Sandra Kellein

Steckbrief

geboren in: Nürnberg
lebt in: Berlin, Schöneberg

Vita

Auf einer Nordseehallig als Tochter eines aus Bad Füssingen stammenden Goldschmieds und einer Kostümbildnerin aus Antwerpen geboren: eine schöne, etwas einsame Kindheit mit Meer. Schule in Hannover und Internat in Lüneburg, Magister Artium, Germanistik, Soziologe und Psychologie in Hannover. Kurze Ehe mit einem Südamerikaner, trotz eines Adoptivkindes Scheitern der Ehe aufgrund von Sprachproblemen, Wechsel nach Berlin - und nach hier und da: Idaho, Colorado Springs, Pinneberg, Libanon, Sizilien, Island und Schöneberg. Bis neulich mit einem Filmmusikkomponisten liiert und nun rechtskräftig von einem Phantom der Oper geschieden - und immer an lukrativen Spionagejobs interessiert.

Würdigung

u.a. :


1990 Alfred Döblin Stipendium der Akademie der Künste 


1990/91 Akademie Schloss Solitude 


1993 Bachmann Wettbewerb, Ernst Willner-Preis


1993 Schloss Wiepersdorf


1994 Kloster Cismar, Stip. Schleswig-Holstein


1995 Heinrich-Heine-Stipendium


1997 Artist in Residence Colorado College USA


1998 Rumänien über daad


2000 Berliner Autorenstipendium


2002 Stiftung Preußische Seehandlung  


2010 Einladung zum Stückemarkt des Theatertreffens


... und seit 1998 ununterbrochen für den Hamburger Dramatikerpreis nominiert ; -) 

Aktuelles

Und dieser Text erschien im Feuilleton der Berliner Zeitung ; -)  :


Preise

DRAMA

von Sandra Kellein

Eine junge Dramatikerin und Tresenteilzeitkraft namens Heloise Langner beteiligte sich im letzten Jahrtausend an dem öffentlich ausgeschriebenen Wettbewerb um dem Dramatikerpreis einer freien Hansestadt. Zu ihrer zunächst unfassbar scheinenden Freude erhielt sie Wochen später, matt und frustriert vom Gläserspülen zurückgekehrt, die schriftliche Nachricht, sie sei eine der wenigen unter sehr vielen.
Den wenigen, die für den Preis nominiert und jetzt schon, sagte sie sich grell kichernd, gebenedeit seien.
Gute Chancen auf ein Preisgeld und baldigen Ruhm ließ ihr die Arbeit leichter von der Hand und die Gläser sicherer von der Theke gehen. Ihr Selbstbewusstsein steigerte sich derart, dass sie sich auf eine zunächst euphorische, später qualvolle Liebesaffäre mit einem Gast einließ. Die folgende unselige Affäre hielt sie jahrelang in Atem und Abhängigkeit.
Erst nach Monaten der Therapie und Trennung sowie zwei Bandscheibenvorfällen in H 2/3 und L3/4 – übrigens im geringfügig höher geminderten Segment deutlicher medialer Komprimittierung oder Kompression des Duralsacks nebst normal weiten Neurofamen mit deutlicher Spondylararthrose, sowie einem letztlich unbegründeten Verdacht auf Neurodermitis, einem leichten, aber folgenlosen Verkehrsunfall, einer periphär auftretenden Lippenerweiterung infolge Herpes, einmaligem Fußpilz nebst dadurch verursachten leichten Traumata, verhältnismäßiger Verknotung diverser Synapsen, einer sehr mäßigen Hausstaubpollenallergie, zwei Zahnfüllungen (vorne am rechten Schneidezahn: Kunststoff, weiter hinten konservativ: böses böses Amalgan), einer sekundär verschobenen Peronitis, verkniffener Möchtegern-Masthitis sowie einer satten Zahnwurzelentzündung (1 OG rechts, bitte 2 x klingeln), grundsätzlich schmerzhafter Entwöhnung, sowie interstitutiellen Entwarnungen allerorten, einem vorübergehend lusitropen Syndrom des linken Herzmuskels und einer völlig verranzten Diskardiologie, schwer begründbarem und nebenbei auch absolut unbewiesenem Lupusverdacht, vorläufig und verhältnismäßig verwarzten Testikeln, obligatorischem Kneipp und rigider Knappwurst (einmal mit Kickboxen und nie ganz ausgenutzter Zehnerkarte) und nie nie nie wieder solch weiche und harte Risikoindikatoren (nur sehr verhältnismäßig viel Vergnügen), einem obligatorischen Borreliose-Test (ein gern verwendeter moderater Abrechnungstrick), allgemeiner Hyperpermillitariatät mit obsessivem Sattelblock, vergeblichen, aber schönen Sandbädern (sowieso verschwindet Bräune ja immer wieder sehr rasch,) klonischen Krämpfen nebst diversen Panik-, Grippe-, Schnupfen- usw. -Attacken und dieser Scheiß-, Scheiß-, Scheiß-
S e h n s u c ht,
(sowie obligatorischem Arbeitslosengeld II infolge von Hartz 4) war sie nach einem einzigen Glas als ultra altmodisch empfundenem `Rüttgersclub´ und nebenbei zu spät erwogender Riesterrente und den neu gekauften, aktuellen Siebenfünfachtel-Hosen - endlich endlich endlich – in der Lage, bei der entsprechenden Abteilung der bekannten Bühne telefonisch nachzufragen :
- Es dauere auch nicht lange. Wirklich. Warum und ob man denn eigentlich nicht mehr vom Fortgang der Jurysitzungen informiert worden sei. Man wolle nur mal vorsichtig nachfragen. Ganz kurz. Es sei doch bestimmt gestattet. Es dauere bestimmt nicht lang. Man wolle wirklich nicht stören. Eine einzige kleine Minute, da könne man doch -
Auf diesen zögerlichen Anruf, nach vielen vielen vielen Jahren, meldete sich jedenfalls ein höflicher und freundlicher Mann. Sein Name war Wicht. (Ehrlich!)
Am anderen Ende, folgerichtig unsichtbar, erklärte er zögerlich, auf andere Art wie die zögerliche Anruferin, eigentlich schnell und sich der Sache bewusst:
- Es ist immer schwierig, mehrere Personen an einen Tisch zu bekommen. Was ich meine, das wissen Sie doch, dass es schwierig ist. Oder wissen Sie es etwa nicht? Wie schwierig das ist.
Kurze Pause.
- Ich versinke nämlich, sagte der Dramaturg Wicht zu der Dramatikerin zum Thema Hamburger Dramatikerpreis, ich versinke soeben halb unter dem Schreibtisch.
Diesbezüglich hat sich bei den Halbversunkenen bis heute nichts Neues getan.
(A.d.Ü.: Der Hamburger Dramatikerpreis ist bis jetzt, ca. 2007 oder 2009, 12 Uhr 30 oder auch schon wieder viel später, ist bis 12 Uhr Mittags 2016 oder 2017 nicht verliehen worden.
Keiner der Nominierten klagte den Preis bisher gerichtlich ein.)

Werk

Eigenständige Veröffentlichungen

Veröffentlichungen in Anthologien

Diverse Beiträge in Anthologien und Literaturzeitschriften

sonstige Werke

Theatertexte, Feuilletons, Features und 36 Hörspielproduktionen (alle Hörspiele unter www.hoerdat.de). 
Ausstellungsbeteiligungen, Katalogtexte und Projekte mit anderen Künstlern.

1993 erschienen die Theatertexte „Innenräume“ im Hunzinger Bühnenverlag und „Eine Postkarte“ bei Henschel Schauspiel. Die Groteske "Wohlfühlen für Fortgeschrittene" wurde mit einer Einladung zum Stückemarkt des Theatertreffens 2010 und dem Abdruck in der dazugehörigen Edition belohnt.

Seit 1993 auch diverse literarische Beiträge in Anthologien und Literaturzeitschriften, z.B. Edit, ndl, Freitag, der Würth-Preis-Anthologie 2005, in Der Alltag, bei Piper und Suhrkamp. Im Herbst 2010 erschien ein Beitrag im "Kleines Lexikon sperriger Wörter"/Merz, sowie im "Archiv verworfener Möglichkeiten"/Belleville und noch einer in der Würth-Preis-Anthologie 2010, 2013 "Schwenkfutter" in der literarischen Berlin-Anthologie des Jaron Verlags.

Autorenbeiträge seit 2000 im Feuilleton der Berliner Zeitung, in der Rubrik "Unterm Strich", bis 2010 die Serie "Personal", auch mal was im Magazin und 2012 in der FAZ, 2013 etwas in Das Magazin.

Fotos und kleine Texte seit 2011 im Internet für Michael Rutschkys Blog "Das Schema".

Zuletzt liefen als Autorenproduktionen "Undine kommt", SWR 05 und “Bericht von der Station“, 07 sowie "Wolf" 08 und u.a. folgende Hörspiele (hier ohne Übernahmen), "Venus in Aspik 03, "Mein erster Caprifischer"06, "Exkursion No. 8“ und "Die Angst des Moderators vor der Stille" 07, "Idiotenhügel" 08, "Vom Glanz einer Perle" 09, "Surfers neue Kleider" 2010 und "Vom Himmel herunter", 2011, 2012 folgte "Tralala", 2013 "Pardon", 2014 "Engel für jeden" SWR, 2015 "Alles nur Film" als Hörspiel, "Kontakt!", SWR 2016 und 2018 "75 Cent" SWR (der Monolog einer deutschen Molly Bloom ohne James Joyce).


Dramaturgische Beratung Drehbuch für Henrike Meyers "To be an Extra", Projekt-Einladung zum Berlinale Talent Campus 2017.

Als Schwenkfutter und Extra sowie als Darstellerin in Film&Fernsehen: 2012 Stilettos für Polanskis "Ghost", 2013 im letzten Rosenstolz-Video als weinende Frau (folgerichtig lösten sich Rosenstolz anschließend auf... ;-), 2014 mit Hackenporsche für Andreas Kleinert in "Die Frau von früher"/Kino&TV 2015, als Psychopathin in "8 Seconds"/Kino 2016 und als Unrat verschüttendes Schandmaul für Terra X/ZDF 2017. Seit Weihnachten 2016 auch in einem deutschen Blockbuster hinter den vier teutonischen Hauptdarstellern hin und her schwebend (evt. geeignet als zeit- und ziellose Dauerinstallation) und Darstellerin in "Kaisersturz" anno 1919/ZDF 2018.


 

Zuletzt durch Sandra Kellein aktualisiert: 06.11.2017

Literaturport ID: 348