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Immer sind wir allein, wenn wir den Königen schreiben – Poesie lesen von: Sarah Kirsch

Mittwoch, 23. September 2026

19:30 UHR

Veranstaltungsort

Haus für Poesie

Knaackstr. 97
10435 Berlin
http://www.hausfuerpoesie.org

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Eintritt: 8/5 €

Details

Sarah Kirsch (1935–2013) zählt zu den bedeutendsten Dichter:innen zunächst der DDR und dann des wiedervereinigten Deutschlands.

Berühmt wurde sie, in Gedichtbänden wie Landaufenthalt, ZaubersprücheSchneewärme und Erlkönigs Tochter, für den unverwechselbaren Sound, den man ihr zuschrieb, der aber gleichzeitig die vielen Tonfälle, die ihr zur Verfügung standen, in der öffentlichen Wahrnehmung einschränkte. In ihre Gedichte ist die deutsche Teilung tief eingeschrieben, genauso wie das Empfinden von Schuld und Verantwortung nach den Verbrechen der Nationalsozialisten. Viele ihrer ungewöhnlichsten und berühmtesten Gedichte („Legende über Lilja“ und „Der Milchmann Schäuffele“) klingen nach einer Kirsch, die den Vorgaben des Klischees so gar nicht entsprechen will. Sie ist nicht allein die poetische Landschafterin mit schweifendem Blick durch die Natur. Es sind nicht nur die sanften Schwäne, die „grünschillernden Enten“ oder der Pfau im Rosenbeet, die kennzeichnend für ihr Schreiben wurden, es ist eben auch die alte Frau mit der „vielstelligen Zahl” auf der Innenseite ihres Arms. Und manchmal begegnen sie einander im selben Gedicht.

Die Idyllen mit Schrankenhäuschen und Storch, der durch unvergiftete Wiesen spaziert, erweisen sich so zuweilen als trügerisch. Gleiches gilt für die Selbstporträts mit Esel, Schaf und Katze im heimischen Garten. Ja, sie liebte die Natur, beschwor den süß ins Fenster langenden Sommer, sie „rannte“ den Bäumen nach, liebte die abstrakten und die wirklichen Fische in den Seen, Flüssen und Schüsseln (all die schleimigen Barsche und milchigen Plötzen). Und doch schrieb sie genauso über die „Wechselstuben am Zoo“ und die Nacht, die eine „doppelte Falte“ unter der S-Bahn bildet. Manchmal herrscht ein herrlicher Eigensinn, ja Trotz in diesen Texten: „Grenzpapiereachwas hier bin ich.“ Sie konnte „bös bis in die Wimpern“ sein wie der Tiger, in den sie sich verwandelte, und ab und an liegt ein Anflug von Gewalt in ihren Versen: „ein Streichholz offene Türen der Wind / Vollendet die Arbeit“.

 

Vorab findet um 17:30 ein Warm-Up statt, bei dem gemeinsam Gedichte von Sarah Kirsch gelesen werden: Let’s read Sarah Kirsch!

In Lesung & Gespräch Marit Heuß, Uwe Kolbe, Judith Zander
Moderation Steffen Popp

Veranstalter