Judith Kuckart

© Renate von Mangoldt (2001)

Steckbrief

geboren am: 17.6.1957
geboren in: Schwelm bei Wuppertal, Nordrhein-Westfalen
lebt in: Berlin, Charlottenburg

Vita

Judith Kuckart wurde in Schwelm bei Wuppertal geboren und lebt als Schriftstellerin und Regisseurin in Berlin und Zürich.

Das Studium der Literatur- und Theaterwissenschaften in Köln
und Berlin schloss Judith Kuckart 1984 mit einer Magisterarbeit über Else Lasker-Schüler ab, die in der Collection S. Fischer veröffentlicht wurde. Während des Studiums schrieb sie Film-
und Theaterrezensionen für verschiedene Berliner Zeitungen und "Theater heute". 1984 gründete sie das Tanztheater Skoronel.
Ihr erster Roman "Wahl der Waffen" erschien 1990. Es folgten
– jeweils im Abstand von vier Jahren – die Romane "Die schöne Frau", "Der Bibliothekar" und "Lenas Liebe" und 2003 der Erzählungsband "Die Autorenwitwe". 2006 erschien "Kaiserstraße" und 2008 Judith Kuckarts neuester Roman "Die Verdächtige".

Zum Schreiben kam Judith Kuckart nicht in erster Linie über das Literaturstudium, sondern über Tanz und Theater. Nach dem Unterricht in klassischem Ballett und modernem Tanz in Düsseldorf und Essen und nach prägenden Theaterbesuchen bei Pina Bausch entwickelte sie 1984 zusammen mit vier Ensemblemitgliedern in Berlin ein erstes eigenes Tanzstück, "Kassandra", nach Christa Wolfs Roman. Die junge Compagnie gab sich den Namen Skoronel. 1985 besuchte Judith Kuckart auf Zuraten von Hans Züllig die Folkwangschule Essen, bis Johann Kresnik sie als Assistentin für das Tanzstück "Pier Paolo Pasolini" an sein Choreographisches Theater in Heidelberg engagierte. 1986, mit der zweiten Produktion "Ophelia, kann sein", begann sich das Tanztheater Skoronel bei Publikum und Kritik zu etablieren. Zusammen mit Jörg Aufenanger, Mitautor der Skoronel-Dokumentation "Eine Tanzwut" (1989), leitete Judith Kuckart das Ensemble bis 1998. Oft in Koproduktion mit großen Theatern entstanden insgesamt siebzehn Produktionen, für die Judith Kuckart Stoffe und Choreografien entwickelte und später auch Libretti und Stücke schrieb, die sie selbst inszenierte. Von Anfang an ging es Judith Kuckart in der Arbeit mit Skoronel darum, Körpersprache und poetische Sprache als Einheit erfahrbar zu machen. Grundlage waren zunächst Texte anderer Autoren, seit dem Stück "Charlotte Corday" (1989) fast immer eigene Texte, die zunehmend narrativen Charakter entwickelten und wie in "Last Minute, Fräulein Dagny" (1995) und "Melancholie 1 oder die zwei Schwestern" (1997) komplexe Geschichten erzählten. Seit der Auflösung von Skoronel arbeitet Judith Kuckart als freie Regisseurin. Sie inszenierte u.a. Kleists "Penthesilea" (1999) am Stadttheater Baden-Baden und ihr eigenes Stück "Blaubart wartet" (2002) im Rahmen der Berliner Festspiele.

In Judith Kuckarts Romanen und Erzählungen bleiben Tanz und Theater präsent. Die "Ästhetik des Tanzes im Text" (Monika Maron über "Wahl der Waffen", Der Spiegel, 1990) und "die Genauigkeit in der Beobachtung von Körpersprache" (Rainer-K. Langner über "Die schöne Frau", NDL, 1994) wurden schon in den ersten Büchern bemerkt. Daneben sind es vor allem die Biografien der Romanfiguren, in denen sich die Bühnenerfahrung der Autorin spiegelt. Die Schauspielerin Lena und die Tänzerin Jule in "Lenas Liebe" und "Kaiserstraße" ebenso wie Figuren aus den früheren Romanen verbindet das Wagnis der Bühne. Mehr noch verbindet sie im Leben: die leidenschaftliche Suche nach einer Geschichte – und sei es die deutsche –, die größer ist als die eigene.

Würdigung

1991 Rauriser Literaturpreis
1993 und 2003 Förderstipendium des Deutschen Literaturfonds
1997 Stadtschreiberin Rheinsberg
1997/98 Deutsche Akademie Rom, Villa Massimo
2000 Villa Aurora, Los Angeles
2000 Villa Decius, Krakau
2001 und 2004 Kunststiftung NRW
2002 Werkbeitrag Pro Helvetia
2003 Herrenhaus Edenkoben, Aufenthaltsstipendium
2004 Deutscher Kritikerpreis
2004 Zuger Kulturstiftung Landis & Gyr, Budapest-Aufenthaltsstipendium
2004 Kranichsteiner Literaturpreis, New York-Stipendium
2005 Stiftung Preußische Seehandlung, Arbeitsstipendium
2006 Margarete-Schrader-Preis für Literatur der Universität Paderborn
2006 Werkjahr der Stadt Zürich,
2008 Calwer Hermann-Hesse-Stipendium

Aktuelles

Aktuelle Veranstaltungen mit Judith Kuckart finden Sie unter www.dumontliteraturundkunst.de oder www.judithkuckart.de

Werk

Eigenständige Veröffentlichungen

Veröffentlichungen in Anthologien

85/87/99 – Vierzehn Jahre DDR

C.H. Beck 2003

Hochzeitsmärchen

Rowohlt 2003

Nadine aus Rostock

S. Fischer 2001

Das Vierzigste Jahr

Piper 2001

Lieber Lord Chandos

S. Fischer 2002

Queensize; Was ist denn das, authentisch? (Auszug aus einem Theaterstück)

edition selene 2004

Einträge im Register der Literaturzeitschriften

Über Werk / Autor

Elena Agazzi: Erinnerte und rekonstruierte Geschichte. Drei Generationen deutscher Schriftsteller und die Fragen der Vergangenheit

Vandenhoeck & Ruprecht2005

Helmut Mörchen: Spurensuche. Anmerkungen zur Verarbeitung von NS-Vergangenheit in zwei deutschen Romanen der neunziger Jahre

Zeitschrift für Literaturwissenschaft und Linguistik, H.1101998

Thomas Hoeps: Vom nicht gelebten Leben und der Suche nach einer anderen Radikalität - der Blick der „Nachgeborenen“ auf Terrorismus und Gesellschaft. In: ders.: Arbeit am Widerspruch. „Terrorismus“ in deutschen Romanen und Erzählungen (1837-1992)

Thelem2001

sonstige Werke

SKORONEL-Produktionen:

"Ophelia, kann sein" (Premiere 9.6.1986, Café de la danse, Paris)

"Esperanza Hotel" (Premiere Mai 1987, Theater zum Westlichen Stadthirschen Berlin)

"Mathilde" (Premiere Mai 1988, Theatermanufaktur Berlin)

"Charlotte Corday, Mörderin Marie" (Text: Judith Kuckart, Regie: Jörg Aufenanger, Choreographie: Judith Kuckart, Uraufführung: 20.4. 1989, Opernhaus Duisburg)

"Vincent fressen ihn die Raben" (Premiere Juli 1989, Martin Gropius-Bau Berlin)

"Das Lächeln der Ophelia". Ein Theaterstück für Tänzer, Schauspieler und Musiker (Choreographie: Judith Kuckart, Regie: Jörg Aufenanger, Premiere 8.6.1991, Schauspielhaus Wuppertal)

"Noli me tangere". Ein Theaterstück in 14 Stationen (Gewidmet der Dichterin und Essayistin Hedwig Rohde, Text: Judith Kuckart, Regie: Jörg Aufenanger, Choreographie: Judith Kuckart, Premiere: 10.10.1990, Berlin)

"Agrippina". Trauerspiel, (Von Daniel Casper Lohenstein, Regie: Jörg Aufenanger, Choreographie: Judith Kuckart, Uraufführung: 30.10.1991, Theatermanufaktur am Halleschen Ufer Berlin)

"Homme fatal" (Von Judith Kuckart, Premiere 15.7.1993, Berlin)

"Last Minute, Fräulein Dagny" (Von Judith Kuckart, Inszenierung: Jörg Aufenanger und Judith Kuckart, Premiere 28.4.1995 Freie Kammerspiele Magdeburg/ 4.5.1995 Landestheater Württemberg-Hohenzollern Tübingen/18.7.1995 Schiller-Theater Berlin)

"Der Else-Club" (Von Judith Kuckart und Jörg Aufenanger, Premiere 28.5.1995 Schauspielhaus Wuppertal/26.7.1995 Schiller-Theater Berlin)

"Melancholie 1 oder die zwei Schwestern" (Von Judith Kuckart, Regie: Jörg Aufenanger, Premiere: 18.12.1996, Berliner Ensemble)

Bertolt Brecht: "Die Judith von Shimoda. Die Geschichte der Ausländerhure Okichi" (Regie/Choreographie: Jörg Aufenanger und Judith Kuckart, Premiere 20.12.1997 Berliner Ensemble/3.2.1998 Teatro Vascello Rom)


Hörspiele:

Stimmen Unterwegs
oder
Wer dreimal die gleiche Bar betritt hat ein Zuhause im Stehen
Hörspiel SWR 2008
Mit: Astrid Meyerfeldt
Regie: Ulrich Lampen

"Krimisommer: Kommissar Maigret" (mit Christian Berkel, Friedhelm Ptok, Christian Brückner u.a.
Romanbearbeitung und Hörspielregie für vier Kriminalromane von Georges Simenon, SFB-ORB/MDR/SWR, 2003)

"Sätze mit Datum" (Hörspiel mit Anne Tismer, Regie: Hans Gerd Krogmann, SWR, 2000)

"Melancholie 1 Oder die zwei Schwestern" (Hörspiel nach dem gleichnamigen Theaterstück
mit Werner Wölbern, Corinna Kirchhoff, Jenny Gröllmann, Gisela Uhlen, Sascha Icks, Anne Moik-Stötzer, Irm Hermann, Götz Schulte, Pierre Bliss, Antje von der Ahe, Heidemarie Schneider
Regie: Barbara Plensat, SFB/ORB, 1998)





Radiofeatures (Auswahl:

"Her mit dem schönen Leben" (Über Wladimir Majakowski, Mit: Marianne Hoppe und Martin Wuttke
Rias Berlin, 1995)

"Boule et Cie" (Simenons Dienstmädchen, SWR, 2002)

"VEB Sehnsucht. Inge Müller (1925-1966) - Schriftstellerin in der DDR." (Feature von Judith Kuckart und Susanne Feldman, SWR, 2002)

"Aber ach sein Bart war blau. Der Blaubart-Stoff von Charles Perrault bis Max Frisch und darüber hinaus." (Feature von Judith Kuckart und Susanne Feldmann, SWR, 2004)

"Das vierzigste Jahr" (Feature von Judith Kuckart und Susanne Feldmann, SWR, 2005)

Multimedia

Verwandtes

Literatouren

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