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»Verschalte Verbindungen« – Lange Nacht der engagierten Lyrik

Donnerstag, 08. Dezember 2022

19:30 UHR

Veranstaltungsort

BrotfabrikBühne

Caligariplatz 1
13086 Berlin
Tel.: +49 30 471 40 02
ag(at)brotfabrik-berlin.de
http://brotfabrik-berlin.de

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Eintritt: 9,- / ermäßigt 7,- Euro

Details

»Es wird wieder politisch gedichtet, aber unter neuen Vorzeichen«, stellte die Lyrikerin und Herausgeberin Ulrike Almut Sandig im Nachwort des Jahrbuchs der Lyrik aus dem Jahr 2017 fest. Dazu gehört, dass sich Lyriker*innen einer »Zeit sozialer und ethischer Neustrukturierung« bewusst werden. Und sie maßen sich nicht mehr an, »es besser zu wissen als ihre Leser*innenschaft«.

Zahlreiche poetische wie poetologische Veröffentlichungen der letzten fünf Jahre belegen diese Behauptung. Der zärtliche Blick auf den Körper und das Private als Gegenstand lyrischer Beobachtung sind politisch geworden. Die Deutungen engagierter Lyrik haben sich verändert. Sie zeigen sich heute als Widerstand gegen Gelerntes und als Weg zum Verlernen traditioneller Wertmaßstäbe. Poetisches Schreiben fordert das gewohnte Denken heraus und rückt inklusive soziale Normen in den Fokus.

Dieses poetisch-politische Engagement wollen wir feiern und zugleich kritisch nachfragen, wie Lyriker*innen selbst diese Entwicklungen wahrnehmen. In einer Langen Nacht der engagierten Lyrik präsentiert die BrotfabrikLiteratur vielfältige Stimmen aktueller, deutschsprachiger Lyrikproduktion. Es lesen Caca Savic, Tim Holland, Rike Scheffler, Muri Darida, Swantje Lichtenstein und Raphael Koranda. Moderiert von Jim Baker, Andrea Schmidt und Tillmann Severin.

Tim Holland (*1987) studierte nach einer Ausbildung zum Buchhändler am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Er ist Autor und Literaturvermittler und seit 2017 Co-Verleger von hochroth München. Nach »vom wuchern« (Gutleut Verlag, 2016), erschien 2022 sein zweiter Gedichtband »wir zaudern, wir brennen« (Matthes & Seitz). Zuletzt gab er u. a. die SF-Anthologie »Kollaps und Hope Porn – 13 Zukunftsaussichten« (2022) im Maro Verlag heraus.

Muri Darida (*1993) ist Autor*in, Journalist*in und Übersetzer*in, lebt gerade in Budapest, meistens aber in Berlin. Journalistische Publikationen u. a. für ZEIT ONLINE, ze.tt, jetzt.de, ARD Kontraste. Literarisches für GYM, Parabolis Virtualis, transcodiert und Schreiben gegen die Norm(en)?. Muri Daridas Kurzgeschichte »Der Landkartenarm« war auf der Shortlist des Wortmeldungen-Literaturpreises.

Caca Savic wurde 1977 in Österreich geboren und lebt seit 2005 als Autorin in Berlin. Sie studierte Kunst- und Kultursoziologie sowie Architektur in Wien. 2020 erschien ihr Lyrikdebüt »Teilchenland« im Verlagshaus Berlin. In ihrer Arbeit erforscht sie Schnittstellen von Literatur, Körper und Raum. Im Rahmen des Festivals Archäologie des Verlusts 2022 in Berlin entstand der Theatertext »Spalten – Körper-Raum-Verformungen«. Sie ist Teil des Redaktionskollektivs der Zeitschrift »PS – Politisch schreiben, Anmerkungen zum Literaturbetrieb«.

Rike Scheffler (*1985) arbeitet transdisziplinär in den Bereichen Lyrik, Performance, Installation und Musik. Für ihre Arbeit erhielt sie 2014 den Orphil Debütpreis für politisches und avantgardistisches Schreiben sowie weitere Förderungen und Stipendien. Ihre Gedichte wurden in mehrere Sprachen übersetzt. Als Live-Performerin kreiert sie mit Stimme, Loopmaschine, Synthesizer und Effektgeräten immersive Realitäten, die gängige Wahrnehmungen in Frage stellen. Ihr neuer Gedichtband »Lava.Rituale« erscheint im Herbst bei kookbooks.

Raphael Koranda (*1995) wuchs queer zwischen Deutschland und Irland auf, schreibt Lyrik und Prosa auf Englisch und übersetzt ins Deutsche. Raphaels Arbeiten erforschen queere Verkörperungen, sprachliche Strukturen und chaotische menschliche Beziehungen. Sie sind digital (Kabeljau & Dorsch, Stadtsprachen Magazin) und gedruckt (Edit, fourteen poems, Parabolis Virtualis) erschienen. 2022 nahm Raphael an der Schreibwerkstatt »Vergangenheit vorhersagen« mit Luna Ali und am Schreiblabor »Unerkanntes in meine Sprache übersetzen« in Eisenach teil.

Swantje Lichtenstein (*1970) ist Poetin, Künstlerin, Performerin, Professorin. Sie arbeitet zwischen den Künsten und an deren Grenzen, performativ, textuell, elektro-akustisch, klanglich und theoretisch. Ihre Grundlage sind Sprache, poetische Klangkunst und konzeptuelle Texte aus einer transmedialen, feministischen Perspektive. Sie übersetzte Poesie und Theorie und lehrt seit 2007 als Professorin für Text und Ästhetische Praktiken an der Hochschule Düsseldorf. Aktuelle Veröffentlichungen im Verlagshaus Berlin sind die Lyrikbände »Am Ende der Weißheit / Verschalte Verbindungen« (2021) und der Essay »Geschlecht« (2. Auflage, 2020).

Veranstalter