Leselampe

2020 | KW 16

© privat

Buchempfehlung der Woche

von Anna Giannessi

Anna Giannessi studierte moderne Fremdsprachen und Literaturwissenschaften in Pisa und Editionswissenschaft an der Freien Universität Berlin. Sie lebt seit 2012 in Berlin, wo sie im Kulturmanagement und als freie Übersetzerin arbeitet. Für die Berliner Literarische Aktion war sie für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit u.a. des Stadtsprachen Festivals und der Literaturreihe PARATAXE tätig. Seit 2017 wirkt sie bei der Organisation internationaler Lesungen im Veranstaltungsraum ausland mit. Zudem arbeitet Anna Giannessi in der ifa-Galerie Berlin (Institut für Auslandsbeziehungen) und verwaltet das Projekt Akademie zur Lyrikkritik im Haus für Poesie. 2020 ist im Verlagshaus Berlin ihre deutsche Übersetzung von Pier Paolo Pasolinis “Der Zorn” erschienen.

Sam Greenlee
The Spook Who Sat by the Door
Brawtley Press, New York 2015 (EA: Allison & Busby, London 1969).

Das Gespenst der schwarzen Revolution. “The Spook Who Sat by the Door” ist: Spystory, Karikatur einer Integrationsgeschichte, Thriller, Stadtguerilla-Handbuch und Pflichtlektüre an der FBI-Akademie in Quantico. Sein Autor, Sam Greenlee, diente in der US-Armee und arbeitete zwischen 1957 und 1965 für die US Information Agency als einer der ersten schwarzen Offiziere des Auswärtigen Dienstes zur Förderung der US-amerikanischen Kultur im Irak, Pakistan, Indonesien und Griechenland. Nachdem  er die USA verließ, schrieb Greenlee 1968 auf Mykonos das, was später als der erste schwarz-nationalistische Roman bezeichnet wurde.

“The Spook Who Sat by the Door” ist die erfundene Geschichte von Dan Freeman, einem schwarzen CIA-Offizier, der mit seiner Expertise eine Gruppe schwarzer Gangmitglieder und Vietnam-Kriegsveteranen in Chicago zu einem Aufstand gegen Polizei und Stadtregierung organisiert. “The Spook Who Sat by the Door” ist eine nicht- fiktionale Geschichte von Rassismus, Gewalt und Klassenunterdrückung und eine nicht-fiktionale Geschichte der Personen und politische Gruppen, die ihr ‘spezialisiertes Training’ zur Subversion der Mehrheitsgesellschaft einsetzen.

Nach der Ablehnung des Manuskripts durch mehrere Verlage in den USA    wurde Sam Greenlees Roman 1969 in Europa von Alison & Busby veröffentlicht. 1974 wurde “ The Spook Who Sat by the Door” unter der Regie von Ivan Dixon verfilmt und mit dem Soundtrack von Herbie Hancock vertont. Nach einem ersten großen Erfolg zog die Hollywood Produktionsfirma United Artists unter dem Druck des FBI den Film aus den Kinos zurück. Das Gespenst der politischen Zensur im demokratischen Zeitalter. Let us read.

Mehr Informationen

2020

63