Jürgen Lodemann

© Fotos sind alle honorarfrei

Steckbrief

geboren am: 28.3.1936
geboren in: Essen
lebt in: Freiburg

Vita

Geboren 1936 in Essen als "Geschenk an den Führer" (beschrieben im autobiographischen Roman "Der Solljunge"), bestand sein Abitur in Essen, ging zum Studium nach Freiburg (Philosophie, Literatur, Geologie, Geographie), schloss es ab mit Staatsexamen und Promotion ("Lortzing und seine Spielopern. Deutsche Bürgerlichkeit"). Nach dem Zeitungsvolontariat in Essen, Berlin und Hamburg kamen ab 1965 30 Jahre beim Baden-Badener Sender "Südwestfunk" mit Redaktion und Moderation der Fernsehreihen "Literaturmagazin" und "Café Größenwahn", Kontakte mit so gut wie jeder damaligen Figur des Literaturbetriebs - "wohin auch hätten die im Schwarzwald vor mir fliehen wollen" steht in seinen "Medienmemmoiren". Ab 1975 belebte er seine Fernseh-Reihen mit der Anti-Bestsellerliste "Bestenliste", mit einer 35köpfigen Kritiker-Jury aus Österreich, Schweiz und Deutschland, die alle vier Wochen diejenigen Buchtitel nannte, denen sie "möglichst viele Leser" wünschten. Jede zweite Sendung musste geändert, revidiert, korrigiert werden. Ab 1985 wurde die Lust, den Sender zu meiden, übermächtig, es kam zu zahlreichen Reisen und Dokumentarfilmen und zu Romanen. Der Erstling "Anita Drögemöller und die Ruhe an der Ruhr" gilt als erster Regional- und Ruhr-Krimi, ist jedenfalls der erste Roman in reiner Ruhrsprache. Der Stern nannte den Autor einen "Schreibtischwüsling", Max von der Grün urteilte: "Die deutsche Literatur ist arm an solchen Büchern, die so leicht zu lesen sind und dennoch einen ernsten sozialen Hintergrund öffnen". Es kam zur Mitarbeit bei ZEIT, FR, FAZ und taz. 1983/84 wurde Lodemann Bernt Engelmanns Vize im Vorstand des Verbandes deutscher Schriftsteller (in der Gewerkschaft IG Druck und Papier). Es folgten Lehraufträge (meist zum Thema Literatur und Medien) an den Universitäten Stuttgart, Frankfurt, Marburg, Freiburg, Gainesville/Florida und Essen ("poet in residence"). Die wahrscheinlich wichtigste Veröffentlichung (2002 zweimal Platz 1 der "Bestenliste") dürften die fast 900 Seiten sein unter dem Titel "Siegfried und Krimhild", eine Nibelungen-Revision im Sinne des Heiner Müller, der in einem seiner letzten Gespräche erklärt hatte, anhand des Nibelungen-Stoffs "die Nation begraben" zu wollen, zu müssen. Altgermanist Professor Otfrid Ehrismann urteilte, das Buch habe "dem Nibelungenmythos eine neue und zukunftsfähige Würde gegeben."

Er lebt in Freiburg und Essen, gern auch in Irland.


Würdigung

Seit 1980 im PEN-Zentrum Deutschland.
1978 Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik.
1987 Essener Dramatikerpreis.
1988 Literaturpreis Ruhr.
2002 Phantastikpreis Wetzlar.
2002 Literaturpreis der Landeshauptstadt Stuttgart.
2005 „Professor des Landes NRW“.
2007 Vorsitzender des Verbandes deutscher Schriftsteller in Bad.-Württemberg
2008 poet in residence an der Uni Essen/Duisburg.

Aktuelles

Geplant ist, die 900 Seiten - das Ungeheuer Nibelungen - ins Szenische zu übertragen


Geplant ist, den wunderbar erneuerten Irland-Roman (1976 von der Kritik ach so enorm begrüßt, aber seit langem nicht mehr lieferbar) einem guten Verlag anzuvertrauen. Überhaupt mal einem Verlag zu haben, von dem ich sagen könnte, das ist mein Verlag


Erträumt wird, nach so ungefähr 787 Veranstaltungen in Südwest- und Westdeutschland auch mal eine in Berlin zu haben, im LCB oder so


Erträumt wird, weil nach jeder Lesung zu hören ist, es solle ein Hörbuch entstehen, dass ein Hörbuch entsteht


Und seit mindestens 50 Jahren träume ich davon, dass die einzige existierende Arbeiter-Oper (in Text und Musik aus dem Biedermeier heraus entstanden im Jahr 1848, da geht es um streikende Fabrikarbeiter, Text und Musik sind von einem Berliner. der als Meister der komischen Oper galt), dass dies Stück endlich einmal in Berlin - in der "Komischen Oper"? (aber die ignoriert ihn (den Berliner) seit 1959) - realisiert wird. REGINA heißt die Oper, so heißt die Tochter des Konzernchefs a la Krupp, die wird gekidnapt, seine Fabrik wird abgefackelt, es geht um Terror, um Selbstmordterror, um Freiheit, um Grundrechte. Aber REGINA gibt es in keinem Theater, auf keiner CD, in keinem Sender - ich träume weiter

Werk

Eigenständige Veröffentlichungen

Veröffentlichungen in Anthologien

Bergmörder, in: Tod am Bodensee

Gmeinder-Verlag, Messkirch2007 Kriminalgeschichte

Wissend lächelte die Tante, in: Man müsste noch mal 20 sein?

Rowohlt, Reinbek1987 Erzählung

Das erste lange Liebesspiel, in: Zärtlichkeit lässt Flügel wachsen

Kreuz-Verlag, Stuttgart1985 Erzählung

Bettgeschichte, in: Männerleben

Beltz & Gelberg, Weinheim1978 wahre Geschichte

Das Gedächtnisessen, in: Tödliche Feste

Diana-Verlag, Zürich1988 Kriminalgeschichte

Don Giovanni rasiert sich, in: Don Juan

Rowohlt,, Reinbek1986 Erzählung

Die neue Wildheit, in: Nicht mit dir und nicht ohne dich

Rowohlt, Reinbek1983 Erzählung

Veröffentlichungen in literarischen Zeitschriften

Handke-Beschimpfung, in: Tintenfass

Diogenes, ZürichNr.2,, 1981 S.94 - 103

Über Werk / Autor

Jörg Drews, Die Nibelungen, Lortzing und Anita Drögemöller;, in: Badische Zeitung

Badische Zeitung, Freiburg 28.3.20062006 Feuilleton

Erhard Schütz, Eine Welt aus lustvoller Sprache. In: Literarische Porträts, Patmos-Verlag Düsseldorf 1991

Patmos-Verlag Düsseldorf 1991 Seite 398

Jürgen Wertheimer, Kulturflotte Linksnibelungen, in: Literaturen 5/2002

Friedrich-Verlag, Berlin2002 Seite 13 bis 18

Monika Winhuisen, Anarchist, fest angestellt

Westdeutscher Rundfunk, Fernsehen (WDR 3)1990 (?) Fernsehfilm (30 Min.)

sonstige Werke

Die Närrin mit der Hacke. Vom wilheminischen Eisenbahnbau Richtung Asien. Hörspiel, SWF 1991

FILME (u.a.):
Im Wartesaal der Liedermacher, 1969, mit Süverkrüp, Degenhardt, Hüsch, Hohler, Schwendter, Reinhard Mey, Mossmann, Floh de Cologne, Hannes Wader, Insterburg u.a.. Vier Folgen, 60 und 45 Min.

Heimatromane. Der Krimi. Frauenromane. Je 45 Minuten „Trivial“-Literatur szenisch, 1971

À la Rossini. Interview mit Schopenhauer, 21 Min., 1975

Ca 150 Studiosendungen in Sachen Literatur, darunter letzte Interviews. Mit Erich Fromm, Peter Weiß, Heinrich Böll, Erich Fried. Je 60 Min., 1980, `81, `83, `85

Wichtigste Studio-Aufzeichnung dürfte sein die im Mai 1975 im damaligen SWF entstandene zweistündige Debatte zum hundertsten Geburtstag Thomas Manns, u.a. mit Peter Wapneswki, Kurt Sontheimer und Walter Böhlich, wobei sich freilich mehr und mehr ein erbittertes Rede-Duell entspann zwischen Martin Walser und Marcel Reich-Ranicki. Das Für und Wider in Sachen Thomas Mann als Basis für den anschließenden Verriss des Romans "Jenseits der Liebe" und derm Titel "Jen seits der Literatur" - mit anschließende Eloge auf "Das fliehende Pferd".

Im Steintal. Über Lenz, Büchner, Oberlin, Goethe, Gott und Germanisten. Dokumentarfilm, 45 Min.,
1982

Die Hauptstraße. Essens Kettwiger, Dokumentarfilm, 45 Min, 1984

Borbecker Jungens. Warum Ernst Schmidt andere Geschichten erzählt, Dokumentarfilm, 45 Min., 1986

Regina. Die ignorierte Oper aus dem Jahr 1848, 60 Min., 1987 (Extra-Ausgabe Café Größenwahn)


Der Gaukler als Arbeiter. Hansgünther Heyme in Essen, 45 Min., 1987

Die Bagdadbahn. Zugfahrt durch unbekannte Türkei, 60 Min., 1987

Columbus: Wir haben in Galway Bemerkenswertes gesehen. Irische Geschichten, 90 Min.,1988

Uns fragt ja keiner mehr. Alte im Ruhrrevier. Und: Altlasten. Je 45 Min., 1989

Überm Abgrund. Erdbebenland Kalifornien, 90 Min, 1989/90

Samothrake. Die Insel am Anfang von Europa. 45 Min., 1990

Casus Belli à la Meyerbeer. G. G. Bellis römische Sonette, Magazinbeitrag, 13 Min, 1991

Spiegelgasse Zürich. (Lenin, Dada, Büchner) Dokumentarfilm für „Menschen und Straßen“, 45 Min, 1991

Alexandria. Die dreifach Versunkene. Dokumentarfilm, 45 Min., 1991

KlumppeHenner oder die Badische Revolution 1918. Magazinbeitrag, 1991

Izmir oder Flieg mich zum Mond. Dokumentarfilm, 45 Min, 1992

Sieben Zwerge Salem. Eine andere Drogentherapie, 30 Min., 1992

Bornholm. 45 Min., Filmporträt für die Reihe „Inseln“, 1993

Desert Wind. Bahnfahrt über die Rocky Mountains, Dokumentarfilm für ARTE, 90 Min., 1993

Rheinfahrt. Vom Rheinfall zum Drachenfels, Dokumentarfilm, 90 Min., 1993

Juist. Zauberland vor Deutschland. Film für die Reihe „Inseln“, 45 Min, 1994

Eroica Place Kléber Strasbourg. 60 Min., Dokumentarfilm für France III, 1994.

Literaturport ID: 895