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Frucht voller Schrauben – Ein Abend mit Daniel Falb & Joshua Groß

Montag, 05. Oktober 2026

19:30 UHR

Veranstaltungsort

Haus für Poesie

Knaackstr. 97
10435 Berlin
http://www.hausfuerpoesie.org

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Eintritt: 8/5 €

Details

An diesem Abend treffen zwei Schriftsteller aufeinander, die sich auf je unterschiedliche Art und Weise poetisch-essayistisch mit dem Phänomen KI auseinandersetzen.

Der Dichter Daniel Falb (geboren 1977 in Kassel) deutet in seinem neuen Band Große Sprachmodelle (Matthes & Seitz 2026) die Evolution Künstlicher Intelligenz, die in den letzten Jahren enorm an Fahrt aufnahm und die Menschen hineinriss in eine rasante Abfolge von Entwicklungsepochen, als „transkulturelle Offenbarungsgeschichte“. Ein uralter Animus trifft auf eine neue Variante mit grundstürzenden Folgen. Das alles geht einher mit einer fundamentalen Kränkung des schöpferischen Subjekts – aus der Traum vom souveränen Originalgenie, das alles allein aus eigener Eingebung bezieht. Falb redet mit diversen Chat- und Deadbots (letztere werden mit Daten von Verstorbenen versorgt, um für posthume Begegnungen mit den Hinterbliebenen gerüstet zu sein). Er konfrontiert unterschiedliche große Sprachmodelle, deren Vorgänger- und Nachfolgersysteme er in einer kühlen Volte als „Frucht voller Schrauben“ imaginiert, mit der immer gleichen Aussage einer existenziellen Selbstvergewisserung: „Ich war hier.“ Außerdem geht er der Frage nach, inwieweit Maschinen Agenten eines Homogenozäns sind, die aktiv zum gegenwärtigen Sprachensterben beitragen und dem innersprachlichen Dialekt- und Diversitätsverlust Vorschub leisten. Schließlich geht es um die zentrale Rolle, die bestimmten spezialisierten Maschinen, wie zum Beispiel dem KI-Zielsystem Lavender, bei der modernen Kriegsführung zukommt.

Joshua Groß (geboren 1989 in Günzburg, Bayern) tritt in seiner dreiteiligen Frankfurter Poetikvorlesung unter dem Titel Neben sich selbst hergehen. Denken in Avataren eindrucksvoll und witzig den „Gleichschaltungssehnsüchten des Generischen“ entgegen. Am Beginn eines „verstörenden KI-Zeitalters“ verteidigt er, Ossip Mandelstam zitierend, die Dichtung als eine Disziplin des „tätigen Verstehens“, das sich vom lediglich Nachschaff enden und Nacherzählenden grundsätzlich unterscheidet. Mit Groß bewegen sich die Zuhörer:innen „durch die geborgten Jahre mit Neugier und Verzweiflung“. Es geht um die Vorteile des Shapeshiftings am Beispiel eines Eidechsenhologramms, das als elaboriertes Faschingskostüm dient, um 3D-Körperscans als Gesundheitsavatare, um Daten erhebende technopolitische Lampenköpfe und um Refugien des Imaginären und Übernatürlichen in „Überwachungsstrukturen kommender Smart Cities“. Außerdem werden überraschende Verbindungen hergestellt zwischen einerseits Street Fighter und Mahjong und andererseits zwischen One Piece und Bruno Schulz’ Zimtläden. Am Ende steht die Erkenntnis von der Gnade der Literatur und die Erinnerung an die Wonnen von Schmelzkäsetoasts auf einem Kontaktgrill.

 

In Lesung & Gespräch: Daniel Falb, Joshua Groß
Moderation: Insa Wilke

Veranstalter