Leselampe

Buchempfehlung der Woche

von Filip Florian
Rumänischer Autor und Journalist (Gerade ist bei Matthes & Seitz sein Roman "Alle Eulen" herausgekommen. 2008 ist sein vielfach ausgezeichneter Roman "Kleine Finger" im Suhrkamp Verlag erschienen und wurde in mehrere Sprachen übersetzt.)

M. Blecher
Aus der unmittelbaren Unwirklichkeit
(Roman); Aus dem Rumänischen von Ernest Wichner, Suhrkamp Verlag 2003

Dieses Buch ist ein seltenes Kleinod, heute noch ebenso erstaunlich wie 1936, als es in Bukarest erschien. Gewiss ist allerdings, dass die Zeit zu seinen Gunsten gewirkt hat, als hätte die Herrlichkeit der Literatur als einer guten Macht über alles urspüngliche Böse gesiegt, nämlich über Max Blechers furchtbare Krankheit, die Knochentuberkulose, die ihn fast ein Jahrzehnt lang ans Bett gefesselt hat, von den Anfängen seiner Studienzeit bis zum bitteren Ende. Die Vollkommenheit der Erzählkunst, der eher nach innen denn in die Welt unter der Sonne gerichtete Blick, der Schwebezustand zwischen Gedanken und Träumen, die Wiederbelebung der Kindheit nicht durch einstige Geschehnisse, sondern durch Empfindungen, durch ein wundersames Gedächtnis für Klänge, Gerüche und Nuancen, eine verhaltene Trauer und eine Art Lossagung von den Menschen machen „Aus der unmittelbaren Unwirklichkeit“ zu einem einzigartigen, nachgerade zaubrischen Roman. Heute ist er in Rumänien ein Kultbuch, das unzählige Schriftsteller geprägt hat, nachdem es 35, ja 40 Jahre lang überhaupt nicht beachtet wurde, wohl weil es unvereinbar ist mit einem konservativen, verstaubten literarischen Kanon. Die deutsche Ausgabe (Bibliothek Suhrkamp, 2003) erfreute sich der Übersetzung von Ernest Wichner und eines Nachwortes von Herta Müller. (Dieser Text wurde von Georg Aescht aus dem Rumänischen übersetzt.)

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