Regula Horlacher

© Johanna Bossart

Steckbrief

geboren am: 1.5.1963
geboren in: Brugg/Aargau/Schweiz
lebt in: Bern

Vita

Regula Horlacher (vormals Haus-Horlacher) wurde am 1. Mai 1963 in Brugg/CH geboren. Ihre Kindheit verbrachte sie zusammen mit einem jüngeren Bruder in verschiedenen Nachbardörfern der aargauischen Kleinstadt.


Regula Horlachers erster Roman Das schwarze Sofa (erschienen im eFeF-Verlag Wettingen/CH, 2012) ist zwar fiktiv, aber die Anlehnung an die ländliche bzw. kleinstädtische Umgebung ist dennoch in vielen Schilderungen spürbar. Auch die Gepflogenheiten, wie sie in den frühen 1980erjahren an einem Seminar für pädagogische Berufe Brauch waren, kennt sie aus eigener Anschauung, da sie sich als junge Frau zur Handarbeitslehrerin ausbilden liess. Im Gegensatz zur Romanfigur Lea beendete sie jedoch ihre Ausbildung und unterrichtete im Anschluss hörbehinderte Kinder an einer Internatsschule in der Nähe von Aarau/CH. Nebenbei belegte sie Semesterkurse an der Schule für Gestaltung Zürich in den Fächern Sticken, Holzbearbeitung, Zeichnen und Farbenlehre.


Regula Horlacher ist Mutter von zwei erwachsenen Kindern (1989 und 1991). 1989 gab sie das Unterrichten zu Gunsten der Familienarbeit auf und betätigte sich ansonsten ehrenamtlich in ihrer Wohngemeinde Windisch. Ausserdem besuchte sie Kurse an der Fachstelle für Freiwilligenarbeit Zürich in Kommunikation und Seelsorge. 2011 liess sie sich beim Schweizerischen Roten Kreuz zur Pflegehelferin ausbilden und begann danach in Altersheimen zu arbeiten.  


 


Ihre schriftstellerische Tätigkeit fing im April 2007 mit Werkstattarbeit bei Milena Moser in Aarau an. Von September 2008 bis März 2009 beteiligte sie sich an einem Kolloquium bei Dr. Franziska Schwarzenbach, Lektorin, in Zürich, und seit Dezember 2008 nimmt sie bei Irina Schönen, Schauspielerin, in Langnau am Albis Sprechunterricht vor Lesungen. Bereits ab 2008 erreichte sie mit der Teilnahme an Literaturwettbewerben erste Erfolge und im Mai 2012 erschien ihr mit einem Werkbeitrag des Aargauer Kuratoriums geförderter Roman Das schwarze Sofa im eFeF-Verlag, Wettingen. Januar bis März 2015: Schreib-Aufenthalt in Berlin.


 


Regula Horlacher lebt heute in Bern. Zur Zeit arbeitet sie an einem experimentellen Schreibprojekt, das den Werktitel 365 tägliche Notate trägt. Ein Auszug aus dem laufenden Projekt befindet sich weiter unten auf dieser Seite in der Rubrik Aktuelles. 



Würdigung

JUNI 2008: 7. Rang am Preisausschreiben der Schreibszene Schweiz 2008 (Postkartentexte)   //    AUGUST 2008: Erste Veröffentlichung eines literarischen Textes in der Aargauer Zeitung   //   21. OKTOBER 2008: Erste Lesung in der Stadtbibliothek Aarau   //   9. JANUAR 2009: Verleihung Essaypreis 2008 der Berner Tageszeitung Der Bund für Die Katze der Nachbarin grüsst mich nicht mehr; Lesung im Kulturzentrum Dampfzentrale Bern und Veröffentlichung des Essays im Bund    https://www.derbund.ch/bern/dossier/bundessaywettbewerb/1Einblick-in-eine-abstruse-Beziehung/story/12248780  //   FEBRUAR 2009: 4. Rang am Kurzgeschichtenwettbewerb des Lektoratsbüros Obst und Ohlerich, Berlin mit Bei uns, veröffentlicht unter   www.literatur-nordost.de/texte/haus_horlacher.pdf   //   24. SEPTEMBER 2009: Beitrag an das künstlerische Schaffen des Aargauer Kuratoriums für das Romanmanuskript Das schwarze Sofa (Jurybericht: Felicitas Hoppe)   //   19. MÄRZ 2011: Literaargau-Beitrag des Aargauer Kuratoriums in der Aargauer Zeitung   //   7. APRIL 2011: Lesung in der Gemeindebibliothek Riniken   www.oltnertagblatt.ch/beitrag/leserbeitrag/regula-haus-horlacher-vom-7-april-2011-124314865   //   14. JUNI 2011: Engere Wahl Walter-Kempowski-Literaturpreis 2011 der Hamburger Autorenvereinigung mit der Kurzgeschichte Familienwanderung   //   16. AUGUST 2011: Bund-Kolumne 15 Fragen   //   26. SEPTEMBER 2011: Lesung im Rahmen der Veranstaltungsreihe Der Bund im Kairo im Kulturcafé Kairo, Bern   www.cafe-kairo.ch/kultur/der-bund-im-kairo-11   //   Literarischer Beitrag Brugger Neujahrsblätter 2012; 27. NOVEMBER 2011: Lesung im Rahmen der Vernissage im Salzhaus Brugg   //  MÄRZ 2012: Druckkostenbeitrag des Aargauer Kuratoriums für Das schwarze Sofa   //   APRIL 2012: Druckkostenbeitrag der Gemeinde Windisch für Das schwarze Sofa   //   31. MAI 2012: Erscheinen des Romans Das schwarze Sofa im eFeF-Verlag, Wettingen   www.efefverlag.ch/3022.html; Buchvernissage in der Buchhandlung Thalia, Brugg   //   OKTOBER 2012: Literaturwettbewerb Danke, gut! des Kantonsspitals Aarau; Aufnahme der Erzählung Ein Tag in meinem Leben in die Anthologie Danke, gut!   //   JANUAR 2013: Aufnahme in den Verband Autorinnen und Autoren der Schweiz (AdS)   //   APRIL 2013: 3. Rang am Literaturwettbewerb Auf dem Lande des Landverlags, Langnau; Aufnahme der Kurzgeschichte Die Giesskanne im Garten der Nachbarin in die Anthologie Auf dem Lande; 27. SEPTEMBER 2013: Lesung im Rahmen der Vernissage auf Schloss Wil in Schlosswil bei Worb    //   25. APRIL 2014: Talk and Read im Kellertheater Katakömbli Bern, mit Milena Moser und Daniela Hess   //   www.talkfactory.ch/index.php?section=gallery&cid=31   //   27. April 2018:  Schreibwettbewerb Texten, Nominierung der Kurzgeschichte Heiligabend, Lesung im Berner Generationenhaus  

Aktuelles

268/27. Mai 2018 (Sonntag)

Drei Stunden, nachdem ich meine Wohnung verlassen habe, stellen sich endlich tröpfchenweise erste Wörter ein: Es war schön. Sehr schön. Frösche. Viel Wald. Breite bemooste Abhänge, aus denen Quellwasser sprudelte. Als Kind hätte mir das sehr gefallen. Ich hätte mir Zwerge und Elfen vorgestellt, die in dieser Mooslandschaft ihre Höhlenwohnungen hatten. Die Phantasie wäre mit mir durchgegangen. Jetzt bleibt es bei bemoosten Abhängen.

Dann der Ruf der Mönchsgrasmücke an jeder Ecke! So ununterbrochen präsent, dass ich mich beinahe darüber ärgerte. Früher kam mir der Ruf dieses Vogels im Vergleich mit anderen besonders rein und fein vor, aber seit ich hier wohne und in verschwenderischer Fülle mit dem Gesang der Nachtigall verwöhnt werde, habe ich diesen Eindruck nicht mehr und finde die ständige lautstarke Anwesenheit der Grasmücke unbescheiden. Deshalb muss sich die Nachtigall derart abmühen! Am Tag wird sie gnadenlos übertönt! Es bleibt ihr gar nichts anderes übrig, als mit ungeheurem Fleiss rund um die Uhr zu singen, wenn sie nicht vollends im allgemeinen Gezwitscher untergehen will. Die Nacht ist ihre einzige Chance.

An das Schloss Reichenau erinnere ich mich auch. Es gleicht in seiner vielstöckigen, strukturierten Massigkeit der Vorwegnahme eines Bethlehemer Hochhauses.

Ich bin über den Stegmattsteg auf die andere Seite der Aare und dann dem Flussufer entlang von Hinterkappelen bis nach Bern gegangen. Das hatte ich vor, seit ich, kurz nachdem ich hierhergezogen war, zum ersten Mal am Wohlensee stand und mich, nur eine halbe Wegstunde zu Fuss von meiner Wohnung im Bern-Bümplizer Schwabgut entfernt, so vollständig auf dem Land wiederfand, dass ich aus dem Staunen kaum herauskam - und dann doch glaubte, ich käme in nur einer weiteren halben Stunde flussaufwärts wieder in der Stadt an, dort, wo man aus dem Zugfenster, fast unmittelbar nach der Ausfahrt aus dem Bahnhof, das Lorrainebad sieht. Ich ging also und ging, bis ich irgendwann verwirrt innehielt. Ich hatte einen Spaziergang geplant, keine ausgedehnte Wanderung! Bisher war auf keinem Wegweiser von Bern die Rede gewesen, nur von Bremgarten und Zollikofen - und dorthin wollte ich nicht. Bei der gedeckten Holzbrücke kehrte ich um. Ich brauchte eine Karte.

Drei Stunden nachdem ich meine Wohnung in Bern-Bümpliz verlassen habe, betrete ich, während sich in meinem Kopf endlich Wörter einstellen, vor denen der Dschungel meiner Gedanken langsam zurückweicht, wieder Stadtgebiet. Eine kleine, hellblaue Tafel heisst mich willkommen. Willkommen in der Stadt Bern. Und so fühle ich mich auch: Willkommen. Angekommen zuhause.

Aber noch ist es nur ein Gefühl. Der Weg führt mich an Schrebergärten vorbei, es riecht nach offenem Feuer. Dann unter einer Autobahnbrücke durch. Irgendwann höre ich das Rauschen eines Stauwehrs, und gleich darauf stehe ich davor. Nichts davon kann ich einordnen. Die Gegend, durch die ich gekommen bin, mit dem Blatt 1166 der Schweizerischen Landestopografie, Bern/Wohlen-Köniz-Zollikofen, das ich bei mir habe, in Einklang zu bringen, ist unmöglich: Mein Kopf ist nicht in der Lage, eine Verbindung herzustellen.

Vom Stauwehr an ist der Weg geteert. Das gestaute Wasser ist blaugrün wie Schmelzwasser in den Bergen. Es kommt mir weit vor bis zur Lorrainebrücke, der Asphalt fährt in den Rücken.

Seit ich die Grenze überschritten habe, weiss ich, dass ich bis zum Bärengraben gehen werde. Geplant habe ich das nicht. Geplant habe ich überhaupt nichts. Nur möglicherweise für selbstverständlich angenommen, ich würde dann, in der Nähe der Lorrainebrücke, irgendwo hochsteigen. Von dort ist man ja rasch beim Bahnhof.

Letztes Jahr am Heiligabend bin ich auf dem Wanderweg der Aare nach vom Bärengraben bis zum Tierpark Dählhölzli gegangen. Wenn ich jetzt von der Lorrainebrücke zum Bärengraben weitergehe, schliesse ich eine Lücke. Das ist zwar unwichtig, aber es gibt mir das gute Gefühl, etwas in Ordnung gebracht zu haben.

Wie seltsam anders eine Umgebung auf einen wirkt, wenn man sich in ihr drin aufhält, statt von oben auf sie herunterzuschauen! Alles scheint viel näher zusammengerückt und vieles kommt mir verwirrend fremd vor, jetzt, wo ich unmittelbar davorstehe. Einiges sehe ich aber wirklich heute zum ersten Mal: Zum Beispiel den eigenartig gedrungenen, halb in den Bäumen versteckten Turm, bei dem es sich, seinem Standort nach zu schliessen, um das Bollwerk handelt. Und etwas später den Altenberg-Steg gleich neben der Kornhausbrücke nur viele Stockwerke tiefer.

Ich komme an einem Turnplatz vorbei, der von mächtigen, kurz vor dem Aufblühen stehenden Linden gesäumt ist. Auf der anderen Seite geht es jäh bergauf - ein stark bewaldeter Schattenhang. Dazwischen der blaugrüne, kühle, saubere Fluss. Es ist mehr als schön: Es ist herzerfrischend, und ich brauche nicht mehr als einen Augenblick, um zu begreifen, warum die Berner so gern in der Aare schwimmen. Ich spüre es. Man muss hier unten am Altenberg entlanggehen, um dieses Besondere zu erfassen, von oben kann man das nicht.

Etwas weiter vorne, linkerhand putzige Häuser mit Werkstätten. Alle sagten, „Das geht nicht!“ Dann kam einer, der wusste das nicht und hat es einfach gemacht, ist mit weisser Kreide auf eine Schiefertafel geschrieben, die neben einem Garagentor hängt.

Mir wird schwindlig. Das letzte Stück meines Wegs steigt steil an. Ich gehe zu schnell und habe zulange nichts gegessen. Ich muss mir mit Traubenzucker auf die Beine helfen.

Dann bin ich da. Wieder zeigen sich die Bären nicht. Von unten hätte ich den besseren Überblick. Von dort wäre die ganze Anlage einsehbar. Aber ich bin zu müde, um die lange Treppe hinab- und wieder hinaufzusteigen, und der Lift ist ständig gestossen voll.

Wieder bin ich gerade im Begriff zu gehen, als jemand ruft: „Da sind zwei!“ Hastig nehme ich mein Handy hervor, um den seltenen Anblick einzufangen, doch ich bin zu langsam: Schon sind die beiden im Gebüsch verschwunden. Auf dem Foto ist vor allem mein Daumen zu sehen - aber tatsächlich auch ein kleines, etwas verschwommenes Stück Bärenfell zwischen Holunderblüten! Das überrascht mich. Und es erinnert mich an ein Märchen: Ein verwunschener Prinz war irgendwo hängengeblieben und hatte sich ein Loch in sein Bärenfell gerissen. Durch dieses Loch sah ein schönes Mädchen sein seiden-goldenes Prinzengewand. Das ist zwar, wie ich soeben merke, eher umgekehrt als ähnlich, aber ich mag den Vergleich trotzdem. Wie die Geschichte weiterging, weiss ich nicht mehr.

Der Bus fährt vor. Ich beeile mich, um ihn zu erreichen. Es ist Zeit, nachhause zu fahren.

Werk

Eigenständige Veröffentlichungen

Veröffentlichungen in Anthologien

Auf dem Lande / Die Giesskanne im Garten der Nachbarin

Landverlag, Langnau i.E./CH2013 Anthologie

Danke, gut! / EinTag in meinem Leben

Kantonsspital Aarau (Herausgeber)2012 Anthologie

Veröffentlichungen in literarischen Zeitschriften

Brugger Neujahrsblätter 2012 / So war das mit dem Schreiben

Verlag Brugger Neujahrsblätter2011 Zeitschrift

sonstige Werke

Milena Moser über den Roman „Das schwarze Sofa":

„Lea ist eine junge Frau scheinbar ohne Probleme, ohne Zweifel. Sie hat sich das Leben zurechtgelegt, sie weiss, was sie will. Kindergärtnerin werden. Doch vom ersten Tag der Ausbildung an wird ihr klar, dass sie sich getäuscht hat. Leas Lebensplan, den sie so früh gefasst und auf den sie so lange gebaut hat, trägt nicht. Und in dieser Verunsicherung verliebt sie sich in einen ihrer Lehrer, eine Liebe, die nicht sein darf, und trotzdem ist. Diese feinen Haarrisse, die sich im Boden unter Leas Füssen bilden und ihn unaufhaltsam sprengen, beschreibt Regula Haus-Horlacher mit beinahe mikroskopischer Genauigkeit. Das schwarze Sofa ist ein subtiler Entwicklungsroman, der die erste Krise im Leben einer jungen Frau beschreibt. Es ist ein leises Drama, ein von aussen kaum sichtbarer Wirbel, der sich unter einer trügerisch glatten, harmlosen Oberfläche abspielt und gerade deshalb umso stärker wirkt."
 

Jurybericht des Aargauer Kuratoriums zur Beitragssprechung 2009 verfasst von Felicitas Hoppe:

„Leas Geschichte ist scheinbar so unspektakulär, wie sie erzählt wird. Erst auf den zweiten Blick öffnet sich unter der biografisch so linearen wie sprachlich sparsamen Erzählung in Regula Haus-Horlachers Romanmanuskript Das schwarze Sofa ein doppelter Boden. Leas Aufbruch aus dem Elternhaus in die klar abgesteckte Ausbildung und Zukunft wird konterkariert mit Kindheitserinnerungen, der Geschichte einer ersten und keineswegs unkomplizierten Liebe und ersten Versuchen, dem eigenen Leben Gestalt zu geben. Dabei setzt die Autorin Fuss vor Fuss, versucht weder erzählerisch aufzutrumpfen, noch literarisch auffallende Effekte zu setzen. Sie vertraut detailgenau auf die Realität, ohne sie jemals für bare Münze zu nehmen. Auf diese Weise schafft sie jenseits reiner Abbildungsprosa atmosphärische Dichte und macht neugierig auf den Fortgang einer Geschichte, deren grosser Reiz in ihrer vermeintlichen Banalität liegt."

Multimedia

Zuletzt durch Regula Horlacher aktualisiert: 04.06.2018

Literaturport ID: 1998