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alles knorpelt sich wieder hoch – Buchpremiere mit Nea Schmidt & Liv Thastum

Freitag, 27. März 2026

19:30 UHR

Veranstaltungsort

Haus für Poesie

Knaackstr. 97
10435 Berlin
http://www.haus-fuer-poesie.org

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Eintritt: 8/5 €

Details

Gleich zwei Lyrikdebüts, die im Frühjahr bei kookbooks erscheinen, feiern an diesem Abend Premiere im Haus für Poesie: Sprechen in Flechten von Nea Schmidt (geboren 1995 in Leipzig) und åben die erda von Liv Thastum (geboren 1997 in Berlin).

„ich weiß nicht was am Anfang war das Wort oder das Chaos“: In Sprechen in Flechten entwirft Nea Schmidt eine Poetik der Laufmasche, des Schaums, des Myzels. Ein „unerschöpflicher, strudelnder Ideenquell, der sich mit höchster Intelligenz zu einem gleichermaßen privaten wie politischen Lebensratgeber fügt. Diese Gedichte sind für alle, die nicht wissen, weshalb sie am Leben sind“, schreibt Yevgeniy Breyger in der Jurybegründung des Open Mike, bei dem Schmidt im vergangenen Jahr für einen Auszug aus Sprechen in Flechten mit dem Lyrikpreis ausgezeichnet wurde. Das Ich dieser Texte, die lose in Kapitel wie „Jein“, „Lorem ipsum dolor“ oder „Content Not“ unterteilt sind, dehnt den Raum „zwischen den Maschen“ des Sprachgewebes, probiert sich aus, wildert Worte, ordnet sie und lässt sie wieder laufen, „hebt Maschen auf lässt Maschen aus denkt sich Muster aus“. Daraus ergibt sich eine rastlose sprachliche Identitätssuche, die sich ausdehnt, verzweigt, mit vielen Armen und Beinen, umso mehr, da sich durch die Laufmaschen jederzeit in den Abgrund blicken lässt und „der Engel der Geschichte mit vergorenem Blick / u verkümmerten Flügeln abwärts scrollt“.

Das erste von drei Langgedichten in Liv Thastums åben die erda „beginnt mit einem riss, einer spaltung im stein“. Das lyrische Ich wandert nordwärts mit „småskridt“ die Jammerbucht entlang, ertastet am Bulbjerg die Einschreibungen, jede Linie „zeuge mehrerer generationen. eine schicht deutsch. eine schicht dänisch“. Im Zweiten Weltkrieg diente der Bulbjerg als Bunker, mittlerweile ist er ein beliebtes Urlaubsziel – ein Ort der Überlappungen also, ebenso wie der ausgetrocknete „tastum see“, der heute ein Feld ist, ein „feld über dem see“, und mit dem die Autorin, die seinen Namen trägt, sich im Nachwort identifiziert: „vielleicht wurde auch ich geformt, bearbeitet, wurde ausgetrocknet. habe lange versucht feld statt see zu sein, einsprachiges, funktionales feld statt mischgewässer“. Oder wie die mythischen Unterirdischen, denen nachgesagt wird, sie seien Grenzgänger, „die verwiesenen / die nats aus der erda steigen“. Raumzeitlich und sprachlich bewegen sich die Gedichte über deutsch-dänische Grenzlinien hinweg und suchen, mit „knåppeln“ am Mund, ein wucherndes Sprechen zwischen den Sprachen, eine „språche die offen ist für verschiebungen, versprechler“. Für einen Auszug aus ihrem Debütband wurde Thastum zum Open Mike 2024 eingeladen, im selben Jahr erhielt sie den Wortmeldungen-Förderpreis.

 

In Lesung & Gespräch Nea Schmidt, Liv Thastum
Moderation Uljana Wolf

Veranstalter