu tun. Die Wahrheit sieht so aus, dass ich den Band nach den Vorgängen um das World Trade Center (2001) aus dem Verkehr zog. Ein Geheimnis war das nicht, wenn, so ein öffentliches. Das Buch erscheint (jetzt, erstmals) unter dem Titel KOGNITIVE GEDICHTE [FREIE REDUKTIONEN 1992-2002], als zweibändige Ausgabe, in gewohnt kleiner Auflage. Beigestellt sind den Publikationen zahlreiche Notate, Kommentare und Korrespondenzen aus dem Zeitraum, Bonus Tracks und Liner Notes, die essayistischen Texte VOR DEN FREIEN REDUKTIONEN. EIN BRIEF ZU DEN BRIDGES (2024) und BLEECKER STREET. LOST AND FOUND (2025). Die Gedichte und Notate sind autobiografisch grundiert und dokumentiert, der Tonfall beider Bücher eher nah am Blues. Möglicherweise war es der letzte analoge Gedichtband an der Schwelle zum 21. Jahrhundert. Ich bedanke mich bei den Institutionen des Literaturbetriebs, die mein Schreiben förderten, Kolleg:innen und Weggefährten, die in Wolfenbüttel, Darmstadt und am LCB mit mir zu tun hatten, grüße frühere Kommiliton:innen am Literaturinstitut, Lyrik-Kenner wie Brigitte Oleschinski und Theo Breuer, diesmal ebenso die hinzugekommene, jüngere Leserschaft.
[20.03.2024] Mit Verzögerung zwar, aber noch rechtzeitig zur Buchmesse, erscheint der Band FERNE MODERNE. MODERNE FERNE. Es ist die dritte Publikation mit Texten aus meinem avantgardistischen Jahrzehnt und versammelt einen Teil der experimentellen Prosa. Erstmals gedruckt liegen die PENDLER KONVEXIONEN vor, eine Sammlung mit Prosagedichten, die bisher nur wenigen bekannt sind und in den Prosaband integriert wurden. Mein Dank gilt den Institutionen des Literaturbetriebs, die meine Arbeit am Text in den Neunzigern unterstützten, meine Verbeugung dem Bauhaus, Elke Erb, Hans Magnus Enzensberger und Michael Braun. Zu hoffen bleibt, wie jedes Mal, das nur in kleiner Auflage gedruckte Buch erreicht eine für experimentelle Ansätze offene Leserschaft.
[09.12.2022] Den schwierigen Zeiten zum Trotz erschien Anfang November mit HINTER DEM BILDERMUSEUM ein Band meiner frühen Gedichte. Mit dem Buchprojekt löse ich ein weiteres Versprechen ein, hoffe jedoch, die Veröffentlichung erreicht neben Kollegen, Freunden und Wegbegleitern auch Interessenten an experimentellen Spielformen der Poesie. Neben den Gedichten meines ersten Gedichtbands berücksichtigt die Zusammenstellung erstmals auch eine Sammlung der im Kontext der Neuen Medien geschriebenen Texte, Musik-Clips aus Worten, Versuchsanordnungen. Beigestellt sind der Sammlung Liner Notes, ausgewählte Notate und Korrespondenzen.
[10.06.2022] "Seine Beobachtungskunst geht von Williams´ Konzept `glimpses´ aus, der `raschen und flüchtigen Einblicke wie aus den Augenwinkeln´, die eine Alltagsszene verwandeln und einer Person oder einem Gegenstand zu strahlender Präsenz verhelfen." (Michael Braun, Lesart des Gedichts FERNDAMPF, WETTERSEITE, In: "Lyrik-Logbuch", VOLLTEXT, Heft Nr. 1 / 2022, Wien)
[2021] "Tom Pohlmann, heute in Leipzig lebend, ist ein nimmermüder Kartograph von Innen- und Außenräumen der modernen Gesellschaft. In seiner Wahrnehmung überwach, entgeht seinem Blick kein Detail, egal ob es sich um den Wartebereich eines Kleinstadtbahnhofs, eine regennasse Plakatwand, einen himmelblauen Plüschsessel oder Aprikosen in einem Kühlschrank handelt. (...) Mit METROPOLITAN TRANSFER legt er nun eine Summe aus zwanzig Jahren Schreiberleben vor, eigentlich drei Gedichtbände in einem." (Volker Sielaff, Buchbesprechung, MDR KULTUR, 07.07. 2021)
[2021] Nach dem Gedichtband METROPOLITAN TRANSFER (2020) veröffentlicht der Notschriften-Verlag zur Buchmesse zwei neue Bücher von mir. Als offizieller Erscheinungstermin gilt der 10. Oktober 2021. Der Band SCHALTJAHR. MILLENNIUM versammelt Reportagen, der Band PRINZHORN IM KONTEXT Essays zur Outsider Art. Mit den Publikationen löse ich bei der Leserschaft ein Versprechen ein, und bin sowohl dankbar als auch froh darüber, dass die Realisierung beider Projekte geglückt ist.