Volker Braun

© Renate von Mangoldt (2000)

Steckbrief

geboren am: 7.5.1939
geboren in: Dresden/ Sachsen/ DDR
lebt in: Berlin, Pankow

Kontakt: Wolfshagener Str. 68, 13187 Berlin

Telefon: 030-47535752

Vita

Volker Braun wurde 1939, an einem Sonntag vor dem Krieg, in Dresden geboren. Sein Vater fiel am letzten Kampftag, sein sechster Geburtstag war der Tag der Befreiung und Besetzung. Dresden war zerstört, seine ästhetische Schule waren die schönen Ruinen. Die Mutter ließ die fünf Söhne, der Not trotzend, dem Antrieb der Neigungen folgen; der Staat, abstrakter denkend, zwang ihn auf die übliche Landstraße. Nach dem Abitur in die Produktion: drei Jahre Druckereiarbeiter, Tiefbauarbeiter und Tagebaumaschinist, ehe er in Leipzig Philosophie studierte. Der Rausch der Arbeit (an den Handbaggern) und die stumpfe Qual, eine Erfahrung der Ungleichheit, von schöpferischer und Dreckarbeit: der elementare Stoff des Schreibens. Selbstgefühl und Mitgefühl waren die geheimen Motoren, und die intimen Berichte wurden unverhofft zum öffentlichen Vorgang. Bekannt wurde er durch seine ersten Gedichte: "Provokation für mich", die Stephan Hermlin 1962 in der Akademie der Künste vortrug und die dann fast zur Exmatrikulation führten. 1965 holte ihn Helene Weigel an das Berliner Ensemble, wo sein erstes Stück "Der Kipper" inszeniert (und verboten) wurde. Nach der Niederschlagung des Prager Frühlings schrieb er "Lenins Tod". 1972 bis 1977 war er Mitarbeiter des Deutschen Theaters, anschließend bis 1990 Hausautor am Berliner Ensemble. Dort inszenierte Manfred Wekwerth "Großer Frieden". Es war Theaterarbeit in der Nachfolge Brechts, "der Versuch eines philosophischen Volkstheaters: in unphilosophischer Zeit, in der das Volk eine unbegriffene große Rolle spielte. Was lag näher und ferner, als die Möglichkeit geschichtlichen Handelns zu untersuchen..." Auch viele seiner späteren Werke - die "Unvollendete Geschichte", der "Hinze-Kunze-Roman", der "Bodenlose Satz", die Gedichtbände "Training des aufrechten Gangs", "Langsamer knirschender Morgen", die Stücke „Dmitri“, „Die Übergangsgesellschaft“, "Transit Europa" - waren „Arbeit gegen die Deckgebirge der Verheißungen“.
In der fundamentalen Kritik seines konspirativen Realismus blieb Volker Braun ein "absoluter Eigensinner" und "Dialektiker im genußreichen Sinne" (Jury des Kritikerpreises, 1996) auch nach der deutschen Vereinigung, sei es mit der abgründigen Novelle „Die vier Werkzeugmacher“, mit den Gedichtzyklen „Tumulus“ und "Auf die schönen Possen" oder den Stücken „Der Staub von Brandenburg“ und „Limes. Mark Aurel“ und "Was wollt ihr denn". Die Darmstädter Akademie verlieh den Büchner-Preis 2000 „dem Dichter, der mit Erbarmen und Witz eine lebendige Chronik seiner geschichtlichen Welt geschaffen“ und „die Sprache und die Formen der philosophischen Epoche der deutschen Literatur erneuert und verwandelt hat“. 2006 wurde Volker Braun zum Direktor der Sektion Literatur der Akademie der Künste gewählt.

Würdigung

1980 Heinrich-Mann-Preis
1981 Lessing-Preis
1986 Bremer Literaturpreis
1988 Nationalpreis 1. Klasse
1989 Berliner Literaturpreis
1992 Schiller-Gedächtnispreis
1996 Kritikerpreis
2000 Georg-Büchner-Preis

Literaturport ID: 178