Theo Breuer

Steckbrief

geboren am: 30.3.1956
geboren in: Bürvenich/Rheinland
lebt in: Sistig/Eifel

Vita


Theo Breuer, * 1956 in Bürvenich, studiert nach dem Abitur in Zülpich von 1974 bis 1980 Anglistik und Germanistik an der Universität zu Köln, unterrichtet bis 2007 an weiterführenden Schulen in Steinfeld, Wuppertal, Köln. Von 1975 bis 2000 unternimmt er zahlreiche, z.T. ausgedehnte Reisen nach England. Seit 1984 lebt er im Nationalpark Eifel. Breuer verfaßt/montiert Gedichte, Essays und visuelle Poe­sie (gelegentlich auch Prosa). Gedichtbücher sind seit 1988 erschienen, zuletzt Land Stadt Flucht (2002), Nacht im Kreuz (2006), Word Theatre. Visuelle Poesie (2007), Wortlos (2009) sowie Das gewonnene Alphabet (2012), in dem Mrs Columbo, Bensch, Kraus und Peer Quer vierkleeblättrig tragende Buchstabierrollen spielen. Theo Breuer hat bislang drei essayistische Monographien zur Poesie im deutschen Sprachraum vorgelegt: Ohne Punkt & Komma. Lyrik in den 90er Jahren (1999), Aus dem Hinterland. Lyrik nach 2000 (2005) sowie Kiesel & Kastanie. Von neuen Gedichten und Geschichten (2008) – eine vierte, Buchstabeet oder Die schreibende Kraft ist als 'word in progress' seit November 2007 ebenso in Arbeit wie seit 2013 Das Rote Haus im Park. Im November 2017 erschien das Buch Zischender Zustand ∙ Mayröcker Time, essayistisch-poetische Reflexe s/einer Mayröckerrezeption (und immer wieder darüber hinaus). --- teil seiner ganzen lebensarbeit ist ja wohl auch, durchübersteigerte ordnung subversive unordnung und verwischung der grenzen zu schaffen (Crauss.)

Aktuelles

Du spürst es nicht, kannst die bis in Fingerbeere, Haarspitze, Pore emp­fundene und am liebsten wortlose ›Be­geisterung‹ für die dialo­gisch polyphonen »sprachlichen Gebilde, die in sich stehen«, wie Gadamer es ins Wort faßt, nicht nach­emp­finden? »Hier spricht die Sprache« · Roland Bar­thes. Und Bensch blickt mich, ein wenig rat­los, an, Kraus mit kühlen Augen, in denen ich die »Unlesbarkeit dieser / Welt« (P.C.) zu erkennen ver­meine. Bin ich also alleingelassen? Oh, nein. Ich lausche Hélène Gri­maud, wie sie, zauberhaft luft­malerisch, Mozarts Klavierkonzert Nr. 19 spielt, und die Augen gehen hin zu dem von Gedicht­büchern einge­rahm­ten Trip­tychon, das, rechts vom Schreibtisch, den Blick immer wieder, ma­gisch, anzieht. ›Vollen­det‹ ist diese kleine »petersburger hängun’« (Thomas Kling), seit A. J. Weigoni (dem ich zudem Gri­maud ver­danke), mir den post­kartenklei­nen apfelsinengelbfarbenen Akt von Haimo Hieronymus schenkte, den ich, im Zusammenspiel mit R. A. Westphals grauem »Schama­nen«, der, naturgemäß, pfeiferau­chend, trommelschlagend im Weltenbaum hockt, und Gunter Lo­renz tieftrau­rigschwar­zem »Stein­kreuz Schmer­zensmann« unmittelbar als Drei­klang erlebe, der mich seitdem, in hellbraunen Rahmen, rund um die Uhr begleitet. – – – »Mach die Augen zu, hör diese Stille«, sagt meine Begleiterin, als wir, an einem Tag im Februar, gegen 14 Uhr, aus dem Wald heraustreten, »ich steh auf den Treppen des Windes« (Rolf Bossert), aber nein, aus­nahms­weise ruht ›das himmlische Kind‹ einmal, und der Blick fließt über viele Kilome­ter hin zum weiten Hori­zont, hinweg über die sanf­ten, weiterhin weißen Weidenhügel, »redefined by the snow and, at the same time, perfected, made abstract, like the world in a blueprint« (J.B.), wo kalthellgrellblauer Himmel und schneebedeckte Erde in meinen Augen zusammenfinden, »a brilliant circle of light« (J.B.), dasz ich blin­zeln musz, heute morgen schreibt Christel Fallen­stein : »Hier liegt auf allem auch schon eine dicke Schnee­schicht – und die Schneeflocken rieseln und tanzen und wirbeln manchmal sogar auf­wärts – Wien hat viel Wind – sogar in diesem völlig um­bauten Innen­hof, in dem mein einziger, nun fast weißer Baum steht«, und ich schließe, augen­blicklang, die Augen und höre das Summen der Stille, für einen Moment zieht sich der Gedanke an Reise durch die Nacht, das ich am Morgen bestellt habe, zu­rück, wir stehen still; schon gehen wir wieder – »Dreifach ist der Schritt der Zeit, / Zögernd kommt die Zukunft hergezogen, / Pfeil­schnell ist das Jetzt entflogen, / Ewig still steht die Vergangenheit« (Friedrich Schiller) –, auf dem­selben Weg, den wir gekommen sind, nach Hause, auf die große Runde verzich­ten wir heute, zu sehr zieht es, was ist ›es‹ (ist es die Zukunft?), mich zurück nach Hause, wo Burn­sides ›sinister‹ »Glister«, das ich seit dem Vor­abend lese, mich ungeduldig erwartet, schweigend gehen wir ne­ben­einander, da fällt mir Tonino Guerra vor die Füße : »Diesen Winter saß ich stun­denlang am Fenster und schaute zu, wie der Schnee fällt«, und indem ich dem fortwährenden Knirschen der kleinen Schritte von Mrs C. und der größeren Schritte von mir lausche, denke ich zum erstenmal, und hätte ich dieses mein Schreiben nicht, Wort für Wort im Rhythmus meiner Schritte vor mich hin­murmelnd, den Ge­danken (wie viele Gedanke denke ich dutzende, hunderte, tau­sende Mal?) : Wir zerstampfen die ›Gegenwart‹, lassen sie, Schritt für Schritt, als ›Vergangenheit‹ hinter uns liegen, ren­nen, blind­lings, in die ›Zukunft‹. Und frage mich hernach, mit Augustinus : »Was also ist die Zeit? Wenn niemand mich danach fragt, weiß ich’s, will ich’s aber einem Fra­genden erklären, weiß ich’s nicht.« In Sophie Reyers Gedicht steht »die ge­zirpte zeit«, und im Garten fliegt, kein Som­merlaub in Sicht, ein Spat­zenschwarm, mit Schnee in den Augen, auf.


(Aus: Zischender Zustand ∙ Mayröcker Time)

Werk

Eigenständige Veröffentlichungen

Veröffentlichungen in Anthologien

Freudenalphabet. Eine Anthologie kommunizierender Poesie

Edition Art Science A-St. Wolfgang2017 Lyrik

Moderne deutsche Naturlyrik. Interpretationen

Reclam Verlag Stuttgart2016 Essay

HAB DEN DER DIE DAS : Friederike Mayröcker zum 90. Geburtstag

Edition Art Science St. Wolfgang2014 Lyrik

Gespräch über Bäume: Moderne deutsche Naturlyrik

Reclam Verlag Stuttgart2013 Lyrik

Jahrbuch der Lyrik 2011

Deutsche Verlags-Anstalt München2011 Lyrik

Versnetze. Deutschsprachige Lyrik der Gegenwart

Verlag Ralf Liebe Weilerswist2008-2017 Lyrik

Der große Conrady. Das Buch deutscher Gedichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart

Artemis & Winkler Düsseldorf2008 Lyrik

Kurze Weile. Gedichte in wenigen Zeilen

Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz2003 Lyrik

Poetische Sprachspiele: Vom Mittelalter bis zur Gegenwart

Reclam Verlag Stuttgart2002 Lyrik

Slam! poetry

Killroy Media Asperg1997 Lyrik, Prosa

Wortnetze II. Neue Gedichte deutschsprachiger Autoren

Autoreninitiative Köln1990 Lyrik

Dem Meister des langen Atems : Paulus Böhmer zu Ehren

Edition Faust Frankfurt am Main2016

50 Gedichte zum Leben

Das fröhliche Wohnzimmer - Edition Wien2014 Lyrik

Stadtlandfluss: 111 Dichterinnen und Dichter aus Nordrhein-Westfalen

Lilienfeld Verlag Düsseldorf2014 Lyrik

Haiku hier und heute

Deutscher Taschenbuch Verlag München2012 Lyrik

Paragramme

edition ch Wien2011 Lyrik

Der deutsche Lyrikkalender. Jeder Tag ein Gedicht

Alhambra Publishing B-Bertem2008-2014 Lyrik

In höchsten Höhen

Aufbau-Verlag Berlin2005 Lyrik

Poesie Agenda

orte Verlag CH-Schwellbrunn2002-2017 Lyrik

Kaltland Beat. Neue deutsche Szene

Ithaka Verlag Stuttgart1999 Essay, Lyrik, Prosa

Chimären

Hybriden Verlag Berlin1994 Lyrik, Graphik / Künstlerbuch

Einträge im Register der Literaturzeitschriften

Veröffentlichungen in literarischen Zeitschriften

Freibord

Edition Freibord Wien Zeitschrift für Literatur und Kunst

Kritische Ausgabe

Bonn Zeitschrift für Germanistik & Literatur

manuskripte

manuskripte - Literaturverein Graz Zeitschrift für Literatur

Muschelhaufen

Viersen Jahresschrift für Literatur und Grafik

orte

orte-Verlag CH-Rütegg Schweizer Literaturzeitschrift

Poet

Poetenladen Leipzig Literaturmagazin

Triëdere

Wien Periodikum für Theorie und Kunst

Zeichen & Wunder

Frankfurt am Main Zeitschrift für Kultur

Konzepte

Neu-Ulm Zeitschrift für Literatur

Lichtungen

Literaturkreis Lichtungen Graz Zeitschrift für Literatur, Kunst und Zeitkritik

Matrix

Pop Verlag Ludwigsburg Zeitschrift für Literatur und Kunst

Ort der Augen

Dr. Ziethen Verlag Oschersleben Blätter für Literatur

Ostragehege

Literarische Arena Dresden Zeitschrift für Literatur und Kunst

Signum

Dresden Zeitschrift für Literatur und Kritik

UNI/vers(;)

Halle an der Saale Künstlerzeitschrift für visuelle Poesie

Übersetzungen

Richard Burns, Schwarzes Licht

Bunte Raben Verlag Lintig-Meckelstedt1996 englische Lyrik

Richard Burns, Tree/Baum

Privatdruck Sistig/Eifel1989 englische Lyrik

Herausgeberschaften

Matrix 36. Axel Kutsch spannt Versnetze übers Wortland

Pop-Verlag Ludwigsburg2014 Zeitschrift für Literatur und Kunst

Matrix 29. Jeder auf seine Art für Hans Bender

Pop Verlag Ludwigsburg2012 Zeitschrift für Literatur und Kunst

Lyrikreihe Edition YE: Einzeltitel von Margot Beierwaltes, Joseph Buhl, Marianne Glaßer, Frank Milautzcki, Andreas Noga, Antje Paehler, Maximilian Zander

Edition YE Sistig/Eifel2002-2006 Lyrik

Wörter sind Wind in Wolken, VorBild, 2002, Ein Dach aus Laub, Gegen die Schwerkraft der Sinne, In ein anderes Blau, Vulkan Obsidian

edition bauwagen Itzehoe2000-2006 Anthologie / Künstlerbuch mit lyrischen Autographen

Faltblatt N° 1 - Faltblatt N° 9

Edition YE Sistig/Eifel1994-2004 Lyrikzeitschrift

Lyrik aus der Schreibwerkstatt N° 1 - N° 15

Köln1991-2004 Lyrik / Anthologie

Matrix 28. Atmendes Alphabet für Friederike Mayröcker

Pop Verlag Ludwigsburg2012 Zeitschrift für Literatur und Kunst

NordWestSüdOst. Gedichte von Zeitgenossen

Edition YE Sistig/Eifel2003 Lyrik-Anthologie

Wortrakete. Visuelle Poesie

edition bauwagen Itzehoe2002 Anthologie / Künstlerbuch mit internationaler visueller Poesie

Lyrikreihe edition bauwagen: Einzeltitel von Axel Kutsch, Andreas Noga, Frank Milautzcki, Jan Volker Röhnert, Heike Smets, Gerd Sonntag, Jürgen Völkert-Marten, Maximilian Zander

edition bauwagen Itzehoe1999-2007 Lyrik / Künstlerbuch

YE N° 1 - YE N° 13

Edition YE Sistig/Eifel1993-2008 Kunstschachtel mit Lyrik und Graphik

Zuletzt durch Theo Breuer aktualisiert: 15.11.2017

Literaturport ID: 1815