Leselampe

2021 | KW 5

Buchempfehlung der Woche

von Amrit Mehta

Amrit Mehta, geb. 1946, promovierter Germanist und früherer Leiter des Center for Translation Studies an der English and Foreign Languages University Hyderabad, gibt seit 25 Jahren die indische Literaturzeitschrift Saar Sansaar heraus. Bis heute hat er 96 Bücher aus dem Deutschen übersetzt, u. a. von Günter Grass, Peter Bichsel, Herta Müller und Elfriede Jelinek. In Indien werden seine literarischen Übersetzungen auf Hindi in andere indische Sprachen übersetzt und veröffentlicht. In Indien hat er zahlreiche Lesungen deutschsprachiger Autoren organisiert, z.B. mit Robert Menasse, Franz Hohler, Iso Camartin, Andreas Weber, Zdenka Becker, Peter Rosei und Abbas Khider. 2006 hat Amrit Mehta vom Bundeskanzleramt Österreich eine Prämie für seine Leistungen als Übersetzer literarischer Werke erhalten. Amrit Metha lebt in Neu-Dehli.

Robert Menasse
Die Hauptstadt
(Roman), Suhrkamp Verlag, Berlin 2017.

Robert Menasse predigt nicht. Sein beißender Sarkasmus reicht aus, um seine Intention zu übermitteln. Die meisten seiner Schriften sind politisch geprägt. Sie sollten unbedingt in alle Weltsprachen übersetzt werden! Ich habe Die Hauptstadt mit viel Vergnügen gelesen und auch übersetzt und halte diesen Roman für seinen ausgereiftesten. Menasse ist seiner Ideologie und seine Idealen treu geblieben.

Im Grunde genommen beschreibt der Roman die Irrelevanz der Europäischen Kommission, die sich im Wesentlichen um das Ego und die kleinen Ambitionen ihrer Bürokraten zu kümmern scheint. Gleichzeitig wird die jüngste Geschichte Europas verhandelt: die Vebrechen gegen die Juden sowie der bis heute gegenwärtige Rassismus, Nationalismus und Rechtspopulismus. Die Handlung beginnt mit einem Mord und im Mittelpunkt der Erzählung steht plötzlich ein Schwein. Der Krimi wird ein Thriller, enthüllt viele Schichten mit vielen Figuren und Aktionen wie Spionage, Verrat, Sex für Gefälligkeiten, Gier, Heuchelei, und vor allem das Handeln der einzelnen Länder zu ihren eigenen Gunsten. Es geht um Gewalt, Krieg und den Opportunismus der Mächtigen.
Was eigentlich ernste Angelegenheiten sind, wird von Menasse auf luftige Weise angegangen, die den Leser dazu bringt, über die politische, wirtschaftliche und psychologische Denkweise Europas nachzudenken.

Menasse selbst glaubt fest an die politische Fusion Europas, jedoch möchte er die kulturelle Vielfalt des Kontinents bewahren. Sein Glaube an den Zusammenschluss der europäischen Staaten hat sehr viel mit Europas nationalsozialistischer Vergangenheit zu tun. Repäsentativ glaubt er an das “Friedensprojekt Europa“, worüber er seit Jahren schreibt und Vorträge hält.

Sehr empfehlenswert! 

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