Dieter Wellershoff

1985
© Renate von Mangoldt

Steckbrief

geboren am: 3.11.1925
geboren in: Neuss am Rhein
lebt in: Köln

Vita

Dieter Wellershoff wurde 1925 in Neuss am Rhein geboren, wuchs in Grevenbroich am Niederrhein als Sohn des Kreisbaumeisters Walter Wellershoff auf und war von 1943 bis 1945 Soldat im 2. Weltkrieg. Die Erfahrung, nur zufällig am Leben geblieben zu sein, wurde nach eigenem Zeugnis für ihn der entscheidende und nachhaltige Impuls für einen völligen Neuanfang. Nachdem er in einem Sonderlehrgang für Kriegsteilnehmer das Abitur nachgeholt hatte, studierte er ab 1947 an der Universität Bonn Germanistik, Kunstgeschichte und Psychologie. Im Frühjahr 1952 schloss er das Studium mit einer Doktorarbeit über Gottfried Benn ab und heiratete seine Studienkollegin Dr. Maria von Thadden. Der Ehe entstammen drei Kinder: Irene, Gerald und Marianne.
Nach dem Studium gab Dieter Wellershoff die überregionale „Deutsche Studentenzeitung“ heraus, schrieb Nachtprogramme und Hörspiele für verschiedene Rundfunksender, edierte die Werke Gottfried Benns, über den er das erste zusammenfassende Buch schrieb und wurde 1959 Lektor im Verlag Kiepenheuer & Witsch, in dem auch heute noch seine Bücher erscheinen. Als Lektor baute er eine wissenschaftliche Verlagsabteilung auf, holte junge Autoren wie Rolf Dieter Brinkmann und Nicolas Born, später auch Günter Wallraff und Wolf Biermann in den Verlag und betreute die Werke von Heinrich Böll.
Ab Mitte der 60er Jahre reduzierte er seine Lektoratsarbeit auf drei Tage in der Woche und begann eigene Bücher zu schreiben, die dem Konzept eines innovativen phänomenologischen Realismus folgten, in dessen perspektivischer Schreibweise Anregungen des Films und der Psychologie verschmolzen waren. Die Welt erscheint darin in Gestalt intimer, krisenhafter Erfahrungsprozesse als eine leidenschaftliche Suche nach Erfolg und Glück, die im Grenzfall in die Dunkelzonen von Verbrechen und Wahn führt.
Dieter Wellershoff schrieb Romane, Novellen und Erzählungen, Hörspiele und Drehbücher und zahlreiche Essays zu literarischen und zeitgeschichtlichen Themen. Außerdem veröffentlichte er mehrere autobiographische Bücher, zum Beispiel das als mentalitätsgeschichtliches Dokument gerühmte Buch „Der Ernstfall. Innenansichten des Krieges“ (1995), in dem er seine Erfahrungen als Soldat im 2. Weltkrieg dargestellt hat. Zuletzt erschienen sein viel beachteter, auch verfilmter Roman „Der Liebeswunsch“ (2000) und „Der verstörte Eros. Zur Literatur des Begehrens“ (2001), ein Buch über Liebe und Leidenschaft als Thema der Literatur von Goethes Werther bis zur Gegenwart. 2005 erschien ein Band mit neuen Erzählungen unter dem Titel „Das normal Leben“, und 2007 ein Buch mit Texten zur Zeitgeschichte, Lebensgeschichte und zur Literatur unter dem Titel „Der lange Weg zum Anfang“. 2009 erschien der Roman „Der Himmel ist kein Ort“.
Übersetzungen seiner Werke erschienen in 15 Sprachen.

Wellershoff hielt Vorlesungen und Seminare zur Poetologie an vielen in- und ausländischen Universitäten, zuletzt im Wintersemester 1995/96 in Frankfurt am Main. Der Sinn der Literatur ist laut Wellershoff „die Erweiterung und Vertiefung der Wahrnehmung des Lebens“. Er hat die Literatur als eine imaginäre Probebühne beschrieben, auf der wir uns alle Möglichkeiten des menschlichen Lebens vor Augen führen.

Würdigung

u.a.
1960  Hörspielpreis der Kriegsblinden
1969  Deutscher Kritikerpreis
1988  Heinrich Böll-Preis
1995  Verdienstkreuz des Landes Nordrhein-Westfalen
2001  Friedrich-Hölderlin-Preis
2001  Joseph-Breitbach-Preis
2002  Niederrheinischer Literaturpreis der Stadt Krefeld
2005  Ernst-Robert-Curtius-Preis für Essayistik
2007  Kulturpreis der Sparkassen-Kulturstiftung Rheinland

Werk

Eigenständige Veröffentlichungen

Über Werk / Autor

Dieter Wellershoff: Studien zu seinem Werk, hg. von Manfred Durzak, Hartmut Steinecke, Keith Bullivant und Günter Helmes

Kiepenheuer & Witsch1990

Literaturport ID: 1198