Festivalrede von "Übersetzen & Weltretten", dem Festival für Literaturübersetzung: Zwischen den Sprachen eröffnen sich Möglichkeiten. Annette Hug findet im Übersetzen Funken von Zuversicht. Auch im Roman Tiefenlager (2021) sucht sie nach Wörtern, die aus Kolonialsprachen und der bedrohlichen Gegenwart ausbrechen.
„Es ist nicht auszuschließen, dass wir gemeinsam klüger sind als allein“, sagt Céline, eine Figur in Annette Hugs Roman Tiefenlager (2021). Der Satz beruht auf guten Erfahrungen in vielsprachiger Zusammenarbeit. Der Raum zwischen den Sprachen öffnet unerwartete Möglichkeiten. „Ruhe bewahren, sorgfältig denken haben wir gelernt“, sagt Céline, als gehöre sie zum weltweiten Netzwerk aus Übersetzer:innen, die genau lesen, nachfragen und ihre eigenen Sprachen lebendig halten. Gerade wenn die Dringlichkeit hoch ist.
Ausgehend von ihrer eigenen Arbeit als Übersetzerin aus dem Tagalog und als Schriftstellerin geht Annette Hug den kleinen Funken nach, wo sich Zuversicht regt. Ein Jahr, nachdem die Philippinen Gastland bei der Frankfurter Buchmesse waren, spricht sie über Übersetzung als politischen und poetischen Akt: Finden wir Wörter, um aus den gewaltvollen Kolonialsprachen und der bedrohlichen Gegenwart auszubrechen?
Annette Hug ist 1970 in der Schweiz geboren. Sie hat in Zürich Geschichte und in Manila Women and Development Studies studiert. Nach Tätigkeiten als Dozentin und Gewerkschaftssekretärin lebt sie seit Januar 2015 als freie Autorin. Im rotpunktverlag erschienen 2008 Lady Berta und 2010 In Zelenys Zimmer, im Verlag Das Wunderhorn Wilhelm Tell in Manila (2016) und Tiefenlager (2021). Annette Hug wurde 2017 mit einem Schweizer Literaturpreis ausgezeichnet. Von August 2018 bis April 2026 erschien in der Wochenzeitung WOZ ihre Kolumne Ein Traum der Welt. Seit 2024 veröffentlicht sie Übersetzungen von Filipino (Tagalog) ins Deutsche, so die Romane Das Meer der Aswang von Allan N. Derain und Die 70er von Lualhati Bautista.
Diese Veranstaltung ist Teil von "Übersetzen & Weltretten" - dem Festival für Literaturübersetzung vom 11.-25. September in Berlin. Mehr Infos: https://weltretten.weltlesebuehne.de/