Der neue Bereich unseres Portals macht es sich zum Anliegen, die internationalen Literaturszenen Berlins zu kartographieren, die handelnden Personen und ihre Schauplätze sichtbar und zugänglich zu machen. 
Die Entstehung der Rubrik wurde durch eine Förderung des Hauptstadtkulturfonds ermöglicht. 

Hensli Rahn Solórzano

Autor/In

Foto: Carsten Meltendorf
© Hensli Rahn Solórzano

Steckbrief

Geboren am: 30.3.1982
Geburtsort: Caracas
Geburtsland: Venezuela
Lebt in: Berlin, Kreuzberg


Arbeitssprache: Spanisch

Vita

Hensli Rahn Solórzano, geboren 1982 in Venezuela, ist Schriftsteller und Musiker. Von ihm erschienen bisher zwei Erzählbände: Dinero fácil („Leichtes Geld“, Libros del Fuego, 2014), ausgewählt von der Tageszeitung El Universal als besten Kurzgeschichtenband des Jahres, und Crónicamente Caracas („Caracas chronisch“, FCU, 2008), der eine besondere Erwähnung des Premio Transgenérico der Fundación para la Cultura Urbana erhielt. Für seine Kurzgeschichten hat er in Venezuela mehrere Preise erhalten. 2016 war Rahn Solórzano „Writer in residence“ des International Writing Program der University of Iowa. Er lebt in Berlin. Twitter: @henslirahn

6 Fragen

Was hat Sie nach Berlin verschlagen? Die Liebe? Der Zufall? Die Weltpolitik?

Für eine lange Zeit glaubte ich, dass ich Berlin (und damit auch Deutschland) ausgewählt habe, als eine Art von Paradies, wo ich leben würde: eine facettenreiche Stadt in einer liberalen Demokratie. Doch im Laufe der Jahre habe ich erkannt, dass die Wörter „Liebe“ und „Zufall“ viel mehr mit meiner Entscheidung, in Berlin zu bleiben, zu tun haben. Kurz nach meiner Ankunft fand ich einen Job. Ich nahm wieder an Veranstaltungen in Buchhandlungen teil, veröffentlichte Artikel in der digitalen Presse, und lernte meine Frau in dem schönsten Café in Mitte kennen. Andererseits war es nicht die „Weltpolitik“, die mich dazu bewegte, Venezuela zu verlassen, sondern der garantierte Hunger und die Unterwerfung, die von der venezolanischen Diktatur erzwungen wurden.


An Berlin liebe ich:

Es gibt mehrere Sachen, aber hier werde ich nur ein paar erwähnen. Die Menschen, die mitten auf der Straße stehen bleiben und die Augen schließen, wenn sie einen Sonnenstrahl wahrnehmen. Die Frau am Fenster in der Alten Nationalgalerie. Das violette Schimmern des Abendlichts. Das Gefühl von Sicherheit, das nur die Innenhöfe von bestimmten Altbauhäusern bieten.


In Berlin vermisse ich:

An den heißesten Sommertagen vermisse ich immer die Erdbeer- oder Ananas-Saft-Slushies an der Universidad Central de Venezuela.


Ein Lieblingsort in Berlin:

Der Landwehrkanal, denn seine Ufern eignen sich perfekt für meine tägliche Wanderung.


Sind Sie in Berlin ein anderer Mensch, eine andere Autorin, ein anderer Autor als im Land Ihrer Herkunft? Inwiefern?

Ja, ich habe das Glück, durch meine neue Heimatstadt verändert, oder besser gesagt, bereichert zu sein. Auf persönlicher Ebene glaube ich, dass ich ein anderer Mensch geworden bin, nicht so sehr, weil ich nach Berlin gekommen bin, sondern weil meine beiden Kinder hier geboren wurden. Ich weiß nicht, ob mich das zu einem anderen Autor macht als dem, der ich früher war. Was ich jedoch mit Sicherheit sagen kann, ist, dass es mich in Demut schult, nur ein paar U-Bahn-Stationen von dem Ort entfernt zu wohnen, an dem Nabokov seine ersten Romane schrieb, und noch ein paar weitere von dem Ort, an dem Vargas Llosa sein wunderbares Buch El pez en el agua vollendete, um nur zwei Beispiele zu nennen.


Ein literarisches Werk, das ich gern geschrieben hätten:

Herz der Finsternis von Joseph Conrad. Es gibt noch weitere Werke, die ich gerne geschrieben hätte, aber glücklicherweise wurde ich nur um eines gebeten, also hier ist es.

Würdigung

Besondere Erwähnung im Kurzgeschichtenwettbewerb der Tageszeitung El Nacional, 2014; erster Platz der 9. Ausgabe des jährlichen Wettbewerbs der Gesellschaft der Autoren und Komponisten Venezuelas Sacven, 2013; erster Platz der 4. Ausgabe des Erzählwettbewerbs der Policlínica Metropolitana, 2010; und besondere Erwähnung in der 5. Ausgabe des jährlichen Wettbewerbs des Premio Transgenérico der Fundación para la Cultura Urbana, 2006.

Der Erzählband Dinero fácil war 2015 Finalist um den Grand Prix del Congrès des écrivains in Guadalupe; Erwähnung in der Liste „Diccionario abreviado de cronistas hispanoamericanos“ (Kurzes Verzeichnis der hispanoamerikanischen Chronisten) in der Anthologie Mejor que ficción („Besser als Fiktion“, Ed. Anagrama, 2012) herausgegeben von Jorge Carrión.