Der deutsch-englische Dichter Michael Hofmann (geboren 1957 in Freiburg) veröffentlichte zwischen 1983 und 1999 vier Gedichtbände. Darin finden sich einige der vielleicht schönsten Vater-Gedichte, die in jüngerer Zeit geschrieben wurden. (Hofmann ist der Sohn des deutschen Schriftstellers Gert Hofmann.) Mit Feineinstellungen (DuMont 2001) erschien eine umfangreiche Auswahl seiner Gedichte in der Übersetzung von Marcel Beyer.
Nach Approximately Nowhere (1999) veröffentlichte Hofmann fast zwei Jahrzehnte lang keinen neuen Gedichtband. Er bekannte: „Ich habe vergessen, was ein Gedicht ist – oder schlimmer, habe nur noch eine Erinnerung daran.“ In dieser Zeit arbeitete er vor allem als Literaturkritiker, unter anderem für die London Review of Books, die New York Times Book Review und Poetry. Zudem übersetzte er zahlreiche Werke der deutschsprachigen Literatur ins Englische, darunter Bücher von Heinrich von Kleist, Franz Kafka, Alfred Döblin und Irmgard Keun.
Nach fast zwanzigjährigem Schweigen meldete er sich mit One Lark, One Horse (Faber & Faber 2018) als Dichter zurück. Die Gedichte sind, ähnlich wie die seiner bewunderten Vorbilder Robert Lowell und John Berryman, eng mit der eigenen Biografie verwoben: ein Selbstporträt des Dichters in mittleren Jahren.
Einige dieser Gedichte wurden damals von Marcel Beyer und Jan Wagner unabhängig voneinander ins Deutsche übersetzt. Wagner erinnert sich an die „reizvolle Idee“ des Haus für Poesie, beide Übersetzer mit denselben Gedichten zu betrauen und die unterschiedlichen Fassungen anschließend im Beisein des Autors öffentlich vorzustellen. Ein Abend, der zum Vergleich und zum Disput einlud und ein Gespräch über die Freuden und Mühen des Übersetzens eröffnete. Noch Jahre später, so Wagner, erreichten ihn zu seiner eigenen Verblüffung begeisterte Rückmeldungen von Menschen, die damals im Publikum zugegen waren.
Anlässlich der Veröffentlichung des vollständigen Gedichtbandes Pferd und Lerche (Edition Lyrik Kabinett 2026) kehrt Michael Hofmann gemeinsam mit seinen beiden Übersetzern, Marcel Beyer und Jan Wagner, ins Haus für Poesie zurück.
In Lesung & Gespräch Marcel Beyer, Michael Hofmann, Jan Wagner