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Ich spreche von Zwetschgen wie über das Holzhacken – Junge Lyrik aus Tschechien

Mittwoch, 28. Januar 2026

19:30 UHR

Veranstaltungsort

Haus für Poesie

Knaackstr. 97
10435 Berlin
http://www.haus-fuer-poesie.org

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Eintritt: 8/5 Euro

Details

Vier tschechische Dichter:innen, die in den letzten Jahren mit vielbeachteten Gedichtbänden debütierten, nominierte die Schriftstellerin und Übersetzerin Iryna Zahladko für diesen Abend.

Štěpánka Borská (geboren 1997) debütierte 2023 mit der Sammlung Prý musíš projít březovým lesem (Pavel Mervart, „Es heißt, du musst durch einen Birkenwald gehen“), in der das lyrische Ich traumwandlerisch durch die Tage gleitet, Scotch und Espresso trinkt, im Kino während des Films den Staubsauger einschaltet und die Familie mit Pressemitteilungen auf dem Laufenden hält. „Die Dichterin erkennt die bestehende Ordnung der Dinge an, versöhnt sich aber nicht mit ihr“, schreibt der Dichter und Übersetzer Tim Postovit. „Sie beansprucht ihr Recht auf ihre eigenen Welten.“

Sufian Massalemas (geboren 1999) Debütband Možnosti přehlíženého (Větrné mlýny, „Die Möglichkeiten des Übersehenen“) erschien 2024 und wurde für den Literaturpreis Jiří Orten nominiert. In der Jury-Begründung heißt es, Massalema gelinge eine „ungewöhnliche Verbindung von alltäglichen Momenten, Sensibilitäten und Erfahrungen aus zwei Kulturen“. Die Gedichte bewegen sich zwischen dem Sudetenland, Prag und dem Nahen Osten, der Region seiner Vorfahren. Das lyrische Ich zieht das Stillleben dem Trubel vor, spricht aus der Position des Beobachters und sucht innere Ähnlichkeit bei äußerer Verschiedenheit.

Mellanie Kašjak (geboren 2005) veröffentlichte 2025 den Gedichtband Objev purpurové barvy („Die Entdeckung der purpurroten Farbe“) zusammen mit dem Zine Nepojmenované části těla („Unbenannte Körperteile“) im Adolescent Verlag. Eine „Zerbrechlichkeit des Intellekts“ bemerkt der Dichter Jiří Štěpán in diesem Band, eine „Zärtlichkeit und Einsamkeit“. Körper, Körperlichkeit und Transidentität sind zentral. Das lyrische Ich entdeckt bisher ungekannte Farben und Empfindungen, sehnt den Moment herbei, indem „die Narben der Männlichkeit“ verschwinden und die „Haare an denselben Stellen weniger wachsen“.

Antonín Zhořecs (geboren 2000) Lyrikdebüt Rejpnu si do solární bouře („Ich piekse den Sonnensturm“) erschien 2023 im Verlag Adolescent und wurde mit dem begleitenden Ausmalbuch für den Preis des schönsten tschechischen Buchs des Jahres nominiert. Im Zentrum des Sonnensturms liegt eine surreale Welt, in der ein Pferd im Mangosee ertränkt wird und weiße Brötchen ans Ufer rollen. Der slowakische Dichter Richard L. Kramár liest die Gedichte als Partituren, in denen „Sequenzen lebhafter, synästhetischer Bilder“ inszeniert werden, „auf Sinneswahrnehmung basierende Miniatursituationen in bemerkenswerter Verlangsamung“.

 

Die Veranstaltung wird tschechisch-deutsch gedolmetscht.
Die Veranstaltung wird finanziell unterstützt von Czechia2026 im Rahmen des Jahres der tschechischen Kultur.

In Lesung & Gespräch Štěpánka Borská, Sufian Massalema, Mellanie Kašjak, Antonín Zhořec
Moderation Irina Bondas

Veranstalter