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Prousts Erben - Großprojekte autobiographischer Prosa II

Donnerstag, 19. Oktober 2017

20:00 UHR

Veranstaltungsort

Literaturhaus Berlin

Fasanenstr. 23
10719 Berlin
Tel.: 030-887286-0
literaturhaus(at)literaturhaus-berlin.de
www.literaturhaus-berlin.de

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Eintritt: 5.- / 3.- EURO

Details

Krieg und Diktatur im 20. Jahrhundert
Sebastian Guggolz, Andreas Isenschmid und Katharina Teutsch sprechen über die autobiographischen Großprojekte von Warlam Schalamow, Claude Simon und Mircea Cǎrtǎrescu. Moderation: Nadja Küchenmeister
Mircea Cǎrtǎrescu folgt seinem eigenen Leben durch eine hyperreal wahrgenommene Stadt Bukarest. Sein Held Mircea wird ihm zur Zwillingsfigur, die noch einmal die Welt in ihrer Totalität, vom Mikrokosmos zum Makrokosmos, von der Wirklichkeit zu Fiktion und Fantastik, durchmisst. Historisch reicht sein Blick von der Generation der Urgroßväter bis zur antikommunistischen Revolution im Dezember 1989, die in eine betrügerische Farce mündet.
Warlam Schalamow, der als avantgardistischer Dichter begonnen hatte, war mehr als zwei Jahrzehnte als politischer Häftling im Gulag. In seinen "Erzählungen aus Kolyma" beschreibt er nüchtern und schmerzhaft genau den Lageralltag, die Arbeitsvorgänge, Hierarchien, Hunger und Elend, die Grausamkeit des Regimes ebenso wie der Mitgefangenen, Anpassung und schlichte Überlebensstrategien.
Für Claude Simon, einen der Hauptvertreter des Nouveau Roman, ist "alles autobiographisch, auch das Erfundene". Die Traumata, die er im Spanischen Bürgerkrieg und später im Zweiten Weltkrieg erleidet, lassen ihn ein Leben lang nicht los und finden immer wieder Eingang in seine Bücher. Claude Simon fordert seine Leser auf wundersamste Weise, in dem er das lineare Erzählen aufgibt, Zeiten durchmischt und einen einzelnen Satz über mehrere Seiten fließen lässt, ohne als Erzähler jemals selbst verloren zu gehen. Nie ist es ihm um "die Erzählung eines Abenteuers" zu tun, aber immer um "das Abenteuer der Erzählung" in der "Gegenwart des Schreibens".
An vier Abenden - von September bis Dezember - werden außer den oben genannten Romanfolgen noch die autobiographischen Werke von Walter Kempowski, Peter Kurzeck, Hermann Lenz, Gerhard Henschel, Karl Ove Knausgård, J.J. Voskuil, Hubert Fichte, Michel Leiris und Friederike Mayröcker im Gespräch mit Autoren, Kritikern und Literaturwissenschaftlern vorgestellt. Moderiert werden die Abende von der Schriftstellerin Nadja Küchenmeister, die diese Reihe auch konzipiert hat.

Veranstalter